Geldpolitik:Notenbanken nähern sich Zinsgipfel

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Der Hauptsitz der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) in Washington. (Foto: Pablo Martinez Monsivais/AP/dpa)

Die einen legen ebenfalls eine Zinspause ein, andere Währungshüter treiben den Leitzins im Kampf gegen die Inflation weiter nach oben. Von mancher Notenbank-Entscheidung sind auch Investoren überrascht.

Direkt aus dem dpa-Newskanal: Dieser Text wurde automatisch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) übernommen und von der SZ-Redaktion nicht bearbeitet.

Frankfurt/Main (dpa) - Wichtige Notenbanken der westlichen Welt haben am Mittwochabend und Donnerstag unterschiedliche geldpolitische Entscheidungen getroffen. Den Zinsgipfel dürften die Notenbanken zwar bald erreicht haben, die Tür für weitere Straffungen blieb jedoch offen.

So haben die US-Notenbank Fed und die Schweizerische Nationalbank SNB ihre Zinsen nicht weiter angehoben, auch die britischen Währungshüter beließen es beim bisherigen Satz. Die schwedische und die norwegische Notenbank hingegen schraubten den Zinssatz weiter nach oben. Erneut deutlich angehoben hat die türkische Notenbank den Leitzins angesichts extrem hoher Inflation.

Die Leitzinsen waren im vergangenen und in diesem Jahr stark erhöht worden, um die auch infolge des Ukraine-Krieges deutlich gestiegene Inflation zu bekämpfen. Jetzt rücken Wachstumssorgen immer mehr in den Vordergrund, nachdem sich die Inflation abgeschwächt hat. Allerdings sorgen die gestiegenen Ölpreise für neue Inflationsgefahren.

USA

Am Mittwochabend tastete die US-Notenbank Fed ihren Leitzins wie erwartet nicht an. Er bleibt damit in der Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent. Die Zinsprognosen signalisieren jedoch eine weitere Erhöhung in diesem Jahr. Zudem wurden für das nächste Jahre weniger Zinssenkungen in Aussicht gestellt. Fed-Chef Jerome Powell betonte, dass Daten das Vorgehen in den kommenden Monaten bestimmen werden.

Schweiz

Die Schweizerische Nationalbank legte am Donnerstag überraschend eine Zinspause ein. Die über die letzten Quartale deutlich gestraffte Geldpolitik wirke dem immer noch vorhandenen Inflationsdruck entgegen, teilte die SNB mit. Es sei aber aus heutiger Sicht nicht auszuschließen, dass eine weitere geldpolitische Straffung nötig sein werde, um Preisstabilität in der mittleren Frist zu gewährleisten.

Der Leitzins liegt in der Schweiz derzeit bei lediglich 1,75 Prozent und damit deutlich niedriger als in anderen westlichen Ländern. Allerdings befindet sich die Inflation mit 1,6 Prozent aktuell innerhalb des SNB-Zielbandes von 0 bis zwei Prozent.

Großbritannien

Auch die britische Notenbank überraschte die Fachleute, weil sie ihren Leitzins nicht weiter angehoben hat. Er beträgt nach wie vor 5,25 Prozent, wie die Bank of England in London mitteilte. Ökonomen hatten überwiegend mit einer weiteren Straffung gerechnet. Es wäre die fünfzehnte Zinserhöhung seit Ende 2021 gewesen. Aktuell rangiert der Leitzins auf dem höchsten Stand seit der Finanzkrise 2008.

Schweden und Norwegen

Sowohl die schwedische als auch die norwegische Notenbank erhöhten dagegen ihre Leitzinsen um je 0,25 Prozentpunkte. In beiden skandinavischen Ländern wurde zumindest eine weitere Erhöhung in Aussicht gestellt. Wenngleich auch hier die gestiegenen Zinsen zunehmend die Konjunktur belasten.

An den Finanzmärkten sorgte am Donnerstag vor allem die Entscheidung der Schweiz für Kursausschläge. So geriet der Schweizer Franken zu allen wichtigen Währungen unter Druck. Schließlich hatten Finanzmarktexperten überwiegend mit einer Zinserhöhung gerechnet. Bei der norwegischen Krone und der schwedischen Krone hielten sich die Ausschläge in Grenzen, da die Entscheidungen erwartet worden waren.

EU

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte in der vergangenen Woche den Leitzins erneut um 0,25 Prozentpunkte erhöht. EZB-Chefin Christine Lagarde signalisierte jedoch, dass dies die zunächst letzte Zinserhöhung sein könnte. Aber auch sie machte die Tür für eine weitere Erhöhung nicht zu und verwies auf die Datenentwicklung.

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel legt sich in der Frage nach dem Zinsgipfel auch nach der zehnten EZB-Zinserhöhung in Folge nicht fest. „War es das jetzt mit den Leitzinsanstiegen? Haben wir die Hochebene erreicht? Das lässt sich noch nicht klar absehen“, sagte Nagel laut Redetext beim Verbandstag der Sparda-Banken in Frankfurt. „Noch immer ist die Inflationsrate zu hoch. Und noch immer zeigen die Prognosen nur einen langsamen Rückgang hin zum Zielwert von zwei Prozent“, sagte Nagel. Die EZB strebt diesen Wert mittelfristig für den Euroraum an. Im August lagen die Verbraucherpreise um 5,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die Kernteuerung ohne Preise für Energie und Lebensmittel betrug im Euroraum 5,3 Prozent.

Die Bekämpfung der hartnäckig hohen Inflation hat aus Sicht von Bundesfinanzminister Christian Lindner „erste Priorität“. „Geldwertstabilität wiederherzustellen ist entscheidend, nicht nur für den sozialen Zusammenhalt, sondern auch für die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt. Sonst wird irgendwann unser Fundament unterspült“, sagte der FDP-Politiker bei einer Bankentagung in Frankfurt, zu der er per Video zugeschaltet wurde.

Es sei für die Bundesregierung nachvollziehbar, dass die EZB zum zehnten Mal in Folge die Leitzinsen im Euroraum angehoben habe, sagte Lindner: „Wenngleich wir inzwischen die realwirtschaftlichen Auswirkungen nicht übersehen können - Stichwort: Baukonjunktur.“

Höhere Zinsen verteuern Kredite, was die Nachfrage bremsen und hohen Teuerungsraten entgegenwirken kann. Teurere Kredite sind aber zugleich eine Last für die ohnehin schwächelnde Wirtschaft.

Türkei

In der Türkei steigt der Leitzins gleich um 5,0 Prozentpunkte auf 30,0 Prozent, wie die Notenbank in Ankara mitteilte. Es war die vierte Zinserhöhung in Folge. Der Leitzins liegt aber weiter unter der Inflationsrate, die im August auf 58,9 Prozent gestiegen war.

© dpa-infocom, dpa:230921-99-279688/5

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