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Geldpolitik der US-Notenbank:Wie eine Fed-Sitzung die Welt verändert

Pilgrims enjoy sunrise on Copacabana Beach ahead of Pope Francis' Sunday mass in Rio de Janeiro

Viele Investoren zog es nach Brasilien: die Copacabana in Rio de Janeiro

(Foto: REUTERS)

Dieses Treffen könnte heftige Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben: Die US-Notenbank Fed steht kurz davor, aus der lockeren Geldpolitik auszusteigen. Es ist eine schwierige Entscheidung - mit Konsequenzen vor allem für die Schwellenländer.

Finanzhändler auf der ganzen Welt zittern dem Ende der Fed-Sitzung entgegen. Die mächtige Zentralbank der USA könnte am Mittwochabend das Ende ihrer aktuellen Krisenstrategie verkünden.

Eine Fed-Sitzung - warum ist das interessant?

Die Fed ist nicht irgendeine Zentralbank. Sie ist die Zentralbank. Diese Institutionen sind wichtig, denn sie kümmern sich ums Geld. Sie sorgen dafür, dass es nicht zu wenig davon gibt und nicht zu viel. Sie geben Banken Kapital, damit die Geldhäuser Kredite an Unternehmen und Privatpersonen vergeben können. Ist die Zentralbank dabei zu lax, sind Kredite zu billig. Menschen und Firmen kaufen dann Autos oder Maschinen auf Pump, die sie sich gar nicht leisten können - und gehen deshalb später pleite.

Ist die Zentralbank zu streng bei der Kapitalvergabe, verteilen die Banken zu wenig Kredite. Verbraucher können sich dann nicht mehr leisten, ein Haus zu bauen oder eine Phase der Arbeitslosigkeit zu überbrücken; Unternehmen können nicht in neue Produkte investieren - und gehen schlimmstenfalls insolvent. Der Job eines Zentralbankers ist also eine ziemliche Gratwanderung. Das meiste Kapital der Welt fließt durch die New Yorker Filialen der großen Banken. Dadurch beeinflusst die Geldpolitik der Fed nicht nur Amerikaner, sondern praktisch alle Wirtschaftsakteuere der Welt.

Welche Politik macht die Fed aktuell?

Die Währungshüter in Washington haben nach der Finanzkrise eine sehr lockere Geldpolitik ausgerufen. Sie haben den Leitzins sehr stark gesenkt. Damit wird es für Banken billiger, sich Kredite bei der Zentralbank zu holen. (Technisch gesehen ist das übrigens kein richtiger Leitzins, sondern ein discount rate window, ein Zinskorridor, aber das ist nicht so wichtig.) Eigentlich lautet die Formel: Je niedriger der Leitzins, desto mehr Kapital für die Banken, desto mehr Kredite für die Wirtschaft, desto mehr Wachstum. Doch in einer Finanzkrise funktioniert das nicht, die Banken sind zu nervös und teilweise zu beladen mit schlechten Krediten, um nach Plan zu arbeiten.

Die Fed hat den Leitzins so stark gesenkt, bis es nicht weiterging: auf null Prozent. Deswegen hat die Fed zu sogenannter "unkonventioneller Geldpolitik" gegriffen, die unter dem Schlagwort Quantitative Easing bekannt ist. Seit 2008 kauft die Fed dafür Wertpapiere auf. So kommt ebenfalls Kapital ins Finanzsystem. Aktuell gibt die Notenbank monatlich 85 Milliarden Dollar aus (40 für Hypothekenanleihen und 45 für langlaufende Staatsanleihen). Den gigantischen Umfang der Operation kann man an der Bilanz der Fed ablesen. Vor der Krise war dort Vermögen in Höhe von 900 Milliarden Dollar verbucht. Jetzt sind es fast 3700 Milliarden.

Woher hat die Fed das Geld?

Zentralbanken erschaffen Geld aus dem Nichts, dafür sind sie da. Heutzutage reicht ein Mausklick - und Geld erscheint auf einem Konto. Wichtig ist dabei, dass die Zentralbanken diese Macht nicht missbrauchen, sondern die richtige Balance zwischen "zu viel" und "zu wenig" Geld wahren.

Wenn die Fed so viel Geld erfinden kann, wie sie will: Wird sie dann immer weiter Papiere aufkaufen?

Nein. Sie hat klar gemacht, aus dem Programm auszusteigen, wenn die Arbeitslosigkeit genug gefallen ist. Die hat sich nach Ausbruch der Krise verdoppelt, und sie geht nur langsam zurück. Bald könnte die Fed aber zufrieden sein, aktuell liegt die Arbeitslosenquote bei 7,3 Prozent ( auch wenn viele neue Jobs nur Teilzeitstellen sind). Durch einen rechtzeitigen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik soll verhindert werden, dass in einem Aufschwung Kredite zu billig werden und Blasen entstehen. Denn das ist gefährlich: Eine Blase am Häusermarkt in den USA hat die Finanzkrise mit ausgelöst.

Was bewirkt die Fed-Politik in der Welt?

Das viele Geld drückte die Zinsen in den USA. Globale Investoren, die etwa das Kapital für Rentner oder Lebensversicherer gewinnbringend anlegen müssen, brauchen aber mehr Rendite, als sie in den USA in den vergangenen Jahren bekommen haben. Deswegen floss viel Kapital in die Schwellenländer - das hat Staaten wie Brasilien und Indien geholfen, Wachstum zu finanzieren. Doch nun erwarten die Finanzmärkte, dass die Fed aus ihrem Milliardenprogramm aussteigt. Deswegen steigen die Zinsen in den USA. Investoren ziehen nun Kapital aus den Schwellenländern ab und legen es wieder in den USA an. Deswegen gilt vor allem für Staaten in Südamerika und Asien nun ein Spruch, der dem bekannten Investor Warren Buffett zugeschrieben wird: "Erst wenn die Ebbe kommt, sieht man, wer nackt schwimmt." Nach dem Ende der Geldflut zeigt sich, ob die Schwellenländer das Kapital damals klug investiert haben oder nicht. Die ersten nackten Körperteile sind bereits zu sehen. Die indische Währung etwa ist enorm abgestürzt, und auch Brasilien hat nun Probleme.

Bedenkt die Fed diese Konsequenzen?

Nicht wirklich. Sie ist der Konjunktur in den USA verpflichtet, auch wenn keine Zentralbank das globale Finanzsystem gefährden würde, um kurzfristig der eigenen Währung zu helfen. Denn eine große Krise trifft immer alle.

Der Fed-Chef heißt Ben Bernanke - noch. Wer wird sein Nachfolger?

Beobachter zählen sie zu einer der wichtigsten wirtschaftspolitischen Entscheidungen, die Barack Obama treffen wird: einen neuen Fed-Chef zu benennen. Zentralbanken agieren unabhängig von der Regierung, weil sie so mächtig sind. Hätten die Poltiker direkten Einfluss, würde die Geldpolitik öfter Wachstum über stabile Preise stellen. Das könnte der Wirtschaft langfristig schaden. Die Benennung eines Fed-Chefs ist also äußert wichtig. Bernankes Amtszeit endet im Januar 2014 ( Reuters zieht eine Bilanz in Grafiken). Obama hat bisher zwei Kandidaten interviewt: Larry Summers und Janet Yellen. Summers hat jedoch am Wochenende aufgegeben, viele Demokraten hatten Widerstand gegen ihn angekündigt, weil er zu wirtschaftsliberal sei. Somit ist nun Yellen die Favoritin, die schon Vizechefin der Fed ist. Obama kann sich aber noch für einen anderen Kandidaten entscheiden.