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Geldgeschäfte:Es droht Totalverlust

Verbraucherschützer warnen vor einer Finanzbetrugs-Masche im Internet: Es geht um Differenz- und Spekulationsgeschäfte, die Offshore-Briefkastenfirmen anbieten. 43 Plattformen sind als verdächtig gemeldet.

Die Experten der Verbraucherzentrale Hessen warnen vor unseriösen Anbietern von sogenannten Differenzkontrakten (CFD) und Devisenmarktspekulationen (Forex-Trading) auf Internetplattformen. "Oft machen Verbraucher nach anfänglichen Gewinnen nur noch Verluste. Die Anbieter verzögern oder verweigern die Auszahlung der Gewinne oder reagieren gar nicht mehr", so die Verbraucherschützer, die zu Jahresbeginn erneut viele Reklamationen von Anlegern erhielten. Es lägen Beschwerden zu 43 Plattformen vor.

Das Online-Geschäft mit riskanten Finanzprodukten ist ein europaweites Problem. Die europäische Finanzmarktaufsichtsbehörde Esma hat den Betreibern dieser Handelsplattformen aus Verbraucherschutzgründen bereits untersagt, Privatanlegern binäre Optionen - ein Finanzderivat - zu verkaufen. Bei Differenzkontrakten gelten strenge Auflagen und Beschränkungen. Mit Differenzkontrakten spekulieren Anleger etwa auf die Kursentwicklung einer Aktie oder eines Rohstoffs. Mitunter gibt es dort Nachschusspflichten, wodurch sich Anleger selbst bei Anbietern ohne betrügerische Absichten finanziell ruinieren können.

Das Bundeskriminalamt hat Ende des Jahres in einer Warnmeldung auf die Möglichkeit des Totalverlustes bei unseriösen Anbietern aufmerksam gemacht. "Es gehört zur Betrugsmasche, dass der Kunde anfangs telefonisch betreut wird und scheinbar Gewinne macht, die er sich jedoch nicht auszahlen lassen kann. Die anfallenden Kosten sind intransparent und die eingezahlten Gelder fließen der Kapitalanlage nicht zu." Den Betreiberfirmen sei das Angebot solcher Geschäfte hierzulande nicht gestattet. Dennoch gibt es im Netz viele Anbieter, die sich nicht an die Vorschriften halten. Sie haben Offshore-Briefkastenadressen und wechseln ständig ihre Namen.

Wie Betroffene der Verbraucherzentrale schildern, sind die Abläufe oft ähnlich. Anfangs werde ein kleines Startkapital von meist 250 Euro gefordert. Anleger berichten, dass sie zunächst Gewinne machten und ein "persönlicher Broker" sie überzeugt habe, mit höheren Einzahlungen mehr Ertrag zu erzielen. Die vorliegenden Fälle zeigten: Sobald dann eine höhere Summe auf dem Konto der Trading-Plattform eingegangen sei, fingen die Probleme an. "Die Auszahlung von Guthaben wird verschleppt, die 'persönlichen Broker' sind dann meist nicht mehr erreichbar. Oder sie belästigen Verbraucher, die aus dem Handel aussteigen möchten, mit Telefonanrufen", sagt Wolf Brandes, Teamleiter Grauer Kapitalmarkt beim Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Hessen.

Mit aufwendigen Internetseiten, die persönliche Erfolgsgeschichten erzählen, prominenten Namen oder durch die Verwendung von Logos bekannter Medien täuschten die Anbieter Seriosität vor. Ein Impressum suchten Verbraucher auf den Seiten meist vergeblich. Da etliche dieser Plattformen im Ausland registriert seien, hätten Verbraucher kaum eine Chance, an ihr Geld zu kommen.