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Geldanlage:Wie am Fließband

Dekabank - 100. Jubiläum

Das Gebäude der Deka-Bank in Frankfurt am Main. Mit einem Marktanteil von 19 Prozent ist die Deka einer der größten Anbieter von Zertifikaten.

(Foto: Frank May/dpa)

Die Fondsgesellschaft Deka verkauft Anlegern inzwischen mehr Zertifikate als Wertpapierfonds.

Erst seit fünf Jahren bietet die sparkasseneigene Fondsgesellschaft Deka zusätzlich zu Fonds auch Zertifikate an - jene Papiere also, die zumindest bei Verbraucherschützern einen zweifelhaften Ruf haben, weil Privatanleger ihre Chancen, Risiken und Kosten oft noch schwerer einschätzen können als das ohnehin bei vielen Anlageprodukten der Fall ist. Das hindert die Sparkassen nicht daran, Zertifikate heute wieder fleißig zu verkaufen: Mit einem Marktanteil von gut 19 Prozent ist die Deka inzwischen nach der genossenschaftlichen DZ Bank zum Marktführer bei Zertifikaten avanciert. Erstmals seit 2013 verkaufte die Deka sogar mehr Zertifikate an Privatanleger als Wertpapier- und Immobilienfonds. Der Nettoabsatz von Zertifikaten sei 2018 von 4,8 auf 5,7 Milliarden Euro gestiegen, während der übrige Fondsabsatz von 7,5 auf 5,6 Milliarden Euro sank, teilte die Fondsgesellschaft am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz mit.

Neben der Deka emittieren auch Landesbanken wie die jene in Hessen-Thüringen (Helaba) oder in Baden-Württemberg (LBBW) eifrig Zertifikate und verkaufen sie über Sparkassen-Filialen bundesweit. Der deutsche Markt für diese Produkte ist inzwischen sogar zur Hälfte in Sparkassenhand, während Geldhäuser wie Deutsche Bank und Commerzbank zunehmend zurückhaltend sind bei diesen Produkten. Seit der Finanzkrise hat sich der Zertifikate-Absatz in Deutschland daher trotzdem fast halbiert auf etwa 73 Milliarden Euro. Mit diesen Papieren kann man nicht nur auf einen Börsenindex oder Einzelaktien wetten, sondern auch darauf setzen, dass bestimmte Kurse besonders wenig schwanken. Die Eintrittswahrscheinlichkeit ist daher oft schwer zu durchschauen.

Dass sich unter dem Strich noch viele Kunden für diese Papiere begeistern, ist wahrscheinlich auch das Ergebnis der mageren Zinsen. Wer mit dem Festgeldkonto keinen Ertrag mehr erwirtschaftet, ist empfänglich, wenn der Bankberater ein Zertifikat mit ein paar Prozent Zinsen anbietet. Während informierte Anleger - so genannte Selbstentscheider - vermutlich in der Lage sind die richtigen Produkte für sich persönlich auszuwählen, dürfte der Großteil der Privatanleger dabei auf Beratung angewiesen sein. Die Sparkassen selbst begründen den Vertriebserfolg daher auch damit, dass sie die Produkte heutzutage eben viel besser erklären als noch vor der Finanzkrise. Auf Kritik von Verbraucherschützern, die Zertifikate dennoch als zu komplex für die meisten Privatanleger bemängeln, ging der designierte Deka-Chef Georg Stocker am Dienstag nicht konkret ein. Die angebotenen Papiere hätten eine entsprechende Beliebtheit und deckten "gut den Bedarf" der Kunden. Sie würden überwiegend aber nicht an Selbstentscheider verkauft, sondern "in der Beratung".