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Geldanlage:Welche anderen Edelmetalle außer Gold sind im Handel gebräuchlich?

Lesezeit: 4 min

Neben Gold können Anleger in Silber, Platin und Palladium investieren. Doch auch diese Edelmetalle sind Spekulationsobjekte mit schwankenden Kursverläufen. Die Vor- und Nachteile.

Von Larissa Holzki

Selten, begehrt, leicht zu lagern, recyclebar und transportabel - diese Eigenschaften treffen nicht nur auf Gold zu, sondern auch auf viele andere Edelmetalle. Als Wertanlage sind darunter vor allem Silber, Platin und Palladium gebräuchlich. Insbesondere Silber gilt neben Gold als "sicherer Hafen" in Krisenzeiten. Doch wie Gold sind auch andere Edelmetalle Spekulationsobjekte: Ihr Wert kann steigen oder konstant bleiben, aber auch fallen.

Zu der ungewissen Zukunft auf dem Rohstoffmarkt kommt stets das Währungsrisiko. Wenn die in Dollar berechneten Preise für Edelmetalle steigen, der Dollarkurs aber in gleicher Weise sinkt, dann sind die Gewinne futsch. Anders als Gold muss auf die hier vorgestellten Edelmetalle 19 Prozent Mehrwertsteuer bezahlt werden. Ausnahmen gelten für ausländische Silbermünzen, bei denen nur die Differenz zwischen Einkaufs- und Veraufspreis besteuert wird. Nicht zuletzt sollten Sie die hohen Handelsspannen bei Barren und Münzen beachten.

Silber, der kleine Bruder des Goldes

Silber ähnelt Gold in vielerlei Hinsicht: Es gilt seit jeher als Wertgegenstand und Wertaufbewahrungsmittel. Bis ins späte 19. Jahrhundert konkurrierte Silber mit Gold um die größere Bedeutung hinsichtlich der Währungsfunktion. Auch Silber ist nur endlich abbaubar. Die wichtigsten silberproduzierenden Länder sind Mexiko, Peru und China. Die aktuell gefundenen Vorkommen sollen nach Expertenschätzungen die Nachfrage - zum Beispiel aus der Elektroindustrie und der Schmuckerzeugung - voraussichtlich noch 10 bis 20 Jahre decken können. Zwar können weitere Vorkommen gefunden werden, doch in der Regel wird es immer schwieriger, diese abzubauen.

Es gibt also auch hier zwei Gründe zu investieren. Einerseits kann sich der Anleger mit Silber gegen Finanzkrisen absichern, andererseits kann er aufgrund der Knappheit auf einen steigenden Silberpreis wetten. Letzterer wird je Feinunze (ca. 31,1 Gramm) gemessen. Den Kurs können Sie zum Beispiel auf Finanzportalen wie Onvista beobachten. Die Unze Silber kostet nur einen Bruchteil der Unze Gold. Das heißt, wenn Sie in Gold und Silber die gleiche Summe investieren würden, bräuchten Sie für Ihr Silber mehr Platz. Silber bekommen Sie fast überall, wo es auch Gold zu kaufen gibt. Die Auswahl an Münzen und Barren ist in der Regel aber kleiner.

Angebot und Nachfrage bei Silber

Silber ist eher etwas für erfahrene Anleger. Denn der Kurs schwankt wesentlich stärker als der Goldkurs. Das heißt: die Gewinnchancen sind größer, das Verlustrisiko aber auch. Wichtigster Grund dafür ist der wesentlich kleinere Markt. Da sich viele Anleger mit Silber für eine mögliche Inflation absichern wollen, beeinflusst die Inflationserwartung den Kurs. Steigt die Angst vor einer Geldentwertung, steigt auch die Nachfrage und somit der Preis. Auch in der Reaktion auf die weltweite Banken- und Finanzkrise ab 2007 stieg der Silberpreis rasant. Da Silber viel mehr als Gold in der Industrie verwendet wird, können aber Krisen in bestimmten Branchen den Preis senken. Investieren vor allem Elektro-, Foto- und Chemieindustrie weniger, sinkt die Nachfrage und auch Silber verliert an Wert.

Platin - nicht schön, aber selten

Platin ist das wertvollste Edelmetall der Welt. Es ist seltener und schwerer als Gold. Während in den Minen jedes Jahr rund 2.500 Tonnen Gold und etwa 20.000 Tonnen Silber gewonnen werden, sind es nur 200 Tonnen Platin. Diese werden hauptsächlich in Südafrika abgebaut. Der hohe Preis kommt aber nicht nur durch die Seltenheit zustande. Die Herstellung von reinem Platin erfordert einen komplizierten und langwierigen Veredelungsprozess. Aufgrund seiner unscheinbaren, gräulichen Farbe hat Platin in der Kulturgeschichte aber einen wesentlich geringeren Stellenwert als Gold.

Wie bei Silber und Gold gilt: Da Platin einen hohen Eigenwert hat, eignet es sich als physische Geldanlage und Reserve für Krisenzeiten. Trotzdem haben sich die meisten Investoren in der Vergangenheit für Gold entschieden. Das kann man dem Platin als Nachholpotenzial auslegen. Es eignet sich, um Risiko zu streuen. Allerdings bietet nicht jeder Händler Platin an. Selbst bei größeren Edelmetallanbietern wie Pro Aurum sind viele Stückelungen und Münzen nur unregelmäßig verfügbar. Eine größere Auswahl finden Sie zum Beispiel bei der ESG Edelmetall-Handel. Das Angebot an physischen Produkten ist insgesamt kleiner als bei Gold und Silber, Münzen werden nur vereinzelt geprägt. Seine enorme Seltenheit und der Bedarf in der Industrie prädestinieren Platin außerdem als Spekulationsobjekt. Den aktuellen Kurs können Sie zum Beispiel hier verfolgen.

Angebot und Nachfrage bei Platin

Das Einsatzgebiet für Platin ist groß. Das Edelmetall wird unter anderem in der Chemie- und Elektronikindustrie genutzt. In der Schmuckherstellung wird Platin zum Beispiel für Uhren verwendet. Doch lediglich in der Katalysator-Technik eignet sich Platin besser als alle anderen Metalle. Mit dieser Technik werden in der Automobilindustrie, vor allem bei Dieselmotoren, Abgasemissionen reduziert. Entscheidend für die künftige Platinnachfrage ist also die Entwicklung auf dem Automarkt und die weitere Nutzung von Dieselfahrzeugen. Dabei muss auch bedacht werden, dass für Katalysatoren verwendetes Platin weitgehend recycelt werden kann und daher nicht verloren geht.

Palladium, das günstige Platin

Obwohl es zu den vier wichtigsten Edelmetallen am Rohstoffmarkt gehört, ist Palladium eher unbekannt. Das silberweiß glänzende Metall ist sehr selten, wenn es auch häufiger vorkommt als Gold und Platin. Die beiden wichtigsten Produzenten sind Russland und Südafrika. Gemeinsam machen sie etwa 80 Prozent der weltweiten Produktion aus. Im Hinblick auf die chemischen Eigenschaften kommt Palladium Platin sehr nahe und kann dieses bisweilen ersetzen. Unter anderem deshalb gelten für beide Edelmetalle ähnliche Entwicklungsbedingungen.

Das Angebot an Palladiumbarren und -münzen ist noch rarer gesät als das für Platin. Dank seines inneren Wertes bietet jedoch auch dieses Metall die Möglichkeit, Kaufkraft unabhängig von Papierwährungen zu erhalten. Den aktuellen Palladiumpreis finden Sie auf Finanzportalen wie Onvista.

Angebot und Nachfrage bei Palladium

Als Substitut - also Ersatz - für Platin wird Palladium vor allem nachgefragt, wenn Platin knapp und besonders teuer ist. Aufgrund der ähnlichen chemischen Eigenschaften sind auch die Einsatzgebiete gleich: Automobil- und Elektrobranche sowie die Medizin. In der Schmuckherstellung wird Palladium für Goldlegierungen genutzt (Weißgold). Die größte Nachfrage kommt aus dem Bereich der Autokatalysatoren. Zwei Drittel der gesamten Palladiumproduktion werden dafür verwendet. Daher gilt für Palladium wie für Platin: Je mehr die Dieselmotoren vom Fahrzeugmarkt verdrängt werden, desto stärker geht die Nachfrage nach Palladium zurück und der Preis sinkt. Aufgrund des relativ kleinen Marktes können technische Veränderungen und neue Ersatzmöglichkeiten den Kurs besonders schnell einbrechen lassen.

Wer in Silber, Platin und Palladium investieren will, muss die Edelmetalle nicht unbedingt im Schrank verstauben lassen oder im Bankschließfach lagern. Es gibt verschiedene Alternativen zur physischen Geldanlage. Analog zu den Handelsformen bei Gold gibt es auch für Silber, Platin und Palladium Zertifikate, Aktien, Fonds, Exchange Traded Commodities (ETC), Exchange Traded Funds (ETF) und Contracts for difference (CFDS).

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