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Geldanlage:Was beim Investieren in Auto-Aktien zu beachten ist

Volkswagen

Die wenigsten Fachleute schreiben die im Dax enthaltenen Auto-Aktien Daimler, VW und BMW ab.

(Foto: dpa)
  • Aktien von Autokonzernen gehören zu den beliebtesten Wertpapieren in Deutschland.
  • Trotz Skandalen und Krisen raten Analysten weiterhin dazu, Papiere von Daimler oder VW zu halten oder sogar zuzukaufen.
  • Anleger sollen jedoch immer auch auf ausländische Konzerne und andere Branchen schauen, um das Risiko zu streuen.

Daimler, VW oder BMW kennen viele Menschen nicht nur aus ihrem Wertpapierdepot, sondern haben auch eines ihrer Produkte in der Garage stehen. Kein Wunder bei so viel Verbundenheit, dass die Aktien der Autokonzerne zu den beliebtesten Wertpapieren in Deutschland gehören. Doch zuletzt gab es für die deutschen Automobilkonzerne nicht nur an der Börse immer wieder Rückschläge. Abgasskandal, Kartellvorwürfe, die Affen- und Menschenversuche bei Diesel-Abgastests und nun auch noch mögliche Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge in Innenstädten. Ist es noch eine gute Idee, in die deutsche Automobilbranche zu investieren? Lohnt sich der Blick ins Ausland, und wie sind die Zulieferer für die Zukunft gerüstet? Ein Überblick für Anleger.

Die deutschen Hersteller

"Momentan drängt sich der Eindruck auf, dass die deutschen Automobilhersteller noch viel mit Vergangenheitsbewältigung beschäftigt sind", sagt Jürgen Pieper, der als Finanzmarktanalyst beim Bankhaus Metzler die Automobilindustrie im Blick hat. Radikal ändern wird sich die Branche in jedem Fall, wenn in den kommenden Jahren die E-Mobilität an Bedeutung gewinnen wird und Autos in absehbarer Zeit autonom fahren werden. "Ich rechne nach Jahren guter Autokonjunktur in den kommenden zwei Jahren eher mit Zurückhaltung", sagt Analyst Pieper. Anfang der 2020er-Jahre, wenn E-Autos Normalität werden könnten und das Angebot steigt, werde auch die Nachfrage mitziehen und ein E-Auto-Boom entstehen, vermutet er. Das wiederum werde sich positiv auf die Kurse auswirken.

Doch auch im derzeitigen Marktumfeld schreiben die wenigsten Fachleute die im Deutschen Aktienindex (Dax) enthaltenen Auto-Aktien Daimler, VW und BMW ab. Unter den bei der Nachrichtenagentur Bloomberg aufgeführten Analysten empfehlen 16 Daimler zum Kauf und nur drei zum Verkauf. Weitere 15 raten Anlegern, ihre Daimler-Papiere zu halten. Dazu gehört zum Beispiel die DZ-Bank, die zunächst keine großen Sprünge beim Kurs erwartet, aber "eine Anhebung im weiteren Jahresverlauf für möglich" hält.

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Bei VW empfiehlt die überwiegende Mehrheit der Analysten den Anlegern derzeit sogar, Aktien zu kaufen - gerade weil der Kurs in den vergangenen drei Jahren besonders von Skandalen erschüttert wurde und rund ein Viertel seines Werts einbüßte. "VW muss jetzt mit noch mehr Hochdruck als andere Veränderungen vorantreiben und verspricht daher auch beim Aktienkurs mehr Dynamik als andere", sagt Pieper. Freilich sehen manche Fachleute das anders. Die DZ-Bank hält einen Verkauf für sinnvoll, weil "weitere Belastungen aus Dieselgate" wahrscheinlich seien.

Und BMW? Unter den Analysten zeigt sich ein geteiltes Bild, was die Aktie des Münchner Konzerns angeht: 13 raten zum Kauf, zwölf empfehlen, die Aktie zu halten und immerhin neun legen nahe, sie zu verkaufen. Dazu gehört auch Metzler-Analyst Pieper. "BMW hat sich zwar in der Diesel-Krise besser geschlagen als andere, aber wächst derzeit weniger stark als etwa Daimler", sagt Pieper. Auch die Tatsache, dass BMW im Gegensatz zu VW und Daimler kein Lkw- und Transporter-Geschäft hat, wirke sich in einer Zeit mit guter Wirtschaftslage und boomendem Paketgeschäft eher negativ aus.

Die ausländischen Konzerne

Wer in die Automobilbranche investieren möchte, sollte aber auch ausländische Automobilaktien und Zulieferer im Blick behalten. Viele Anleger neigen nämlich dazu, einige bestimmte und vor allem heimische Werte zu kaufen - der sogenannte Home Bias. Er führt dazu, dass Sparer ihr Portfolio nicht ausreichend streuen. Das wiederum ist notwendig, um das Risiko zu begrenzen. Etwa dann, wenn es mit der Konjunktur in einem Land abwärts geht.

Als Star in Sachen Zukunftstechnologie gilt der US-amerikanische Konzern Tesla. Ein E-Auto-Pionier, der zuletzt auch viele negative Schlagzeilen verursachte - zum Beispiel, weil das Unternehmen das massentaugliche Model 3 wegen Produktionsproblemen nicht rechtzeitig ausliefern kann. Auch bei Tesla sind sich die Analysten uneins. Während man bei Berenberg damit rechnet, dass Tesla den Markt der E-Autos längerfristig dominieren wird, fallen für die DZ-Bank die Produktions- und Auslieferungsprobleme schwer ins Gewicht. Sie rät Anlegern, ihre Tesla-Wertpapiere zu verkaufen. Statt in die USA zu blicken, empfiehlt Metzler-Analyst Pieper den Anlegern eher, auf japanische und koreanische Autobauer wie Toyota und Hyundai zu setzen. "Sie sind für die Zukunft gut aufgestellt", sagt er.

Die Zulieferer

Wenn die E-Mobilität an Bedeutung gewinnt, müssen sich traditionelle Zulieferer und Hersteller von Modulen für Verbrennungsmotoren zwangsläufig neu erfinden, um weiter konkurrenzfähig zu bleiben. "Ich glaube vor allem an technologiebasierte Zulieferer, die auf Sensorik, Elektronik und Halbleiter setzen", sagt Rolf Ganter, Analyst bei der UBS. Als Positivbeispiel gilt der im M-Dax gelistete Scheinwerfer- und Sensoren-Hersteller Hella aus Lippstadt, dessen Produkte größtenteils unabhängig von der Antriebsart sind, der aber auch früh auf Fahrerassistenzsysteme gesetzt hat. Als zukunftsorientiert gilt bei der DZ Bank auch der im Dax notierte Zulieferer Continental, der "gut beim Thema Elektronik" positioniert sei.