Geldanlage Von Aristokraten  profitieren

Aktienkäufe von Unternehmen, die regelmäßig Dividenden zahlen, können in Niedrigzinszeiten sinnvoll sein und sorgen für ein gutes Gefühl. Vor allem lohnt sich ein Blick auf Dividendenfonds.

Von Nils Wischmeyer

Wer Anteile am Fonds DWS Top Dividende LC kauft, investiert auch in Pillen. Firmen wie die Pharmakonzerne Pfizer, Novartis und der US-Konzern Merck & Co gehören zu den größten Einzelwerten in diesem Fonds.

(Foto: AFP)

Die vergangenen Wochen, Monate und auch Jahre waren enttäuschend für Sparer in Deutschland. Die Tagesgeldzinsen verharren bei einigen Banken bei 0,2 oder 0,3 Prozent, andere zahlen gar keine mehr. Für Anleger, die ein wenig Geld zurückgelegt haben, ist das ein mieses Geschäft, weil gleichzeitig die Verbraucherpreise steigen. Es herrscht Inflation.

Auf der Suche nach einer vernünftigen Rendite könnte man auf die Idee kommen, in Unternehmen zu investieren, die eine möglichst hohe Dividende zahlen. Über Dividenden belohnen die Konzerne weltweit die Aktionäre, in dem sie regelmäßig einen Teil ihrer Gewinne an sie ausschütten.

Daimler schüttete für das Geschäftsjahr 2017 beispielsweise 3,65 Euro pro Aktie aus, der Chemiekonzern BASF 3,10 Euro. Für Anleger, die das Geld nicht sofort reinvestieren, entsteht so ein stetiger Strom an Einnahmen - vorausgesetzt natürlich, die Unternehmen zahlen regelmäßig. Der Energiekonzern RWE schüttete lange mehr als vier Euro pro Jahr an seine Aktionäre aus. Aber seit es dem Konzern aufgrund der Energiewende schlechter geht, zahlt er keinen Cent mehr. Mit solchen Änderungen müssen Anleger rechnen.

Ein wichtiger Hinweis auf der Suche nach den richtigen Dividenden-Aktien kann der dazugehörige "Adelstitel" sein. Unternehmen, die seit 25 Jahren eine Dividende ausschütten und diese Jahr für Jahr erhöhen, werden von Anlegern "Aristokraten" genannt. Zu ihnen gehört in den USA etwa die Fast-Food-Kette McDonald's. In Deutschland erreicht nur Fresenius diesen Status. Der Konzern schüttete seinen Aktionären 1993 noch 0,01 Euro aus. Für das Jahr 2017 waren es bereits 0,75 Euro.

Die Kennzahl der absoluten Dividende ist aber weniger geläufig als die Dividendenrendite. Sie wird in Prozent ausgedrückt und setzt die Dividende ins Verhältnis zum Aktienkurs. So kann man sehen, wie hoch das investierte Kapital verzinst ist. Das macht einen Vergleich mit Zinsen von etwa Anleihen möglich. Zur Berechnung der Dividendenrendite teilt man die Dividende durch den Aktienkurs und multipliziert mit dem Faktor 100: Liegt der Kurs einer Aktie bei 10 Euro und die Dividende bei 1,50 Euro, beträgt die Dividendenrendite folglich 15 Prozent.

Vielen Anlegern dürfte die Suche nach Einzeltiteln zu kompliziert sein. Sie können in spezielle Dividendenfonds investieren. Unterschieden wird zwischen aktiv gemanagten Fonds und passiven, an der Börse gehandelten Fonds (ETF). Letztere zeichnen einen Index nach, der bestimmte Aktien filtert, die etwa regelmäßig Dividenden ausschütten. Ein aktiver gemanagter Fonds ist oftmals teurer (siehe Tabelle), dafür aber auch flexibler. Der Manager kann regelmäßig die Zusammensetzung prüfen und wenn nötig Aktien kaufen oder verkaufen.

Die Fonds-Ratingagentur Morningstar hat für die Süddeutsche Zeitung eine Reihe von Fonds ausgewählt, die weltweit in Unternehmen investieren, die eine hohe oder kontinuierliche Dividende ausschütten. Die Auflistung unterscheidet zwischen aktiven und passiven Fonds. Für die Tabelle wurden nur Fonds ausgewählt, die bei Morningstar ein gutes Rating von mindestens drei Sternen haben. Geordnet sind sie der Größe nach. Mit 16,8 Milliarden Euro verwaltet der Fonds DWS Top Dividende das meiste Geld, gefolgt vom Newton Global Income GBP und dem Deka-Dividendenstrategie. Bei den passiven Fonds verwalten sowohl Lyxor SG Global Qual und der iShares Stoxx Global Sel Div 100 knapp über eine Milliarde Euro und stehen damit an Platz eins und Platz zwei.

Alle ausgewählten Fonds schlossen am Jahresende einstellig im Minus. Damit haben Anleger zwar kein Geld verdient, wohl aber weniger verloren als der Markt. "Wenn ich mir anschaue, wie weit Dax und Dow Jones gefallen sind bis zum Jahresschluss, sieht es bei Dividendenfonds ganz gut aus", sagt Ali Masarwah, Chefanalyst bei Morningstar. Der deutsche Leitindex schloss 2018 mit einem Minus von 18,3 Prozent. Es wäre nun leicht, daraus zu schließen, dass die Dividenden den Unterschied machen würden. Es wäre aber auch falsch.

Die Differenz ergebe sich vielmehr aus der unterschiedlichen Gewichtung der Investments, erklärt Investor und Anlagestratege Christian W. Röhl. "Tech-Titel wie etwa Facebook oder Microsoft schütten nur selten eine Dividende aus und sind deshalb in Dividendenfonds selten berücksichtigt." Gerade die Kurse dieser Aktien stiegen in den vergangenen Jahren sehr stark. Der Nasdaq, in dem alle großen Technologie-Aktien gelistet sind, erreichte über fünf Jahre eine durchschnittliche Rendite von 21,5 Prozent pro Jahr. Damit konnte kein Fonds in der Tabelle mithalten. Sie haben den Boom verpasst.

Seit einigen Monaten aber hat sich die Lage verändert: Die Aktienkurse der Technologie-Unternehmen von Apple bis Samsung sind eingebrochen. Morningstar-Chefanalyst Masarwah: "Weil die Technologie-Konzerne in Dividendenfonds seltener auftauchen, werden diese Fonds von den Kurseinbrüchen auch nicht so hart getroffen." Aus der einstigen Schwäche wurde eine Stärke. Bei einigen Anlegern führt das zu einem Trugschluss. Demnach sollen die Kurse von Unternehmen, die eine hohe und regelmäßige Dividende ausschütten, generell weniger stark schwanken als andere. Das aber ist falsch, wie Masarwah mit einem Rückblick auf die Jahre 2008 und 2009 erläutert. Damals fielen die Aktienkurse von Unternehmen und Fonds, die sich auf Dividenden konzentrierten, genauso stark wie andere Aktien oder Fonds. Im Fachjargon spricht man davon, dass sie genauso volatil sind.

Anlagestratege Röhl glaubt aber dennoch, dass die Aktien von Unternehmen, die eine hohe Dividende ausschütten, stabilisierend sein können. Nicht etwa auf dem Papier, wohl aber im Kopf. Die Anleger fühlten sich sicherer, wenn regelmäßig eine Ausschüttung komme, sagt Röhl. Es geht also mehr um eine psychologische Stütze.

Bleiben die Konjunkturaussichten weiterhin mäßig gut und macht sich Unsicherheit an den Aktienmärkten breit, können die Dividendenfonds aber tatsächlich eine gute Idee sein, glaubt Masarwah. "Viele Anleger werden in vermeintlich sichere Wertpapiere flüchten und die Kurse damit nach oben treiben", sagt der Chefredakteur von Morningstar. Er meint damit Branchen wie Konsumgüter oder auch Pharma und damit Industrien, die traditionell stark gewichtet sind in Dividendenfonds. Investieren mehr Anleger in die Branche, treibt das den Kurs nach oben. Die Dividendenfonds würden profitieren.