Geldanlage Wie Sie den richtigen Sparplan finden

40 Prozent des deutschen Geldvermögens bunkern die Bundesbürger in bar oder in Bankeinlagen - doch das lohnt sich nicht mehr.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wer jeden Monat Geld in Fonds anlegen will, hat viele Möglichkeiten. Worauf Sparer achten sollten - und welche Fehler es zu vermeiden gilt.

Von Nils Wischmeyer, Köln

Die bunte Grafik der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigt das Ausmaß des Dilemmas. 40 Prozent des deutschen Geldvermögens bunkern die Bundesbürger in bar oder in Bankeinlagen. Das ist so viel wie in kaum einem anderen Land in Europa. Was in den 90er-Jahren noch eine solide Geldanlage war, schwindet nun dahin dank Niedrigzinsen. Die reale Rendite der Bankeinlagen, so schreibt die Bundesbank, ist so niedrig wie 2016 nicht mehr und sogar negativ.

Eine Alternative können Sparpläne sein, die es bereits ab einer kleinen Summe erlauben, Geld Monat für Monat in Fonds zu schieben. Wer in den vergangenen 15 Jahren jeden Monat 100 Euro gespart hat, wäre auf eine Sparsumme von 18 000 Euro gekommen. Angelegt in einen globalen Aktienfonds, das zeigen Zahlen des Fondsverbands BVI, kamen Anleger im Durchschnitt auf 28 000 Euro. Das entspricht einer jährlichen Rendite von 5,7 Prozent.

Doch müssen es für den Start nicht einmal 100 Euro sein, die die Anleger monatlich in einen Fonds stecken. "Mit einem Sparplan kann jeder ab 25 Euro im Monat einsteigen", sagt die unabhängige Honorarberaterin Stefanie Kühn. Eine so niedrige Einstiegshürde bieten etwa die Consorsbank und die Comdirect ihren Kunden an, andere Banken erlauben das Plansparen ab 50 Euro pro Monat. Die Zahlungen sind zudem flexibel und können ausgesetzt werden, falls das Geld einmal knapp wird.

Bleibt die Frage: In welche Fonds soll das Geld fließen, wenn ich noch ganz am Anfang meiner Vermögensplanung stehe? Allein in Deutschland gibt es Tausende Fonds, die zur Auswahl stehen, von risikoreich bis risikoarm, von Europa bis nach Südamerika, von hochpreisig bis sehr günstig.

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Wer sich aus zeitlichen Gründen nicht selbst durch den Wust an Möglichkeiten navigieren kann oder will, kann sich an der Tabelle orientieren, die das Analysehaus Morningstar für die SZ erstellt hat. Dort sind Aktienfonds aufgeteilt in zum einen aktiv gemanagte Fonds, also solche, bei denen ein Fondsmanager die Geschicke leitet, und in Exchange Traded Funds (ETF). Letztere funktionieren wie ein großer Aktienkorb, in den die Anleger sich einkaufen. Diese Indexfonds zeichnen einen Index wie etwa den Deutschen Aktien-Index (Dax) nach. Steigt der Dax, steigt auch der entsprechende ETF.

Gelistet sind in der Tabelle solche Fonds, die global in Aktien investieren. Diese sind für Anleger, die noch nicht am Finanzmarkt investiert haben, eine gute Einstiegsmöglichkeit, da sie breit aufgestellt sind. Im MSCI World, dem bekanntesten Index, sind beispielsweise 1600 Unternehmen enthalten. Fällt der Wert eines Unternehmens, ist das nicht weiter schlimm, da er von den anderen Aktien aufgefangen wird. "Wer mit 25 oder 50 Euro einsteigt, der sollte so breit gestreut und global investieren", rät Finanzberaterin Kühn.

Schritt 1: Grundlagen

Wer sich selbst auf die Suche machen will nach dem passenden Fonds, dem rät Kühn, sich erst einmal in die Materie einzulesen: "Tageszeitungen, Monatsmagazine und auch Online-Vergleiche können eine erste Orientierung geben", sagt sie. Wer sich ein Grundwissen angelesen hat, sollte sich im nächsten Zwischenschritt ein Depot anlegen, entweder bei der Hausbank oder einem Online-Broker. Da das Angebot groß ist, sollten Anleger nach zwei Faktoren filtern: Zum einen sollten die Kosten so niedrig wie nur eben möglich sein, zum anderen sollte die Auswahl an Fondssparplänen möglichst groß sein. In einem SZ-Test für die passende Depotbank bei ETF-Sparplänen schnitt gerade bei kleinen Sparsummen von 50 im Monat die Wüstenrot Direct am besten ab.

Schritt 2: Kosten senken

Wenn es in die konkrete Auswahl geht, sollten Anleger versuchen, die Kosten möglichst gering zu halten.

Direkt zu Anfang fällt bei vielen Fonds beispielsweise eine Ausgabegebühr von teilweise fünf Prozent oder mehr an. Da der Aufschlag bei einem Sparplan für aktive Fonds jeden Monat anfällt, summieren sich die Kosten. Fünf Prozent seien viel zu viel, findet Kühn, und dazu noch eine Kostenfalle, die sich leicht umgehen lasse. So werden viele Fonds als Angebot immer mal wieder ohne Ausgabeaufschlag, oder zumindest stark reduziert, angeboten. Genau dann sollten Anleger zuschlagen: "Da kann man über Jahre hinweg ein paar Hundert Euro sparen", sagt Kühn.

Läuft das Angebot der Fondsgesellschaft aus, und fällt der Ausgabeaufschlag wieder jeden Monat an, sollten Anleger den Sparplan allerdings nicht kündigen, sondern nur stoppen, sagt Morningstar-Analyst Masarwah. "Das restliche Geld kann dann erst einmal dort liegen blieben und bei einem späteren Angebot wieder aktiviert werden", sagt er.

Ein weiterer Faktor, der die Rendite schmälert, sind die laufenden Kosten. Dazu zählen besonders Management-Kosten oder Erfolgsgebühren. "Gerade bei Erfolgsgebühren wäre ich vorsichtig", warnt Analyst Masarwah. Oftmals ließen sich Fonds für nahezu jeden kleinsten Erfolg eine Gebühr auszahlen, die Hürden seien viel zu niedrig angesetzt. Gerade bei aktiven Fonds falle das auf, weshalb der Experte zu ETF rät.

In der Tabelle zeigt sich, was er meint: Während der günstigste aktive Fonds 1,25 Prozent an jährlichen Kosten verursacht, liegt der teuerste ETF bei einer Gesamtgebühr von gerade einmal 0,45 Prozent. Besonders günstige ETF gibt es sogar ab 0,19 Prozent.

Schritt 3: Rendite vergleichen

Neben den Kosten spielt die Rendite eine große Rolle. Grundsätzlich sollten Privatanleger dabei nicht auf kurzfristige Ergebnisse schauen, sondern sich fragen: Wie hat sich der Fonds langfristig entwickelt, beispielsweise in den vergangenen fünf oder zehn Jahren? Im Vergleich können bei den aktiven Fonds vor allem der Robeco BP Global Premium und der Investec GSF eine gute Rendite einfahren. Sie lag im Durchschnitt über zehn Jahre bei mehr als 12 Prozent jährlich. Viele ETF existieren noch keine zehn Jahre, weshalb der Vergleich über fünf Jahre sinnvoller ist. Dort schneidet der iShares MSCI World am besten ab. Er erwirtschaftete eine Rendite von durchschnittlich jährlich 13,17 Prozent. Alternativ können Anleger die Entwicklung des ETF auch immer parallel zum Index legen und schauen, ob er diesen gut und günstig abbildet.

Finanzplanerin Kühn warnt Anleger, ausschließlich auf die absoluten Zahlen zu schauen. Fährt der restliche Markt im Schnitt ein Prozent Rendite ein, ist eine Rendite von sieben Prozent ein sehr gutes Ergebnis. Legte der Rest um 12 Prozent zu, sind die sieben Prozent Rendite nicht mehr so gut.

Schritt 4: Sparen

Und dann? Dann heißt es kaufen, einzahlen und abwarten. Panisch verkaufen, nur weil die Aktienkurse sich nach unten bewegen oder man das Geld lieber für Konsum ausgeben würde, ist ein Kardinalfehler, bei dem sich Anleger nur Verluste einhandeln. Denn Sparpläne sind eher wie ein Dauerlauf: "Umso länger sie durchhalten, desto eher werden sie belohnt", sagt Beraterin Kühn.

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