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Geldanlage:"Rendite und Risiko gehören zusammen"

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Nur ein paar Klicks entfernt: Mit dem Online-Rechner der Verbraucherzentrale können Sparer unterschiedliche Anlagestrategien vergleichen.

(Foto: imago images/Westend61)

Ein neuer Online-Rechner der Verbraucherzentrale hilft für den richtigen Mix.

Von Jonas Schulze

Banker und Finanzexperten raten Privatanlegern seit Jahren, Geld in die Aktienmärkte zu investieren. Hohe Renditen seien möglich und die Risiken langfristig überschaubar. Seit Dienstag können Sparer mit einem Online-Rechner der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg vergleichen, wie groß die Unterschiede zwischen Aktien und fest verzinsten Geldanlagen tatsächlich sind. "Wir wollen den werblichen Behauptungen der Finanzindustrie für risikoreiche Produkte die historischen Daten gegenüberstellen", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale.

Auf der Webseite der Verbraucherzentrale können Anleger einen Geldbetrag und die Anlagedauer nennen und angeben, wie sie ihr Investment auf Aktien und fest verzinste Sparanlagen verteilen wollen. Dann bekommen sie einen Überblick über mögliche Renditen bei den unterschiedlichen Anlageformen.

Ein Beispiel: Im historischen Vergleich unterscheidet sich die Rendite von Aktien und einer Anlage in Festgeld teilweise nur geringfügig. Im Durchschnitt der vergangenen 50 Jahre konnte mit einer fest verzinsten Anlage von 10 000 Euro über fünf Jahre eine reale Rendite von 2,3 Prozent erzielt werden. Mit Kauf eines bestimmten Aktienpakets schaffte man im Durchschnitt 3,5 Prozent. Allerdings waren die Profitchancen, aber auch das Verlustrisiko beim Kauf des Aktienpaktes deutlich höher. Der Vergleichswert für die Aktien beruht auf der historischen Wertentwicklung des Index MSCI-World, in dem mehr als 1600 Unternehmen aus 23 Industrieländern enthalten sind. Davon wird eine fiktive Verwaltungsgebühr von 0,5 Prozent pro Jahr abgezogen. Das sei ein üblicher Wert für Indexfonds, sagt Nauhauser. Der Zinssatz für die Festgeldanlagen beruht auf den Statistiken der Deutschen Bundesbank für Sparanlagen mit einer Laufzeit von mehr als zwei Jahren.

"Rendite und Risiko gehören zusammen", sagt Nauhauser. Dies gehe aus den Daten hervor. Die Finanzindustrie arbeite in ihren Werbeprospekten gerne mit beschönigenden Zahlen. Die übliche Praxis von Anlageberatern, historische Kursverläufe mit den aktuellen Zinssätzen zu vergleichen hält er für "konzeptionellen Unfug", da beide Größen in einem engen Zusammenhang stünden.

Mit dem Online-Rechner sollen sich die Verbraucher schnell und übersichtlich informieren können. Ziel sei es, die Menschen aufzuklären und nicht für eine bestimmte Anlageform zu gewinnen. Für Sparer, die Geld in Aktien anlegen wollen, hat Nauhauser zwei Ratschläge: Wichtig sei es, die laufenden Kosten gering zu halten und die Anlagen breit zu streuen. Aktiv gemanagte Fonds hätten in der Vergangenheit wegen hoher Gebühren oft schlechter abgeschnitten als festverzinste Geldanlagen.

© SZ vom 29.01.2020

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