Geldanlage:Die Jungen machen alles anders

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Junge Menschen investieren ihr Geld gerne über Online-Portale - und sie reden darüber.

(Foto: Lisa Ducret/dpa)

Über Geld spricht man nicht, heißt es in Deutschland oft. Doch das ändert sich mit den jungen Menschen langsam: Es wächst eine Generation an, die viel offener für Geldanlagen ist. Das zeigt eine neue Studie.

Von Paulina Würminghausen

Es ist ein seltsames Paradox, das man während der Pandemie feststellen konnte: Niemand wusste, was mit seinem Geld geschieht, wie es mit der Wirtschaft und der Börse und den Aktien weitergeht. Trotzdem legten die Menschen ihr Geld an wie verrückt. Während in der echten Welt Unsicherheit und Angst herrschte, war an der Börse lange nichts davon zu spüren. Es entstand sogar regelrecht ein Börsenhype.

Zwar interessieren sich viel mehr Menschen hierzulande für Finanzthemen, doch gleichzeitig attestiert sich jeder dritte Deutsche mangelhaftes oder unzureichendes Finanzwissen. Das zeigt eine Umfrage der Postbank, die der Süddeutschen Zeitung vorab exklusiv vorliegt. Die Gefahr: Viele Menschen könnten also an die Börse gehen, obwohl sie gar keine Ahnung von Geldanlagen haben. Einfach nur, weil jeder es macht. "Fehlt das Wissen, trifft man leicht falsche Entscheidungen, legt das Geld unrentabel an oder zu riskant - mit negativen Folgen für das eigene Vermögen und die Altersvorsorge", sagt Karsten Rausch, Experte für Wertpapiere bei der Postbank.

Aber nur, weil sich immer mehr Menschen für Geldanlagen interessieren, heißt das nicht, dass darüber auch geredet wird: Die weit verbreitete Redewendung "Über Geld spricht man nicht" wird in Deutschland noch immer gelebt. 70 Prozent der Befragten sind der Umfrage zufolge der Meinung, dass man nicht über Geld spricht. Besonders wenn es um ihre Schulden geht, sind die Deutschen schweigsam. Die eigenen Fehler will sich wohl niemand gerne eingestehen.

Durch Corona bleibt viel Geld auf der hohen Kante

Doch die Umfrage zeigt auch: Junge Menschen machen nicht so ein Geheimnis um ihr Geld wie ältere. Knapp 80 Prozent der 30-Jährigen thematisieren ihr Einkommen in der Öffentlichkeit - im Vergleich zu rund 46 Prozent der 50- bis 59-Jährigen. Den eigenen finanziellen Erfolg zu zeigen, ist ebenfalls eher bei den Älteren verpönt: Nur 5,5 Prozent der Deutschen, die finanziell erfolgreich sind, machen kein Geheimnis daraus. Befragte unter 30 Jahren machen eher kein Geheimnis aus finanziellem Erfolg oder Misserfolg.

Es wächst also eine Generation heran, die viel offener für Geld, für Aktien, oder für sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs), ist als die älteren Jahrgänge. Das hat auch mit Corona zu tun. Laut der repräsentativen Postbank-Umfrage vom letzten Jahr haben 9,6 Prozent der Gesamtbevölkerung seit dem Beginn der Pandemie den Schritt an die Börse gewagt.

Zum einen sind die immer steigenden Kurse verlockend. Andererseits konnten sie weniger Geld für Freizeitaktivitäten ausgeben, der Urlaub fällt aus, das Einkommen bleibt aber gleich. So entstehen - mehr oder weniger unabsichtlich - finanzielle Puffer. Und mit Neobrokern wie "Trade Republic", die sehr niedrige Gebühren haben und leicht zu bedienen sind, nimmt dieser Trend mehr und mehr zu. Was passiert, wenn der nächste Crash kommt, bleibt abzuwarten.

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