Geldanlage Jagd nach Dividende

Aktien von Firmen, die ihre Gewinne regelmäßig ausschütten, können für Privatanleger attraktiv sein - und Kursverluste abfedern.

Von Alexandra Jegers

Sparen macht derzeit keinen Spaß. Wer sein Geld auf dem Tages- oder Festgeldkonto parkt, muss die Zinsen nach wie vor mit der Lupe suchen. Gerade einmal 0,16 Prozent Zinsen bekommen Bankkunden im Februar durchschnittlich auf ihr Tagesgeld, zeigen Zahlen des Vergleichsportals Biallo.de. Berücksichtigt man die Teuerungsrate von derzeit 1,7 Prozent im Jahr, steht für den Sparer unterm Strich ein fettes Minus. Es gibt allerdings eine Alternative zum mickrigen Tagesgeldzins: die Dividende. Einmal im Jahr schütten Unternehmen einen Teil ihres Gewinns an ihre Anteilseigner aus. Während die Renditen fürs Sparbuch weiter auf einem Rekordtief verbleiben, schrauben Unternehmen weltweit ihre Dividenden immer höher - und bescheren Aktionären regelmäßig im Frühjahr einen Geldregen.

Laut den durchschnittlichen Schätzungen von Analysten dürften allein in Deutschland die 160 größten börsennotierten Unternehmen in den kommenden Monaten fast 50 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten. Europaweit erwartet der Fondsanbieter Allianz Global Investors Ausschüttungen in Höhe von 350 Milliarden Euro - ein neuer Rekord.

Wie hoch die Dividenden im Einzelfall ausfallen, entscheiden die Aktionäre auf der jährlichen Hauptversammlung der Unternehmen. In Deutschland machte vor Kurzem der Technologiekonzern Siemens den Auftakt: Ende Januar einigten sich die Anteilseigner auf eine Dividende von 3,80 Euro pro Aktie, zehn Cent mehr als im Vorjahr. Die deutschlandweit höchste Dividende in diesem Jahr wird wohl der Versicherer Allianz mit neun Euro pro Aktie. Derzeit kostet eine Aktie des Unternehmens mehr als 187 Euro. Bei einem Investment von 5000 Euro ergibt das eine Dividende von gut 240 Euro, die das Unternehmen im Mai an den Aktionär ausschütten wird.

Dividenden-Aktien kommen für vorsichtige Anleger infrage. Sie liefern planbare Erträge und können Kursverluste abfedern. "Aktien von Unternehmen, die regelmäßig Dividenden zahlen, fungieren quasi als Stabilitätsanker im Portfolio", sagt Markus Zeiß, Fondsmanager bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Was das Unternehmen einmal an seinen Aktionär ausgeschüttet hat, kann ihm niemand wieder wegnehmen - auch wenn das Management den Konzern in die Pleite wirtschaftet oder der US-Protektionismus die Aktienkurse in den Keller rauschen lässt. Unternehmen, die regelmäßig über einen langen Zeitraum Dividenden ausschütten, gelten außerdem als relativ sicher. "Sie wachsen zwar in der Regel langsamer als Unternehmen, die keine Dividende zahlen", sagt Anlageexperte Zeiß. Dafür verfügen sie meist über stabilere Geschäftsmodelle und schwanken in der Regel weniger stark als Aktien von Unternehmen mit niedrigen Dividendenzahlungen.

Siemens-Flaggen vor der Olympiahalle in München: Dort lud der Konzern Ende Januar zur Hauptversammlung. Erfreuliche Nachricht: Mehr Dividende für die Aktionäre.

(Foto: Christiof Stache/AFP)

Regelmäßige Dividenden haben zudem einen großen Einfluss auf den Anlageerfolg. Das zeigt der Blick auf den deutschen Leitindex Dax, der die Wertentwicklung der 30 größten Unternehmen der Bundesrepublik widerspiegelt. Vergleicht man seine Entwicklung mit der des Dax-Kursindex, bei dem die Dividenden herausgerechnet sind, wird deutlich: In den vergangenen 30 Jahren waren Dividenden für mehr als die Hälfte des Wertzuwachses verantwortlich. Die Ausschüttungen sind also ein regelrechter Renditetreiber.

Die Aktie mit der höchsten Dividende ist aber nicht automatisch auch die beste Wahl. "Wichtig ist vor allem die sogenannte Dividendenrendite", sagt LBBW-Fondsexperte Zeiß. Sie setzt die erwartete Dividende ins Verhältnis zum Aktienkurs. Die Dividendenrendite kann auf zwei verschiedene Weisen steigen: einmal, wenn die Aktionäre die Dividende anheben. Zum anderen aber auch, wenn der Aktienkurs unter Druck gerät. Ende 2018 haben die Aktienmärkte weltweit kräftig an Boden verloren. Als Folge ist die Dividendenrendite bei vielen Unternehmen gestiegen. Die Dividendenrendite der Allianz etwa liegt derzeit bei rund 4,8 Prozent, der Konkurrent Axa kommt sogar auf mehr als sechs Prozent. Im Schnitt bieten die Dax-Konzerne eine Dividendenrendite von 3,7 Prozent.

Eine hohe Dividendenrendite ist zunächst einmal erfreulich. Legt ein Anleger zum Beispiel 40 000 Euro bei einer Dividendenrendite von drei Prozent an, bekommt er pro Jahr 1200 Euro an Dividende gezahlt. Christian Kahler, Chefanlagestratege der DZ-Bank, mahnt jedoch zur Vorsicht: "Anleger sollten diesen Wert niemals isoliert betrachten."Der Grund: Ist die Dividendenrendite zuletzt stark gestiegen, kann das auch daran liegen, dass das Unternehmen tiefergreifende Probleme hat und es sich nicht nur um eine vorübergehende Schlecht-Wetter-Periode handelt. Anle-ger sollten außerdem prüfen, ob die Dividendenzahlung aus echten Gewinnen oder nur aus der Substanz erfolgt.

Auch die Ausschüttungsquote ist wichtig: Sie darf nicht zu hoch sein. "Schütten Unternehmen 100 Prozent ihrer Gewinne an ihre Aktionäre aus, bleibt kein Geld mehr für Investitionen übrig", sagt Kahler. Langfristig läuft das Unternehmen damit Gefahr, von innovativen Konkurrenten überholt zu werden.

Dividenden-Jäger sollten außerdem darauf achten, dass das Unternehmen seine Versprechen auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten hält - oder das zumindest absehbar ist. Dabei hilft ein Blick in die Dividenden-Historie: Daraus lässt sich ablesen, seit wie vielen Jahren Dividende gezahlt, wann sie gekürzt oder erhöht wurde. Der Blick zurück zeigt: In Krisenzeiten dampfen Unternehmen ihre Dividenden gerne mal deutlich ein. Zwischen 2008 und 2010 gingen die Ausschüttungen deutscher Konzerne im Durchschnitt um ein Viertel zurück, zeigt eine Analyse der DZ-Bank. Die Gewinne sanken im selben Zeitraum im Durchschnitt um 72 Prozent. Wer es damals schaffte, seine Dividenden-Zahlungen konstant zu halten oder sogar zu steigern, bei dem ist davon auszugehen, dass die Ausschüttungen auch die nächste Krise überdauern werden.

Vorsichtige Anleger sollten auf sogenannte "Dividenden-Aristokraten" setzen, empfiehlt Kahler. Der Begriff kommt aus den USA und steht für Unternehmen, die mindestens seit 25 Jahren ihre Dividende jedes Jahr erhöht haben. Dazu zählen große Namen wie McDonalds, Nike oder Procter & Gamble. In Deutschland ist die Definition der Adels-Unternehmen etwas weicher: Hierzulande reicht es aus, wenn ein Unternehmen mindestens zehn Jahre lang ununterbrochen eine Dividende gezahlt und diese dabei mindestens stabil gehalten hat. Zu den Unternehmen mit langer Dividenden-Historie zählt zum Beispiel BASF. Der weltgrößte Chemiekonzern erhöhte die Dividende in acht der vergangenen zehn Jahre; derzeit kommt das Unternehmen auf eine Dividendenrendite von knapp fünf Prozent (siehe Tabelle).

Doch auch bei solchen Unternehmen gebe es keine hundertprozentige Sicherheit, sagt DZ-Analyst Kahler. Das zeigt das Beispiel General Electric: Der US-Konzern galt lange als sichere Bank mit ansehnlichen Dividenden. Im Jahr 2018 brach der Aktienkurs wegen einer Krise des Unternehmens ein. Der Konzern strich seine Dividende 2018 radikal zusammen - von zwölf auf nur noch einen US-Cent pro Quartal. "Aktionäre, die nur wegen der Dividende investiert hatten, wurden enttäuscht", sagt Kahler. Am Ende komme es eben auf das Geschäftsmodell der Firmen im Portfolio an - und nicht auf die Frage, ob sie viel ausschütten oder nicht.