Geldanlage:Wie die Inflation das Ersparte auffrisst

Supermarkt

Vor allem im Supermarkt machen sich höhere Preise bemerkbar: Obst und Gemüse haben sich um bis zu 30 Prozent verteuert.

(Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

Das Leben wird teurer, die Preise steigen. Auch vorsichtige Anleger sollten daher in Aktien investieren, raten Experten - doch ganz ohne Risiko geht das nicht.

Von Felix Petruschke

Eigentlich reicht schon ein kurzer Blick auf die Rechnung im Supermarkt: Gefühlt müssen Kundinnen und Kunden fast jede Woche mehr Geld ausgeben, um das Gleiche zu bekommen. Die Verbraucherpreise sind im April im Durchschnitt um zwei Prozent gestiegen - so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr. Obst und Gemüse haben sich sogar um bis zu 30 Prozent verteuert. Das zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Diese Teuerung hat nicht nur Auswirkungen auf die Rechnung im Supermarkt, sondern auch auf die Ersparnisse von Millionen Bundesbürgern. Insbesondere vorsichtige Sparer, die ihr Vermögen ausschließlich auf Spar-, Giro- oder Festgeldkonten liegen haben, müssen mit ansehen, wie es immer weniger wert wird.

Das Problem könnte sich in den kommenden Monaten noch verstärken. Allein zwischen Anfang Januar und Ende April hat die Kombination aus anhaltender Niedrigzinsphase und steigender Inflation in Deutschland monatlich für einen realen Zinsverlust (Zinserträge minus Inflation) von 3,56 Milliarden Euro gesorgt. Das zeigen Berechnungen des Finanzportals "Tagesgeldvergleich" auf Basis der Daten der Europäischen Zentralbank. Hochgerechnet bis Ende 2021 wären das Zinsverluste von durchschnittlich 514 Euro - pro Kopf.

Isabel Schnabel, die Direktorin der Europäischen Zentralbank, erwartet, dass die Inflation sogar kurzfristig über die Marke von drei Prozent springen könnte. Für Verbraucherinnen und Verbraucher mit einem angesparten Kapital von 500 000 Euro würde das binnen eines Jahres einen Kaufkraftverlust von 15 000 Euro bedeuten.

Deshalb raten Anlageexperten, Vermögensverwalter und sogar Verbraucherschützer in seltener Einigkeit auch sehr vorsichtigen Sparern, einen Teil ihrer Rücklagen auf dem Aktienmarkt anzulegen. Denn während die Zinsen auf Sparguthaben immer mehr schrumpfen, ist der Deutsche Aktienindex (Dax) Ende März erstmalig über die 15 000-Punkte-Marke geklettert. Seit Jahresbeginn hat der Dax weit über zehn Prozent zugelegt, der amerikanische Leitindex S&P 500 stieg sogar noch stärker. Wer über das letzte Jahrzehnt weltweit in Aktien investierte, kam nach Abzug der Inflation auf eine durchschnittliche jährliche Rendite von gut neun Prozent.

Jeder Anleger muss selbst entscheiden, wie groß das Risiko sein sollte

Wer als sicherheitsbewusster Sparer einen Teil seines Vermögens in Aktien anlegen möchte, sollte sich vorher überlegen, wie viel er jeden Monat vom Einkommen erübrigen kann. Dieses Geld sollte für mindestens zehn Jahre nicht gebraucht werden, zum Beispiel für größere Anschaffungen oder eine Baufinanzierung. Auf diese Weise können Sparer mögliche Börsencrashs aussitzen und das Risiko eines Wertverlusts minimieren.

Jeder Anleger muss selbst entscheiden, wie groß der Aktienanteil und damit auch das Risiko für das Ersparte sein sollte: Was den einen schnell stresst, ist für die andere durchaus erträglich. Als Faustregel für vorsichtige Sparer nennen Vermögensverwalter einen Anteil von 30 Prozent, für ausgewogene Anleger 50 Prozent und für risikobereite Investoren 80 Prozent. Der Aktienanteil wiederum sollte breit gestreut in aktive oder passive Fonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs), angelegt werden. Dadurch sind Sparer gegen Branchenrisiken abgesichert und nicht von der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes oder eines einzelnen Unternehmens abhängig.

Bei der Auswahl von Fonds und ETFs stehen Anleger mittlerweile vor einem riesigen Angebot. Als Basisinvestment empfehlen viele Finanzexperten den MSCI World Index, der mehr als 1600 Unternehmen aus allen Industriestaaten repräsentiert. Noch breiter gefasst ist der MSCI All Countries World Index mit 2400 Unternehmen, auch aus Schwellenländern. Immer größerer Beliebtheit, besonders bei Anlegern die Wert auf Nachhaltigkeit legen, erfreuen sich mittlerweile Indizes wie der MSCI World Socially Responsible Index.

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