Geldanlage:Die Festgeldzinsen sind zurück

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(Foto: Illustration: Stefan Dimitrov)

Beim Klassiker der Geldanlage sind auf einmal wieder Zinsen von fast zwei Prozent drin. Bei welcher Bank sich Festgeld jetzt lohnt und worauf Sparer achten müssen, wenn die Zinsen weiter steigen.

Von Thomas Öchsner

Ein bisschen was geht wieder. Sparerinnen und Sparer, die sich sagen "Hauptsache, mein Geld ist sicher angelegt", können sich freuen: Fast täglich erhöhen derzeit Banken ihre Zinsen für Sparanlagen. Weniger knausrig als noch vor ein paar Wochen sind die Geldhäuser vor allem beim Festgeld. Auf einmal sind wieder Zinsen von fast zwei Prozent drin. Selbst die Sparkassen, die für Erspartes lange Zeit so gut wie gar nichts rausrückten, geizen nicht mit attraktiven Angeboten, jedenfalls im Vergleich zur Ära der Negativzinsen, die nun allmählich zu Ende geht. Wer die höchsten Zinsen zahlt - ein Wegweiser.

Wie stark die Zinsen gestiegen sind

Festgeld gehört in Deutschland zu den Klassikern der Geldanlage. Man vertraut einer Bank sein Erspartes für eine bestimmte Laufzeit von zum Beispiel sechs oder zwölf Monaten oder auch für zwei oder drei Jahre an, und erhält dafür vorher fest vereinbarte Zinsen. Die Vorteile: Man weiß genau, mit welchen Erträgen zu rechnen ist, und die Zinsen sind deutlich höher als für Guthaben auf Tagesgeldkonten, für die es bei heimischen Anbietern nach wie vor nichts gibt. Nun steigen die Festgeldzinsen, weil die Europäische Zentralbank (EZB) angekündigt hat, ihre Leitzinsen zu erhöhen und ihre Nullzinspolitik zu beenden. Mitte April zahlten Banken für Festgeld mit einer Laufzeit von zwei Jahren noch im Durchschnitt 0,17 Prozent Zinsen, Ende der vergangenen Woche waren es bereits wieder 0,45 Prozent. Bei einer Laufzeit von einem Jahr haben sich die Zinsen im gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt, sie liegen allerdings im Durchschnitt bei immer noch mageren 0,28 Prozent. Das ergibt der Festgeld-Vergleich des Verbraucherportals Biallo.de. Demnach haben seit Anfang Mai gut die Hälfte der bei dem Portal geführten Festgeldanbieter ihre Zinsen erhöht. Den Aufwärtstrend bestätigt auch Oliver Maier, Geschäftsführer des Vergleichsportals Verivox: "Allmählich kommt die Zinswende auch bei den Sparern an", sagt er. Inflationsraten von sieben bis acht Prozent lassen sich allerdings mit den gestiegenen Sparzinsen weiter nicht ausgleichen.

Welche Banken besonders viel zahlen

Spitzenreiter unter den bundesweiten Festgeld-Angeboten mit der bestmöglichen deutschen Einlagensicherung ist derzeit die deutsche Pfandbriefbank (Pbb Direkt). Das Geldhaus hat zum 1. Juli erneut eine Schippe draufgelegt und zahlt nun bei einer Laufzeit von einem Jahr 0,75 Prozent Zinsen, bei zwei Jahren sind es schon 1,25 Prozent. Etwas weniger bieten die Creditplus Bank und die deutsche Industriebank (IKB), wie unsere Tabelle zeigt. Alle drei Institute, die bundesweit Kundinnen und Kunden akzeptieren, liegen mit ihren Offerten weit über dem Durchschnitt.

Wie die Sparkassen nachgelegt haben

Die Fachleute des Verbraucherportals Biallo.de haben gerade die Festgeldprodukte von 365 Sparkassen analysiert. Das Ergebnis: Immerhin fast die Hälfte der Sparkassen zahlt inzwischen wieder Festgeldzinsen. Das geht auch deshalb, weil die Sparkassen wie alle Geldinstitute selbst wieder höhere Zinsen kassieren, etwa für Baugeld und Ratenkredite. Allerdings gibt es immer noch fast 200 Sparkassen, die kein Festgeld anbieten - was sich aber in Zukunft ändern dürfte, sofern es bei der Zinswende bleibt. Die meisten Sparkassen setzen für eine Festgeldanlage einen Mindestbetrag von mindestens 500 Euro bis zu 5000 Euro voraus. Die höchsten Zinsen zahlen bayerische Sparkassen. So gewährt die Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg inzwischen für einen Sparkassenbrief mit einem Jahr Laufzeit wieder 0,50 Prozent Zinsen, die Stadtsparkasse Augsburg immerhin 0,45 Prozent. Bei einer Laufzeit von zwei Jahren gehören zu den Top-Anbietern die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen (1,10 Prozent) und die Sparkasse Allgäu (0,75 Prozent). Manche Sparkassen haben offenbar wegen der großen Nachfrage ihre Zinsen in den vergangenen Tagen bereits wieder reduziert.

Welche ausländischen Institute noch mehr bieten

Ausländische Institute rücken für Festgeld oft mehr als deutsche Geldhäuser heraus. An der Spitze ist hier schon seit mehr als zwei Jahren das schwedische Geldhaus Klarna. Die schwedischen Banker, bekannt durch ihre Zahlungsdienste beim Online-Handel, gewähren für Festgeld, angelegt für sechs Monate, immerhin schon 0,75 Prozent Zinsen. Bei dieser Laufzeit hat Klarna die Zinsen mittlerweile verfünffacht. Für ein Jahr gibt's bei den Schweden 1,30 Prozent Zinsen, für zwei Jahre 1,70 Prozent Zinsen. Zwei Wege führen dabei zu Klarna: Entweder über eine App oder indem man online am PC einen Antrag ausfüllt, das Festgeld überweist und sich per Postident-Verfahren ausweist. Es gibt auch andere ausländische Institute wie die italienische FCA Bank oder die estnische Bigbank, die ebenfalls vergleichsweise hohe Zinsen herausrücken. Banken aus Litauen etwa bieten sogar noch mehr als Klarna. Die Schweden haben verglichen mit der Konkurrenz aber einen großen Vorteil: Die schwedische Einlagensicherung gilt als sehr sicher. Und US-Ratingagenturen bescheinigen den Skandinaviern eine exzellente Bonität.

Was bei der Sicherheit zu beachten ist

Die EU-Einlagensicherung beläuft sich auf 100 000 Euro pro Person. Spareinlagen von deutschen Banken und Sparkassen sind darüber hinaus über weitere Sicherungssystem so gut geschützt, dass das Ersparte auch bei einer Bankpleite praktisch unbegrenzt abgesichert ist. Besonders bei ausländischen Banken raten Verbraucherschützer deshalb, genau darauf zu achten, bis zu welcher Obergrenze das Ersparte vor einer Pleite der Bank gesichert ist. Die Stiftung Warentest empfiehlt Kunden, nicht mehr als 100 000 Euro pro Person anzulegen, und das nur bei Banken in Ländern mit sehr guter Wirtschaftskraft, also Staaten, die bei einer Bankenpleite notfalls einspringen und den Sparern ihr Geld zurückzahlen. Für nicht empfehlenswert halten die Berliner Warentester zum Beispiel Anbieter aus Bulgarien, Kroatien und Malta, an deren Produkte Anleger vor allem über Zinsplattformen wie Check24, Weltsparen oder Zinspilot herankommen.

Wie sich Festgeld am besten nutzen lässt

Wer sein Festgeld zu lange anlegt, zum Beispiel drei Jahre oder vier Jahre, hat nichts davon, wenn die Zinsen in naher Zukunft höher klettern. Eine Wiederanlage ist ja normalerweise erst nach drei Jahren möglich. Man kann deshalb zum Beispiel ein Drittel für sechs Monate, ein weiteres für ein Jahr und das letzte Drittel für zwei Jahre anlegen. Dann können Sparerinnen und Sparer jeweils mit einem Teil des Geldes umsteigen und von besseren Konditionen profitieren, wenn die Zinsen wie erwartet weiter steigen. "Gerade im derzeit äußerst dynamischen Zinsumfeld sollten Sparer flexibel bleiben", rät Verivox-Chef Maier. "Es wäre schade, wenn die Zinsrallye in nächster Zeit weiter Fahrt aufnimmt und ein Großteil der eigenen Ersparnisse in langfristigen Anlagen mit schwachen Zinsen feststeckt." Voraussetzung: Die Kunden kümmern sich rechtzeitig um die Kündigung ihres Festgelds. Sonst kann es passieren, dass die Bank das Geld einfach sofort wieder neu mit der gleichen Laufzeit wie vorher mit schlimmstenfalls geringeren Zinsen anlegt. In der Regel fragen die Geldinstitute aber ihre Kunden vorher, was sie mit dem Geld in Zukunft tun wollen.

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