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Geldanlage:Die meisten Anleger haben sich auf ihre Finanzberater verlassen

Sie wären nicht eingestiegen, hätten sie alle Risiken gekannt und von den hohen Provisionen gewusst, versichern die drei Rentner unisono. Verbraucherschützer Michael Herte glaubt ihnen, dass sie arglos waren. "Normale Anleger ohne gesellschaftsrechtliches Basiswissen können solche Gesellschafterverträge und Fondsprospekte nicht verstehen", sagt er. "Die meisten haben sich deshalb auf ihre Finanzberater verlassen." Und außerdem: Am Anfang sprudelten tatsächlich ordentliche Ausschüttungen. Bis ein Fonds nach dem anderen in Schieflage geriet.

Das Geld blieb aus, stattdessen forderten die Emissionshäuser vielfach Anleger auf, im Zuge einer Kapitalerhöhung Geld nachzuschießen. Andernfalls drohe die Zwangsversteigerung des Schiffs. Was viele nicht realisierten: Die Forderungen der Banken an die Fonds sind in der Regel weit besser abgesichert. "Die kriegen ihr Geld zurück, die Anleger nicht", sagt Ex-Vermittler Dunsing. Endgültig zum Fiasko wurden die Beteiligungen, als Anleger unter Hinweis auf ihre Haftung als Kommanditisten aufgefordert wurden, erhaltene Ausschüttungen zurückzuzahlen.

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Zu Hunderten haben Betroffene Banken und Emissionshäuser verklagt. Meist geht es um mutmaßlich geschönte Prospekte, lückenhafte Beratung oder Täuschung. Die juristische Gemengelage ist kompliziert; oft raten die Gerichte zu Vergleichen. Einen solchen hat Rechtsanwalt Heller allein mit einer Bank für etwa 1000 Mandanten ausgehandelt; dem Vernehmen nach mit der Postbank, was er aber weder bestätigen noch dementieren will. Gegen den Hamburger Fondsanbieter König & Cie. hat Heller 120 Zivilklagen eingereicht. 85 seiner Mandanten haben zudem Strafantrag gegen das Emissionshaus gestellt.

Ein System, das die Kunden nicht durchschauen können

Die Vorwürfe lauten vor allem Kapitalanlage- und gewerbsmäßiger Betrug. König & Cie. habe Rohöltanker unter Wert verkauft, Prospekte geschönt und bei einem Fonds von vornherein Charterraten als Einnahmen angesetzt, die unter den Kosten blieben. Alles systematisch und zum Schaden der Anleger, so der Vorwurf. Die Hamburger Staatsanwaltschaft prüft ihrer Sprecherin zufolge, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. König & Cie. gibt sich unbeeindruckt. Von einer Strafanzeige wisse man nichts. Die "genannten Vorwürfe sind uns neu und entbehren jeglicher Grundlage", so ein Sprecher. Alle Weichkosten seien in den Fondsprospekten "in gesetzeskonformer Weise dargestellt" worden.

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Finanzberater Dunsing wirft den Emissionshäusern vor, "sich auf unglaubliche Weise die Taschen vollgestopft" zu haben. Er hat die Fronten gewechselt und kämpft an der Seite der Anleger. "Ich habe selbst lange an Schiffsfonds geglaubt", sagt er. Bis immer mehr Kunden ihm Vorwürfe machten. Zu spät habe er erkannt, "dass wir es nicht mit handwerklichen Fehlern zu tun haben, sondern einem System, das die Kunden nicht durchschauen konnten".

Und was wurde aus den überflüssigen Schiffen? Hunderte landeten bereits auf gigantischen Schiffsfriedhöfen wie in Chittagong, der zweitgrößten Stadt Bangladeschs. Arbeiter wracken dort für Hungerlöhne und unter schlimmen Bedingungen ab, was auf den Weltmeeren nicht gebraucht wird. Meist ohne Schutzbrillen, Hand- oder Sicherheitsschuhe schneiden sie Tanker und Frachter auseinander; jedes Jahr sterben dabei Dutzende Menschen oder werden schwer verletzt. Während die Arbeiter ein erbärmliches Dasein fristen, verdienen Spekulanten beim Handel mit dem Stahl der toten Schiffe Millionen.