Geldanlage Dem Glanz erlegen

Eine Frau prüft einen honigfarbenen Diamanten mit 20,69 Karat. Er wurde in Russland gefunden.

(Foto: Andrey Rudakov/Bloomberg)

Diamanten werden als Anlage immer beliebter. Wer investieren will, sollte auf die vier "Cs" achten: Carat (Gewicht), Cut (Schliff), Clarity (Reinheit) und Colour (Farbe)

Von Victor Gojdka

Kaum zwei Minuten der Auktion sind verstrichen, da wird es im Saal des Auktionshauses Christie's auf einmal totenstill. Noch Sekunden zuvor hatten die Händler auf der Empore geschäftig mit ihren Kunden telefoniert. Einer hatte sein Telefonkabel in die Länge gezogen, der andere sich verschwörerisch die Hand vor den Mund gehalten. Jetzt kostet der rosa funkelnde Diamant "Pink Legacy" bereits 42 Millionen Franken. 42 Millionen für einen Stein, der kaum größer ist als eine Daumenspitze? Da müssen selbst Anlageprofis mal die Luft anhalten.

Wer in Steine investieren will, sollte vor allem auf die vier Cs achten

Millionäre und Milliardäre erliegen auf Auktionen zunehmend der Strahlkraft von Diamanten und zahlen mitunter Rekordsummen. Doch angesichts von Magerzinsen und Wackelbörsen fragen sich auch normale Anleger derzeit auf der Münchner Schmuckmesse Inhorgenta: Könnte man im Portfolio auf die edlen Steine bauen?

Ulrich Freiesleben, Diamantenhändler und Gründer von Diamondas, kennt viele solche Anleger, er ist schon seit Langem im Geschäft. Er hat gesehen, wie sich der Handelssaal der Antwerpener Diamantenbörse über die Jahre entvölkerte und nur noch ein paar verrentete Diamantexperten blieben, um dort Karten zu spielen. Freiesleben hat aber auch gesehen, wie immer mehr Kunden die Steine kauften, um sie in einem dunklen Bankschließfach wegzusperren, statt sie zu tragen. Der Diamant, eines der härtesten natürlichen Materialien, verspricht ihnen Sicherheit gegen wankende Aktienkurse und weiche Währungen. Ein hartes Material für harte Zeiten, so sehen das viele von Freieslebens Kunden.

Langfristig erwarten Experten tatsächlich steigende Preise für die kostbaren Klunker: So rechnet die Beratungsgesellschaft Bain, dass das Angebot an Diamanten in den kommenden Jahren stagnieren wird, während die schnell wachsende Mittelschicht in China und Indien den teuren Hochkarätern erliegt. "Gerade Hochzeitsringe mit Diamanten stehen auch dort inzwischen hoch im Kurs", sagt Experte Freiesleben.

Doch ein Selbstläufer sind Investments in die teuren Steine deswegen noch lange nicht: Wer einen Diamanten kauft, muss dafür in Deutschland 19 Prozent Mehrwertsteuer zahlen. Dazu kommen oft saftige Margen von Juwelieren und Händlern, wenn Anleger Diamanten an sie zurückverkaufen wollen. Dies alles müssen Anleger einspielen, bevor sie mit ihrer Anlage auch nur einen Cent verdient haben. "Das hat schon ein bitteres Gschmäckle", sagt Christian Fischl von der Vermögensverwaltung Huber, Reuss und Kollegen.

Auch bei einem Blick in die Statistik verlieren die edlen Steine ihren Glanz: Laut einer Untersuchung der Bank Credit Suisse haben Investoren mit Diamanten seit 1900 pro Jahr ein halbes Prozent ihres Vermögens verloren - wenn man in US-Dollar rechnet und die Inflation abzieht. "Diamanten faszinieren", sagt Fischl, "aber als Anlage würde ich niemandem dazu raten."

Wer trotz aller Warnungen dem Glanz der Diamanten erliegt und sie seinem Portfolio mit ein paar Prozent beimischen will, sollte die Steine genau unter die Lupe nehmen. Denn für Diamanten gibt es keinen geregelten Markt mit klaren Preisen, je nach Ankäufer können die Preise horrend auseinanderklaffen. Anleger sollten daher vor allem auf vier Cs achten, die am Diamantmarkt den Ausschlag geben: Carat (Gewicht), Cut (Schliff), Clarity (Reinheit) und Colour (Farbe). In all diesen Kategorien sollten Anleger gerade für Investmentdiamanten nur auf die allerbesten Stufen setzen. "Der Diamant muss perfekt sein", sagt Freiesleben, "und zwar in allem." Inzwischen ist auch ein Zertifikat unabdingbar, am gebräuchlichsten sind die Einschätzungen des amerikanischen Gemological Institute of America (GIA).

Eine zweite Meinung kann an diesem verschwiegenen Markt ebenfalls nicht schaden: Italienische Banken sollen wohlhabende Kunden jahrelang mit Diamanten über den Tisch gezogen haben. Am vergangenen Dienstag durchsuchte die Finanzpolizei deren Räumlichkeiten. Die Diamanten waren echt - die Preise allerdings wohl hoffnungslos überzogen.