Süddeutsche Zeitung

Finanzen:Das Geldvermögen der Deutschen schrumpft

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Die Bundesbürger verloren im ersten Quartal 36 Milliarden Euro, vor allem wegen des Ukraine-Krieges.

Die Menschen in Deutschland haben durch den Kurssturz an den Börsen infolge des Ukraine-Krieges im ersten Quartal in der Summe Milliarden verloren. Zum ersten Mal seit zwei Jahren sank das Geldvermögen der privaten Haushalte aus Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen sowie Ansprüchen gegenüber Versicherungen im Vergleich zum Vorquartal, wie die Deutsche Bundesbank am Freitag in Frankfurt mitteilte.

Demnach verringerte sich das Vermögen im Vergleich zum Rekordwert des Schlussquartals 2021 um 36 Milliarden Euro oder 0,5 Prozent auf 7588 Milliarden Euro. Wie diese gewaltige Summe verteilt ist, geht aus den Bundesbank-Daten nicht hervor.

Zu dem Rückgang trugen den Angaben zufolge maßgeblich Bewertungsverluste in Milliardenhöhe bei. Die Bundesbank gab bekannt: "Während die privaten Haushalte Forderungen im Wert von 84 Milliarden Euro aufbauten, erlitten sie gleichzeitig Bewertungsverluste im Umfang von 121 Milliarden Euro." Und weiter: "Diese Bewertungsverluste waren vor allem auf die Kursstürze am Kapitalmarkt zurückzuführen und betrafen besonders Aktien und sonstige Anteilsrechte (minus 50 Milliarden Euro) sowie Anteile an Investmentfonds (minus 42 Milliarden Euro)", erläuterte die Bundesbank. Allein der deutsche Leitindex, der Dax, hatte im ersten Quartal zehn Prozent eingebüßt.

Im vergangenen Jahr hatten Privatanleger noch von steigenden Börsenkursen profitiert. Das Geldvermögen war aber auch dank des Sparfleißes der Menschen Ende 2021 auf den Rekordwert von rund 7625 Milliarden Euro gestiegen. Nach dem Ende vieler Corona-Beschränkungen zu Jahresbeginn legten die Menschen zudem vergleichsweise wenig auf die hohe Kante. Die Bestände an Bargeld und Sichteinlagen etwa auf dem Giro- und dem Tagesgeldkonto stiegen um 12,5 Milliarden Euro auf insgesamt rund 2161 Milliarden Euro. Im Vorquartal war noch ein Zuwachs von 32 Milliarden Euro verzeichnet worden.

Versicherungen und andere Produkte für die Altersvorsorge sind weiterhin beliebt, wie aus den Zahlen der Bundesbank hervorgeht. Die Bestände legten im ersten Quartal um gut 24 Milliarden Euro zu. In Investmentfonds steckten die Menschen 23 Milliarden Euro an frischem Geld. Mit dem Erwerb von Aktien und sonstigen Anteilsrechten hielten sich Privatanleger dagegen zurück und investierten acht Milliarden Euro. Im vierten Quartal 2021 waren es noch 14 Milliarden Euro gewesen. Abzüglich der Schulden sank das Nettogeldvermögen der privaten Haushalte im ersten Quartal 2022 gegenüber dem Vorquartal um 55 Milliarden Euro auf 5527 Milliarden Euro. Immobilien werden von den Daten nicht erfasst.

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