Geld im Alter Im Alter noch Aktien kaufen?

Aber soll man noch mit 55 oder 60 plus am Kapitalmarkt einsteigen, womöglich Geld in Aktien investieren? Es gibt hier unterschiedliche Ansätze, vom Geldverwalter bis zum Verbraucherschützer sind sich die meisten Experten jedoch einig: Auch Risiken lassen sich managen.

Zunächst folgt die Bestandsaufnahme: Was ist noch an Erspartem vorhanden neben der gesetzlichen Rente? "Diesen Betrag sollte man idealerweise dreiteilen. Einen Teil zur sofortigen immerwährenden Verfügbarkeit, etwa in Form von Tagesgeld oder einem kleinen Anleihedepot, woraus vorhersehbare und unvorhersehbare Zusatzausgaben über die nächsten drei Jahre gedeckt werden können", schlägt Heine vor. Reuss rät eher zu Mischfonds, mit einer kleinen Aktienbeimischung, damit die Rendite nicht gar so mau ausfällt. Aber klar, die Flexibilität kostet: Die Renditen liegen beim Tagesgeld derzeit bei deutlich unter einem Prozent, die Inflation dagegen bei zwei Prozent.

Aktien? Am besten "vermeintlich langweilige Dividendenaktien"

Der zweite Teil des Ersparten gehört nach Meinung der Experten in den Aktienmarkt, am besten "mit einer Entnahmefrist von fünf Jahren oder mehr, damit die Anleger kurzfristige Schwankungen aussitzen können", so Heine. Auch bei Huber, Reuss und Kollegen raten sie Senioren meist "zu einer schrittweisen Erhöhung der Aktienquote", am besten "in vermeintlich langweilige Dividendenaktien, die kaum Kursgewinne, aber gute Dividendenrenditen bringen", so Vermögensberater Reuss. Zwischen drei und 4,5 Prozent liegen die Renditen derzeit bei vielen europäischen Standardwerten - und damit deutlich höher als die Inflation.

Solche Dividendenstrategien lassen sich allerdings zu deutlich geringeren Gebührensätzen auch in Exchange Traded Fonds (ETF) abbilden, die automatisch, ohne Fondsmanager in die stärksten Dividendentitel investieren - allerdings ohne Rücksicht auf die Branche, gibt Reuss zu bedenken. Wer etwa die riskante Bankenbranche oder auch die konsolidierende Telekommunikationsbranche meiden wolle, "sollte lieber aktiv gemanagte Fonds nehmen, in denen diese Risiken vom Fondsmanager aussortiert werden können", erklärt Reuss.

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Wie so oft ist das eine Abwägungsfrage: Je größer das Vermögen, desto eher lohnt sich diese spezielle Auswahl. Für den kleineren Geldbeutel, also für Senioren, die stärker auf die Gebühren schauen müssen und einen längerfristigen Anlagehorizont haben, kann auch ein entsprechender ETF das passende Produkt sein.

Und wo sollten die Senioren den dritten Teil des Ersparten sinnvoll anlegen? Hier ist die Spannbreite der Empfehlungen so groß wie die Zahl der Vermögensberater. Die meisten Experten lassen sich nicht festlegen, von Spezialfonds, Unternehmensanleihen oder gar Anlagen in vorbörsliche Firmenbeteiligungen bis hin zu Rohstoffen, Wald und Grund reichen die Vorschläge. Selbst der Kauf einer Zweitimmobilie ist möglich, je nach Vermögen. "Es kommt natürlich auch darauf an, ob dieser dritte Teil für den späteren Eigenbedarf oder für die Enkel angelegt werden soll", sagt Quirin-Berater Heine. Oder auch einfach nur "zur Renovierung oder dem altersgerechten Ausbau der eigenen Immobilie", erklärt Hartmut Schwarz, Finanzreferent bei der Verbraucherzentrale Bremen.

Zu ihm kommen immer mehr Menschen, "die regelmäßig einen höheren Kapitalbedarf haben als ihr Einkommen, zumeist aus der Rente, hergibt". Gleichzeitig schmelzen die ohnehin nicht üppigen Reserven für Unvorhergesehenes, weil sie sich eben nicht ordentlich verzinsen lassen. "Die Negativzinsen und die wachsenden Bankgebühren haben den Druck für viele dieser Senioren erhöht", attestiert Schwarz.

"Viele Senioren wohnen nun in einer mühsam über 30 Jahre und mehr abbezahlten Immobilie. Nun stellen sie aber fest, dass das mietfreie Wohnen alleine nicht als alternative Altersvorsorge zur gesetzlichen Rente ausreicht. Für den Unterhalt oder gar die Renovierung der eigenen vier Wände bleibt sehr wenig oder gar kein Geld", berichtet Schwarz. Die Aufnahme von Krediten zur Finanzierung von barrierefreien Zugängen oder Sanitäranlagen sei für diese Klientel oft so nicht möglich - falls nicht Kinder oder Enkel einspringen oder für Kredite bürgen.

Wenn dies nicht infrage kommt, gibt es nur die Möglichkeit, zu verkaufen oder die Immobilie zu verrenten . Eine solche Erkenntnis sorgt bei vielen Senioren aber erst einmal für einen Schock. Das Eigenheim an Fremde hergeben für ein lebenslanges Wohnrecht? Auch auf der Messe sind solche Szenarien Thema, und mancher Besucher, der die Werbebanner sieht, runzelt die Stirn und geht dann schnell weiter. Zum Glück ist der Stand für französische Salami nicht weit.

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