Güstrow (dpa/mv) - Die Geflügelwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern hält angesichts der grassierenden Vogelgrippe eine behördliche Anordnung einer Aufstallungspflicht für dringend geboten. Nur so könne eine Vermarktung etwa bei der Eierproduktion gesichert werden, sagte die Vorsitzende des Geflügelwirtschaftsverbandes Mecklenburg-Vorpommern Marion Dorn bei einer Mitgliederversammlung in Güstrow. Andernfalls drohe ein hoher finanzieller Verlust.
Im Falle einer angeordneten Aufstallungspflicht - durch welche das Geflügel im Stall gehalten werden müsste - könnten für eine bestimmte Frist Eier aus Bodenhaltung als Eier aus Freilandhaltung zu entsprechend höheren Preisen vermarktet werden. Für eine Aufstallungsanordnung sind die jeweiligen Landkreise zuständig.
Tierisches und menschliches Leid
Dorn, die den Verband seit 2008 führt und bei der Versammlung einstimmig für weitere drei Jahre bis 2028 bestätigt wurde, verwies auf die verzweifelte Lage bei den Geflügelhaltern in MV. Bislang seien bereits im Nordosten über 200.000 Tiere gestorben oder getötet worden. „Einmal ist es tierisches Leid, dann ist es menschliches Leid, und es ist ein großer wirtschaftlicher Schaden.“ Die Tierseuche gebe es schon seit Jahrzehnten. Dringend notwendig sei, dass es endlich einen Impfstoff gebe.
Der Verband feierte in Güstrow auch sein 35-jähriges Jubiläum. An der Festveranstaltung nahm auch Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) teil. Er sprach sich dafür aus, dass die Tierbestände, die in die Ställe gebracht werden könnten, insbesondere Legehennen und Mastgeflügel, auch „aufgestallt“ werden sollten. Bei den großen Beständen sei das auch geschehen. Differenzierter müsse man das aber bei Wassergeflügel sehen.
Jedes vierte Ei in MV ist „öko“
Die aktuelle Lage sei schwierig, und der Virus sei in der Fläche. Seit Freitagabend habe es aber keinen neuen Ausbruch mehr gegeben. Der Schaden könne derzeit noch nicht beziffert werden dürfte aber „in die Millionen gehen“, so Backhaus. In seinem Grußwort ging Backhaus auch auf die Bedeutung der Eierproduktion in MV ein. 2024 seien im Nordosten 731,4 Millionen Eier produziert worden und damit 3,4 Prozent mehr als 2023. Jedes vierte Ei in MV wird mittlerweile ökologisch erzeugt.
Backhaus hatte sich bereits am Dienstag für Geflügelimpfungen ausgesprochen. „Der Impfstoff wird bei uns in Deutschland hergestellt und in Frankreich auch schon erfolgreich im Kampf gegen die Tierseuche eingesetzt“, sagte er in Schwerin. Er habe daher vorgeschlagen, dass sich die von Bund und Ländern eingesetzte Arbeitsgruppe zügig mit einem möglichen Einsatz des Impfstoffes befasse.
Denkbar seien sogenannte Ringimpfungen in Geflügelhaltungen im unmittelbaren Umkreis von Ausbruchsherden der Vogelgrippe. Damit könne die vorsorgliche Tötung ganzer Geflügelbestände deutlich eingeschränkt werden.
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