Geflügelmäster in Deutschland:Hochburg der deutschen Geflügelmäster ist Niedersachsen

Aber auch die Steuerzahler werden kräftig zu Kasse gebeten. Neue Ställe wurden laut BUND allein im Jahre 2011 mit etwa 80 Millionen Euro bezuschusst. "Diese Subventionen für die Massentierhaltung müssen sofort gestoppt werden", fordert Benning. Geld vom Staat dürfe es nur für Betriebe geben, die besondere Tierschutz- und Umweltschutzauflagen einhalten.

Der Druck auf die Geflügelhalter geht vor allem von den Großschlachtereien aus. Den Markt teilen die vier Unternehmen Wiesenhof, Sprehe, Stolle und die Rothkötter-Gruppe im wesentlichen unter sich auf. Aus ihren Fabriken kommen mehr als drei Viertel des in Deutschland verkauften Geflügels. Anbieter wie Rothkötter, der den Schlachthof in Wietze betreibt, forcieren den Ausbau der Megaställe, weil sie ihre riesigen Schlachtanlagen auslasten wollen. Auch der Deutsche Bauernverband hat die Erzeuger in den vergangenen Jahren zum Expandieren ermuntert.

Hochburg der deutschen Geflügelmäster ist mit großem Abstand Niedersachsen. Das Bundesland kommt auf 36,5 Millionen Masthühnerplätze und steuert damit mehr als die Hälfte zur deutschen Geflügelproduktion bei (Grafik). Das bedeutet bei sieben Durchgängen im Jahr etwa 250 Millionen Hühner jährlich, Leerstand der Ställe eingerechnet. Die Mastzeit für ein einzelnes Tier beträgt dabei kaum mehr als 30 Tage. Dies Massenproduktion hat auch für die Umwelt negative Folgen.

Nitrat als Abfallprodukt von Hühnermist

"Jede fünfte Wasser-Messstelle in Niedersachsen ist so hoch mit Nitrat belastet, dass sie als Quelle für Trinkwasser unbrauchbar geworden ist", sagt Benning. Nitrat im Grundwasser ist ein Abfallprodukt von Hühnermist. Sie kritisiert auch den nach wie vor hohen Antibiotika-Einsatz in der Aufzucht. "In 90 Prozent der Betriebe kommen die Medikamente regelmäßig zum Einsatz", erläutert sie.

Andere Länder ziehen beim Ausbau der Kapazitäten nach. In Nordrhein-Westfalen und Brandenburg könnten sich die Stellplätze bald verdoppeln. Geflügelhalter in Bayern wollen ihre Kapazitäten um 62 Prozent ausbauen. Den höchsten Zuwachs plant Hessen mit einem Plus 239 Prozent.

Gegen die Massentierhaltung regt sich auch in der Bevölkerung wachsender Widerstand. Anwohner machen Front gegen den Neubau von Ställen. Die Zahl der Bürgerinitiativen wächst. Vor Deutschlands größtem Schlachthof in Wietze wollen die Kritiker ihrem Ärger am Samstag Luft machen. Umwelt- und Sozialverbände haben zu der Protestaktion aufgerufen.

© SZ vom 31.08.2013/schma
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