Gebühren an ausländischen Bankomaten Was Urlauber beim Geldabheben beachten sollten

Fremde Währung: Die Euro-Taste wird teuer.

(Foto: AFP)
  • Zeigt der Geldautomat im Ausland den Betrag in Euro an, kostet das beim Abheben oft extra.
  • Lokale Händler und Banken versuchten so, bei der Kursumrechnung zu verdienen.
  • Nur wer sich nicht beirren lässt und die Euro-Option verweigert, spart diese Gebühren.
Von Berrit Gräber

Alle paar Sekunden passiert es. Millionenfach, weltweit. An unzähligen Geldautomaten außerhalb der Euro-Zone, in Geschäften, Hotels, Restaurants, an Tankstellen. Wollen Urlauber per Karte Bargeld ziehen oder bezahlen, sollen sie sich blitzschnell entscheiden: In Euro umgerechnet? Oder soll die Summe in der Landeswährung angezeigt werden, etwa in britischen Pfund, US-Dollar, türkischen Lira, tschechischen Kronen? Viele Touristen sind zuerst verunsichert, zögern kurz - und drücken am Display der Geräte dann meist intuitiv die Euro-Taste. Ihr spontanes Ja zum gewohnten Geld kommt sie allerdings teuer zu stehen. Die Anbieter bitten fürs simple Vorrechnen in Euro mit saftigen Aufschlägen von bis zu zehn Prozent zur Kasse. Ihr Geschäft brummt. Kaum ein Tourist, der nicht in die Kostenfalle tappt.

Was tun? "Nicht zur Sofortumrechnung verleiten lassen", warnt Kerstin Altdorf vom Bundesverband deutscher Banken (bdb) in Berlin. Das verlockende Angebot für Reisende, das ausbezahlte Geld oder die bezahlte Summe schon vor Ort in Euro umzurechnen und anzuzeigen, gebe es inzwischen in nahezu allen Nicht-Euro-Ländern. Lokale Händler und Banken versuchten so, bei der Kursumrechnung "zu kassieren", mahnt der Bankenverband zur Vorsicht. Ganz gleich, ob in Metropolen wie London, Kopenhagen oder Prag, in Reiseländern wie Polen, den Arabischen Emiraten, in der Schweiz, Russland oder Florida.

Lieber Dollar

Auch Urlauber auf Kreuzfahrten sind oft mit der Währungsfrage konfrontiert. Auf vielen Schiffen sollen sie sich entscheiden: Dollar oder Euro? In der Regel fahren sie besser, wenn sie ihre Bordrechnung in Dollar zahlen. Zwar fällt dann eine Gebühr von ein bis zwei Prozent für den Auslandseinsatz der Kreditkarte an. Der Wechselkurs der eigenen Kartengesellschaft fällt aber besser aus als der Kurs der Kreuzfahrtlinie. Außerdem sparen sie sich die oft happigen Gebühren von bis zu drei Prozent für die Dollar-Umrechnung. Berrit Gräber

Urlauber sollten stets auf der Hut sein, warnt auch Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Auch wenn mit Euro leichter zu rechnen ist - der angezeigte Betrag in der Landeswährung ist auf Reisen immer die günstigere Variante. Was vor gut fünf Jahren mit vereinzelten verdeckten Aufschlägen für den Euro-Kurs begann, scheine sich mittlerweile zu "einem neuen Geschäftsfeld" entwickelt zu haben, hat Kerstin Backofen beobachtet, Finanzexpertin von Stiftung Warentest in Berlin. Das Abkassieren mit kräftigen Aufschlägen sei außerhalb der Eurozone weit verbreitet. Die Kostenfalle lauere nicht nur beim Bargeldabheben, sondern auch beim Auschecken in Hotels, beim Essengehen, Einkaufen in Boutiquen, Supermärkten oder beim Tanken, wenn die Rechnung gleich in Euro umgerechnet bargeldlos beglichen werden soll.

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Fallen Reisende auf die Umrechnungsmasche herein, machen sie nach Beobachtungen des Bankenverbands in der Regel zwischen vier und zehn Prozent Verlust. Das passiert mit Girocards, also den früheren EC-Karten, wie auch mit Kreditkarten oder etwa der Postbank Sparcard. Die Automatenbetreiber vor Ort nehmen bei der Direktumrechnung nicht nur einen schlechteren Kurs und mehr Provision. Sie führen Reisende dazu noch gezielt mit allerlei Tricks aufs Glatteis, wie die Stiftung Warentest herausfand. So kann zum Beispiel bei Geldautomaten plötzlich das Display rot blinken, wenn der Kunde auf die Umrechnung in Euro verzichtet. Das Warnsignal soll die Kundschaft aufschrecken und dazu verleiten, letztlich doch die Euro-Taste zu drücken. Klappt der Trick, müssen die Betreiber deutlich weniger Geld auszahlen als sonst üblich. Je kleiner der Betrag, desto mehr zahlen die Touristen in der Regel drauf.

Nur wer sich nicht beirren lässt und die Euro-Option verweigert, macht alles richtig. Dann ist die lokale Bank gezwungen, den Betrag in Landeswährung an die Bank daheim zu melden. Und diese rechnet in der Regel zum deutlich besseren Kurs um. Das Perfide an der Masche: Die meisten Urlauber merken vor Ort nicht einmal, dass sie mit der Sofortumrechnung ein schlechtes Geschäft gemacht haben. Die Aufschläge passierten im Hintergrund, erklärt Nauhauser. Auf den Displays der Terminals werden die happigen Kosten jedenfalls nicht angezeigt. An vielen Stationen zum Geldziehen steht sogar frech: "0%-Commission", also keine Gebühren. Oder das Versprechen "garantierter Wechselkurs", wie der Bankenverband warnt.

Nicht einmal nach der Reise fallen die verdeckten Extra-Kosten auf. Auf dem Kontoauszug daheim erscheint nur der Euro-Betrag, der im Urlaub in Rechnung gestellt wurde. Kein Wechselkurs. Nur, wer an anderen Automaten ohne Sofortumrechnung ähnlich viel Geld abgehoben oder woanders in Landeswährung mit Karte eingekauft hat, könnte den Unterschied bemerken.

Aber dann ist es zu spät. Beschwerden bei der Hausbank daheim bringen nichts. Für den schlechten Kurs plus Aufschlag sind die Automatenbetreiber respektive die Zahlungsdienstleister im Urlaubsland zuständig. Genau die sind es auch, die den Mehrbetrag kassieren. Wer auf Reisen in Nicht-Euro-Länder geht, sollte sich am besten vorher über den aktuellen Wechselkurs informieren, wie Fachfrau Altdorf rät. Das hilft, schlechte Wechselkurse und Gebührentricks zu erkennen. Vor Ort geht der Check ganz flink mit der kostenlosen App "Reise+Geld" des Bankenverbands. Damit lassen sich rund 160 Währungen umrechnen - und Fallen sofort umschiffen.