Süddeutsche Zeitung

GDL-Streik bei der Bahn:Zwei sollen schlichten - einer poltert los

  • Matthias Platzeck (SPD) und Bodo Ramelow (Die Linke) sollen für die Bahn und die GDL im Tarifkonflikt schlichten.
  • Ramelow ist als Ministerpräsident von Thüringen bekannt, Platzeck als ehemaliger Landesvater von Brandenburg und Bundesvorsitzender der SPD.
  • Beide haben sich in der Vergangenheit den Ruf erworben, vermitteln zu können.

Ein pragmatischer Linker und ein Sozialdemokrat, den auch die Kanzlerin mag. Sie sollen den Tarifstreit bei der Bahn lösen. Bodo Ramelow, thüringischer Ministerpräsident und ehemaliger Gewerkschaftsfunktionär, soll für die GDL schlichten, Matthias Platzeck, ehemaliger Ministerpräsident Brandenburgs und erfahrener Vermittler, für die Bahn. Wer sind die beiden?

Christ, Wessi, Linker

Bodo Ramelow, 59 Jahre alt, ist für die meisten Deutschen außerhalb von Thüringen vor allem dafür bekannt, dass er im vergangenen Dezember der erste Ministerpräsident wurde, den die Linke stellt. Ein Politiker, der sich nicht als Klischee-Linker abstempeln lässt: Als evangelischer Christ und gebürtiger Niedersachse, ergo Wessi, ist er vom Verdacht befreit, in DDR-Nostalgie zu verfallen.

Ramelow hat sich vom Hauptschulabsolventen zum Kaufmann, über den Gewerkschaftsfunktionär bis hin zum Ministerpräsidenten hochgearbeitet. Er genießt Anerkennung über Parteigrenzen hinaus - und tut etwas dafür. Die ehemalige Ministerpräsidentin Thüringens, Christine Lieberknecht von der CDU, nannte er "eine im positiven Sinne konservative und liberale Persönlichkeit". Das klingt gerade so, als habe Ramelow ein Talent für Schlichtung.

Das heißt nicht, dass Ramelow prinzipienlos ist. Er hat gezeigt, dass er sich für Menschen einsetzt, die sich in einer schwächeren Position befinden - eine Eigenschaft, die die Linke ja gerne für sich beansprucht. Etwa 1993, als er für die Kali-Bergleute im thüringischen Bischofferode kämpfte. Die Grube sollte dichtgemacht werden. Ramelow verhandelte für die Kumpel - zwar vergeblich, aber mit einem Einsatz, für den ihm viele Bergleute noch immer dankbar sind.

Dass er sich nun auch für die GDL einsetzt, daran lässt Ramelow keinen Zweifel. Er schlägt direkt kritische Töne an: Er habe schon viele Tarife verhandelt, ein "derart unprofessionelles Verhalten" wie bei der Bahn habe er noch nicht erlebt, sagte er. Auch die Bundesregierung nimmt er sich vor: Der Bund habe als Eigentümer der Bahn freie Tarifverhandlungen reglementieren wollen, poltert Ramelow und stellt auch gleich mal klar, wer er ist: "Da muss ich als Gewerkschafter sagen: Das kann man nicht tun". Sein Co-Schlichter ist da, zumindest bislang, zurückhaltender.

Platzeck gilt als ehrlich und bodenständig

Matthias Platzeck, 61 Jahre alt, ist wohl die bundesweit bekanntere Persönlichkeit der beiden, das nette Gesicht des Pannen-Flughafens BER. Knapp ein Jahrzehnt saß er im Aufsichtsrat des Großprojekts, kurze Zeit sogar als Vorsitzender. So unbeliebt der Flughafen ist, so wenig lastet die Öffentlichkeit dies aber Platzeck an. Wenn sein Name fällt, fallen auch Worte wie "jovial", "ehrlich", "diskret" und "bodenständig".

Das liegt sicherlich auch daran, dass Platzeck als SPD-Bundesvorsitzender (2005 bis 2006) und Ministerpräsident Brandenburgs (2002 bis 2013) sehr populär war und noch immer ist. Bekannt wurde er als Krisenmanager während der Oderflut 1997, was dem damaligen Landesumweltminister den Beinamen "Deichgraf" einbrachte. Auch während des Elbhochwassers im Sommer 2013 war er im Dauereinsatz; kurze Zeit später erlitt er aber einen leichten Schlaganfall und trat als Regierungschef zurück.

Ihm wird nachgesagt, er sei einer, den man um Rat fragt - ob man nun Peer Steinbrück oder Sigmar Gabriel heißt. Auch Angela Merkel soll Platzeck schätzen - obwohl er als Ministerpräsident eine Koalition mit der Linken eingegangen war. Nun hat die Bahn ihn um Rat gefragt. Dass er mit Linken wie Ramelow kann, könnte da eine Rolle gespielt haben.

Im Gegensatz zu Ramelow hat sich Platzeck noch nicht zu seiner neuen Aufgabe geäußert. Er ließ seinen Referenten sprechen. Der sagte: "Schlichten und schweigen ist das Gebot".

Mit Material der dpa

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