GDL beendet Bahn-Streik"Es herrscht Eiszeit"

Lesezeit: 2 Min.

Die Streiks bei der Bahn sind beendet, vorerst: 2600 Lokführer legten den Güterverkehr lahm. Die GDL zieht eine positive Bilanz des Streiks. Und bekommt Gegenwind aus der SPD - und der Konkurrenz.

Die Lokführergewerkschaft GDL wird bis einschließlich Montag definitiv auf weitere Streiks verzichten. Das teilte der GDL-Vorsitzende Manfred Schell am Samstag in Aachen mit - und bestätigte damit zuvor gemachte Aussagen. Erneut spielt Schell damit der Bahn den Ball zu: Bis dahin habe der Bahn-Vorstand Zeit, ein neues Angebot vorzulegen. Anschließend werde die Gewerkschaft bis spätestens Dienstag entscheiden, ob und wann es mit Streiks im Fern-, Nah- und Güterverkehr weitergehe.

Schell zog eine positive Bilanz des 42-stündigen bundesweiten Ausstands im Güterverkehr, der am Samstagmorgen um 6.00 Uhr beendet worden war. Insgesamt hätten sich rund 2600 Lokführer an dem Arbeitskampf beteiligt. Zwischen Mitternacht und Samstagmorgen hätten fast alle Güterzuge stillgestanden.

Schell appellierte an die Bahn, jetzt ein neues Angebot vorzulegen: "Wenn der Bahn die Kunden nicht völlig egal sind, sollte sie dies tun." Mit bezahlten Überstunden und einer bezahlten Arbeitszeiterhöhung werde sich die Gewerkschaft jedoch niemals begnügen.

Nach Angaben der Bahn stand am Freitag der Güterverkehr in Ostdeutschland fast komplett still. Auch in Westdeutschland fuhr nur noch jeder dritte Güterzug.

SPD-Fraktionschef Peter Struck forderte die Bahn auf, in dem Konflikt hart zu bleiben. "Ich stehe klar auf der Seite von Bahnchef (Hartmut) Mehdorn und dem Transnet-Vorsitzenden (Norbert) Hansen, dass es keinen eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer geben kann", sagte Struck der Bild am Sonntag. "Es muss gelten: ein Betrieb, ein Tarif." Auch bei der Höhe der Tarife sei die Bahn der Gewerkschaft schon weit entgegengekommen.

Transnet warnt

Unterdessen warnte die Gewerkschaft Transnet vor einem Verlust von Arbeitsplätzen bei der Deutschen Bahn als Folge des Lokführer-Streiks gewarnt. "Die GDL darf es mit ihren Streiks nicht übertreiben", sagte Transnet-Chef Norbert Hansen der Hannoverschen Neuen Presse.

Würden wegen des Arbeitskampfes Bahnkunden dauerhaft abspringen, sei niemandem geholfen. "Dann bekommen die Lokführer am Ende vielleicht mehr Geld, aber jeder Dritte verliert seinen Arbeitsplatz." Hansen sagte weiter, wenn durch den Streik "das Geld aufgezehrt" werde, das für eine Verbesserung der Entgeltstruktur bereits vorgesehen sei, litten alle Beschäftigten darunter.

"Ich verliere langsam meine Geduld. Der Kurs der GDL führt zu einer Entsolidarisierung unter den Beschäftigten", sagte Hansen. "Ich werde nicht tatenlos zusehen, wie andere Geld verbrennen, das wir dringend brauchen." Zwischen Transnet und GDL gebe es derzeit keine Gespräche, erklärte der Transnet-Chef. "Es herrscht Eiszeit. Und ich werde sicher nicht die Wärmflasche reichen, das muss schon die GDL tun." Struck appellierte an beide Seiten, sich erneut zu Gesprächen zu treffen. Gleichzeitig mahnte er die GDL dazu, ihre Verantwortung gegenüber der deutschen Wirtschaft wahrzunehmen.

In dem seit Monaten festgefahrenen Tarifkonflikt fordert die GDL einen eigenständigen Tarifvertrag für das Fahrpersonal und bis zu 31 Prozent mehr Geld. Die Bahn hatte in den vergangenen Tagen wiederholt zur Wiederaufnahme von Verhandlungen aufgefordert, ohne dabei das von der GDL geforderte neue Angebot zu machen.

© dpa/AP/AFP/grc - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

SZ Stellenmarkt
:Entdecken Sie attraktive Jobs

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: