Debatte zur Euro-Schuldenkrise:Mitglieder einer Währungsunion müssen sich in Kultur und Werten nicht ähnlich sein

Deshalb wird es auch niemand für nötig erachten, panikartig sein Geld von der Bank abzuheben, wenn der Staat Haushaltsprobleme hat: Es gibt keinen Ansteckungseffekt und keine Gefahr, dass die Sparer ihr Geld verlieren. Genauso sollte auch der Euro konzipiert werden. Viele Ökonomen haben dies seit Jahren wieder und wieder gefordert. Aber Regierungen benutzen ihre Banken gerne als Sparschweine, entsprechend wurde das Vorhaben nie umgesetzt.

Griechenland ist ja nicht das Ende der Geschichte. Italienische und spanische Banken sind genauso vollgeladen mit Schuldtiteln ihrer Regierungen, sie laufen daher ebenfalls Gefahr, Opfer eines Runs zu werden. Noch ist Zeit, diese Bombe zu entschärfen, aber die Zeit läuft ab.

Staatspleiten ohne die Folge eines Euro-Austritts und ein offenes Bankwesen sind die zentralen Voraussetzungen für eine funktionierende europäische Währungsunion. Eine Währungsunion muss keine Fiskalunion sein. Die USA haben Detroit oder bankrotte Bundesstaaten nicht gerettet. Eine Währungsunion setzt nicht einmal voraus, dass die beteiligten Volkswirtschaften sich sehr ähnlich sind. Auch in Panama gilt der US-Dollar. Die Mitglieder einer Währungsunion müssen sich weder in ihrer Kultur ähnlich sein noch in ihren Werten, ihrem Entwicklungsstand, ihrer Produktivität. Eine Währungsunion erfordert auch keine politische Union. Europa hat über Jahrhunderte, in denen Könige immer wieder bankrottgingen, Gold als gemeinsames Zahlungsmittel benutzt.

Sollte Griechenland den Euro verlassen, würde es wie Kuba oder Venezula enden - im Desaster

Viele Beobachter behaupten, dass kleinere Länder ihre eigene Währung brauchen, damit sie diese geschickt abwerten können. Aber Griechenland hatte Abwertungen und Geldentwertung über hundert Jahre, und das alles hat kein griechisches Wirtschaftswunder erzeugt. Es gibt keinen Wechselkurs, zu dem die griechischen Beamten anfangen werden, Porsches nach Stuttgart zu exportieren. Im Gegenteil hat die Bindung an den Euro einen Konjunkturaufschwung erzeugt - nur leider wurde die Chance nicht genutzt.

Sollte Griechenland den Euro verlassen, wäre das ein Desaster. Die neue Drachme könnte man nicht in andere Währungen umtauschen, sodass Griechenland wie Kuba oder Venezuela enden wird: Beamte und Rentner werden in einer wertlosen lokalen Währung bezahlt, und diejenigen, die in den Besitz von Euro kommen, werden bar zahlen. Kein effizientes Großunternehmen kann in einer solchen Volkswirtschaft operieren. Griechenlands einzige Hoffnung ist es, die Wirtschaft zu liberalisieren, sich Europa zu öffnen, stark zu wachsen und seine Schulden zurückzuzahlen.

Der Euro ist ein großartiges und wertvolles Projekt, und ein notwendiger Wegbereiter für gesunde, offene Volkswirtschaften kleiner Länder in einer globalisierten Welt. Es ist an der Zeit, den Euro so zu vollenden, wie er ursprünglich erdacht wurde, anstatt ihn in eine Union immer neuer Rettungspakete zu verwandeln.

© SZ vom 19.08.2015/rfu
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB