Energieversorgung:Kritik an teuren LNG-Terminals wird immer lauter

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Das LNG-Terminal bei Wilhelmshaven: Hier wird Gas, das Schiffe anliefern, ins Erdgasnetz eingespeist. (Foto: Jochen Tack/IMAGO)

Erst zu wenig, bald zu viel? Dank neuer Terminals für Flüssigerdgas könnte 2030 viel mehr Gas angelandet werden, als Deutschland benötigt. In der Koalition sorgt das für Unmut.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Das Einmaleins der Terminals beherrscht Robert Habeck mittlerweile im Schlaf. Mühelos kann der grüne Wirtschaftsminister aufaddieren, wie viel verflüssigtes Erdgas an den so genannten LNG-Terminals angelandet wird, und wie sich die Situation dadurch entspannt. Schließlich soll das LNG aus aller Welt russische Importe ersetzen. Doch nun zeigt ein Bericht von Habecks Ministerium an den Haushaltsausschuss des Bundestages: Bis 2030 können die Terminals nicht nur den LNG-Bedarf Deutschlands und vieler osteuropäischer Länder befriedigen. Es bleibt sogar noch ein gehöriger "Sicherheitspuffer". 34,4 Milliarden Kubikmeter ließen sich in Deutschland anlanden, die eigentlich keiner braucht. Das entspricht weit mehr als einem Drittel des deutschen Verbrauchs.

Das Ministerium verweist auf Risiken wie "Havarien, Sabotage oder andere exogene Ereignisse", die sich so abpuffern ließen - bis hin zum Ausfall norwegischer Importe. Insgesamt neun Terminals werden dafür bis 2030 sorgen, davon sieben in Händen des Bundes. Unter anderem fünf schwimmende Terminals hat er dafür gechartert. Bis 2038 sind für all das nun 9,8 Milliarden Euro veranschlagt. Reichen wird auch das nicht, macht das Wirtschaftsministerium klar. Bei den schwimmenden Terminals etwa rechne man "mit deutlichen Kostensteigerungen".

Innerhalb der Ampelkoalition regt sich nun zunehmend Kritik an der übergroßen Vorsicht des Bundes - auf die offenbar vor allem das Kanzleramt gedrängt hatte. Ein gewisser Sicherheitsaufschlag sei ja berechtigt, sagt etwa der grüne Haushaltspolitiker Sven-Christian Kindler der Süddeutschen Zeitung. "Aber bis 2030 besteht die Gefahr kostenintensiver, fossiler Überkapazitäten." Das gefährde auch die Erreichung der Klimaziele. "Jeder Euro für LNG-Projekte fehlt am Ende bei Wärmepumpen, der Gebäudesanierung oder grünen Wasserstoffprojekten." Ganz ähnlich sieht das Kindlers Kollege von der FDP, Otto Fricke. "Wir dürfen uns nicht von Angst leiten lassen, sondern von Vernunft", sagt er. Aus klima- wie haushaltspolitischen Gründen müssten Überkapazitäten vermieden werden. "Wir brauchen so viel wie nötig", sagt Fricke. "Aber nicht so viel wie möglich."

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