Windkraft:Gamesa-Intergration belastet Siemens Energy

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Windkraft: Eine Windenergieanlage von Siemens im Osten Brandenburgs. Die spanischen Windkrafttochter Siemens Gamesa bereitet dem Konzern Probleme.

Eine Windenergieanlage von Siemens im Osten Brandenburgs. Die spanischen Windkrafttochter Siemens Gamesa bereitet dem Konzern Probleme.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Siemens Energy holt sich Kapital, um die spanische Tochter komplett zu kaufen und zu sanieren. Der Kurs gibt um fest sechs Prozent nach.

Der Beginn der Finanzierung der Komplett-Übernahme von Siemens Gamesa hat die Aktien des Energietechnik-Konzerns Siemens Energy auf ein Allzeit-Tief gedrückt. Das vor zwei Jahren von Siemens abgespaltene Münchner Unternehmen beschaffte sich in der Nacht zum Mittwoch über eine Pflichtwandelanleihe 960 Millionen Euro frisches Kapital, das für den Kauf der restlichen Anteile an der angeschlagenen Windkraft-Tochter Gamesa verwendet werden soll. Die spanische Tochter soll saniert und in den Konzern integriert werden.

Ein rund vier Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot für die ausstehenden Aktien wurde bereits im Mai angekündigt. Siemens Gamesa soll komplett übernommen und von der Börse genommen werden, um das Unternehmen leichter zurück auf Kurs zu bringen. Die Pflichtwandelanleihe gilt als ein erster Schritt.

Finanzchefin Maria Ferraro wertete die schnelle Platzierung als Vertrauensbeweis professioneller Investoren in die Strategie. Die Anleihe wird in drei Jahren, Mitte September 2025, in Siemens-Energy-Aktien umgetauscht und zählt damit für die Ratingagenturen als Eigenkapital.

Die vor der Rückkehr in den Dax stehende Siemens-Energy-Aktie fiel am Mittwoch um fast sechs Prozent und lag damit zeitweise unter dem bisherigen Tiefstand von 13,36 Euro von Anfang Juli. Ein neues Tief markierten die Titel bei 13,23 Euro. "Die neue Finanzierung für Gamesa kommt nicht überraschend, der Verwässerungseffekt ist dennoch negativ für den Kurs", sagte ein Händler. Siemens Energy will sich noch weitere 1,5 Milliarden Euro Eigenkapital für die Übernahme beschaffen, etwa mit einer Kapitalerhöhung. Der Rest soll mit Krediten finanziert werden.

Bis zum Jahresende soll die an der Madrider Börse notierte Siemens Gamesa vollständig zu Siemens Energy gehören. Bisher halten die Münchner 67 Prozent. Siemens-Energy-Chef Christian Bruch baut darauf, dann in Spanien strenger durchgreifen zu können. Immer wieder war er von verfehlten Prognosen und Gewinnwarnungen von Siemens Gamesa überrascht worden.

Die Pflichtwandelanleihe wird mit 5,625 Prozent pro Jahr verzinst, wie das Unternehmen mitteilte. Der auch vorzeitig mögliche Umtausch lohnt sich für die Investoren, wenn die Aktie um 17,5 Prozent steigt. Ein Teil der Anleihe-Investoren hat sich gegen Kursschwankungen durch Leerverkäufe von Siemens-Energy-Aktien abgesichert. Der Platzierungspreis, nach dem sich auch der Mindestwandlungspreis der Anleihe richtet, lag dabei mit 13,22 Euro um 6,5 Prozent unter dem Xetra-Schlusskurs vom Dienstag. Die noch mit 35 Prozent an Siemens Energy beteiligte Siemens AG hatte angekündigt, kein frisches Kapital mehr in die ehemalige Tochter zu stecken.

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