Spielebranche:Deutschland daddelt

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Young couple playing video games

Videospielen ist bei vielen Paaren in der Pandemie zum neuen Hobby geworden.

(Foto: Getty Images)

Die Deutschen spielen so viel wie noch nie, die deutsche Spielebranche aber wächst langsamer als der Markt.

Von Helmut Martin-Jung

Von solchen Zahlen träumt jede Branche: Um satte 36 Prozent wuchsen hierzulande im Pandemie-Jahr 2020 die Ausgaben für Games, In-Game- und In-App-Käufen, Abonnements sowie Gebühren für Online-Dienste im Vergleich zum Vorjahr. Unterm Strich stand Ende 2020 ein Umsatz von 5,2 Milliarden Euro. Auch wenn es darum ging, die heimische Ausrüstung upzudaten, zeigten sich die Gamer in Deutschland nicht knausrig: Spielekonsolen, Gaming-PCs und entsprechende Peripherie waren ihnen 3,2 Milliarden Euro wert - 26 Prozent mehr als 2019, freut sich der Branchenverband Game.

Auch der Digitalverband Bitkom jubiliert: "Halb Deutschland spielt Video- oder Computerspiele." Der Verband kommt in seiner repräsentativen Umfrage zu dem Schluss, dass das oft als Daddeln verschriene Spielen an Computer, Konsole oder Smartphone vor allem Menschen über 65 geholfen habe, durch die Pandemie und den dadurch bedingten Verlust an persönlichen Kontakten zu kommen. Der Anteil von Gamern über 50 Jahre ist erneut gewachsen, die Hälfte in dieser Altersgruppe spielt zumindest hin und wieder. Und ihr Anteil wächst beständig, 2019 spielten etwa ein Viertel von ihnen Video- und Computerspiele, zwei Jahre später, 2021, sind es schon 40 Prozent.

Unter den Jüngeren ist das Spielen von Games allerdings noch deutlich verbreiteter. 81 Prozent sind es dem Bitkom zufolge bei den 16- bis 29-Jährigen, 67 Prozent bei den 30- bis 49-Jährigen. Die digitale Spielewelt sei längst "viel mehr (...) als nur Zeitvertreib. Sie wird zunehmend zum zentralen Element, um das eigene Wohlbefinden zu steigern, in Kontakt mit anderen zu bleiben und Nähe zu finden", sagt Olaf May, Mitglied im Bitkom-Präsidium. Während der Pandemie stieg auch die Zeit, die Gamer an PC, Konsole oder Smartphone mit Spielen verbrachten. Der Bitkom rechnet damit, dass dies zumindest teilweise auch so bleiben wird. Meistgenutztes Gerät zum Spielen bleibt das Smartphone.

Die deutschen Spielestudios profitieren von dem Boom zwar auch, aber ihr Wachstum fällt geringer aus als das des Marktes. Von 100 Euro, die 2019 in Deutschland für Games ausgegeben wurden, erhielten sie 4,93 Euro, 2020 waren es nur noch 4,17 Euro. Dem Games-Verband zufolge liegt das an den schwierigen Rahmenbedingungen in Deutschland. Er hofft nun auf die Förderung durch den Bund, die bereits erste Erfolge zeige. Ein durchschlagender Effekt werde aber erst in einigen Jahren zu spüren sein.

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