Europäische Cloud-Initiative:Wer Geld von Gaia-X bekommt

Europäische Cloud-Initiative: Zusammen mit Frankreich hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier die europäische Cloud-Initiative angestoßen.

Zusammen mit Frankreich hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier die europäische Cloud-Initiative angestoßen.

(Foto: Ina Fassbender/AFP)

16 Projekte - von maritimer Forschung über KI-Sprachmodelle bis zu Gesundheitstracking - sollen zeigen, wie souverän Europa mit Daten umgehen kann.

Von Mirjam Hauck

Gibt es bald ein "Alexa für Europa" oder Fitnesstracking-Apps, die die Hausärztin verschreibt? Und die Daten, die die App sammelt, fließen dann in die Forschung? Möglich ist es, denn im Rahmen der europäischen Cloud-Initiative Gaia-X gibt es nun erstmals konkrete Projekte. Das Bundeswirtschaftsministerium hat aus einem Förderwettbewerb, an dem rund 130 Bewerber teilgenommen haben, 16 "Leuchtturmvorhaben" ausgewählt. Sie sollen bis Ende 2024 Fördermittel in Höhe von rund 175 Millionen Euro bekommen.

Vor knapp zwei Jahren hatte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zusammen mit seinem französischen Amtskollegen Bruno Le Maire die europäische Cloud-Initiative Gaia-X auf dem Digitalgipfel vorgestellt. Bislang wurde über das Projekt, das Europa unabhängiger von amerikanischen und asiatischen Cloud-Anbietern machen und zu mehr Datensouveränität verhelfen soll, vor allem diskutiert. Nun soll ein konkreter Mehrwert geschaffen werde.

Die Gewinner des Wettbewerbs decken verschiedene Branchen wie Bildung, Energie, Gesundheit, Mobilität oder Recht ab. Mithilfe künstlicher Intelligenz, Virtual Reality und hybrider Cloud-Technologien wollen sie neue und vor allem sinnvoll nutzbare Datenräume schaffen.

Eines dieser Projekte nennt sich Marispace-X. Hierbei sollen maritime Daten zusammengeführt werden. Daran beteiligt sind unter anderem die Kieler Christian-Albrechts-Universität, das Geomar-Helmholtz-Zentrum in Kiel und als Konsortialführer das Webhosting-Unternehmen Ionos, das zu United Internet gehört. Rainer Sträter, bei Ionos zuständig für Cloud Services und Global Platform Hosting, sagt: "Einen maritimen Dataspace gibt es bislang nicht, es existieren nur Teilfragmente, die unterschiedlichen Firmen gehören." Mit Marispace-X wolle man nun erstmals einen "gemeinsamen virtuellen Topf" schaffen, auf Basis einer standardisierten Plattform, in der alle verfügbaren maritimen Daten föderiert gespeichert werden und aus denen dann wiederum neue Businessmodelle entstehen sollen.

Das Projekt soll helfen, Anbauflächen für Seegras zu finden

So gibt es Tausende Dokumente, die zeigen, wo überall in Nord- und Ostsee Munition aus dem Zweiten Weltkrieg liegt. Auf dem Meeresgrund sollen 1,6 Millionen Tonnen Kampfmittel sein, allerdings hat die Karten bislang niemand eingescannt und digitalisiert. Marispace-X soll das nun ändern. Diese Daten seien immens wichtig, um zu wissen, wo man beispielsweise Unterseekabel verlegen oder auch Offshore-Windparks bauen könne, sagt Sträter. Mit maritimen Sensordaten und Satellitenbildern lässt sich aber auch noch mehr herausfinden, zum Beispiel wie man Mikroströmungen im Meer für die Schifffahrt nutzen kann, um energie- und kostensparender unterwegs zu sein. Denn anders als in der Luftfahrt, wo Windströmungen selbstverständlich für Flüge genutzt werden, ist das noch kein großes Thema in der Schifffahrt.

Red Tide in Pula, Croatia Photo taken on March 29 shows red tide , algae bloom in beach in Pula, Croatia. Red tide is a

Algen am Strand in Kroatien: Marispace-X soll dabei helfen, Seegrasfelder zu finden.

(Foto: Srecko Niketic/imago images/Pixsell)

Zudem soll Marispace-X dabei helfen, im Meer Anbauflächen für Seegras zu finden. Seegras kann viel Kohlendioxid speichern und so einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Ein anderes Projekt, das zunächst nach französischem Rotwein klingt, soll helfen, Europa bei der Digitalisierung der Bildung nach vorne zu bringen: Merlot ("Marketplace for lifelong educational dataspaces and smart service provisioning"). Mit diesem Projekt wollen unter anderem die TU Kaiserslautern, IBM und das Hasso-Plattner-Institut Plattformen und Lösungen schaffen, auf denen Bildungsinformationen von Verlagen länderübergreifend bereitgestellt werden. Sie sollen Menschen so ein Leben lang bei der Weiterbildung, Berufsorientierung und Karriereplanung unterstützen.

Das Projekt Dataloft, das von der Charité-Universitätsmedizin Berlin geleitet wird, beschäftigt sich mit Gesundheitsdaten und dem Problem, wie diese hochsensiblen Informationen weiterhin unter der Kontrolle der Menschen bleiben, aber dennoch für Forschungszwecke genutzt werden können. So lassen sich viele Menschen zwar per Fitness-Apps tracken, diese Daten landen aber meist in den Clouds von Google und anderen kommerziellen Anbietern. Dataloft will deshalb Anwendungsfälle entwickeln, bei denen Menschen souverän entscheiden können, mit wem sie ihre Gesundheitsdaten teilen wollen.

Eine Gruppe will das "Alexa für Europa" schaffen

Open-GPT-X, das von der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung federführend geleitet wird, widmet sich der Spracherkennung und dem Aufbau von KI-Sprachmodellen - oder dem "Alexa für Europa", wie Rainer Sträter von Ionos sagt. Das Unternehmen ist unter anderem neben dem WDR und den Hochleistungsrechenzentren in Jülich und Dresden an dem Projekt beteiligt. Die Herausforderung hierbei sei, dass es in Europa eine Vielzahl von Sprachen gebe. Aber gerade Sprachapplikationen ließen sich gut monetarisieren, sagt Sträter. So wollen Callcenter wissen, ob die Anrufer gute oder schlechte Laune haben. Auch bei vielen Sprachassistenzsystemen - gerade im Auto - gebe es noch Luft nach oben. Zudem sind bei Fernsehsendern und Rundfunkanstalten riesige Menge an Sendungsdaten vorhanden, die zwar digitalisiert sind, aber nicht als Text vorliegen und somit auch nicht durchsucht werden können. Diese Probleme soll Open-GPT-X lösen.

Bis mit den Gaia-X-Projekten Geld verdient werden kann, dauert es aber noch eine Weile: Eine Monetarisierung ist nach den Vorgaben des Bundeswirtschaftsministeriums erst nach dem Ende der dreijährigen Projektlaufzeit möglich.

© SZ
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