Gaia-X:Eine Cloud für Europa

Die Wirtschaftsminister von Deutschland und Frankreich bringen Gaia-X auf den Weg, die erste europäische Cloud. Unternehmen, die Daten in einer Cloud speichern wollen, wären dann nicht mehr auf Dienstleister außerhalb Europas angewiesen.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Peter Altmaier benutzt nicht irgendeinen Begriff, sondern greift tief ins Vokabular der Nerds und Technikfreaks: Moonshot. Ein solcher Moonshot solle sie werden, die europäische Cloud-Infrastruktur Gaia-X: ein ganz großer Wurf. Am Donnerstag kam der deutsche Wirtschaftsminister dazu mit seinem französischen Amtskollegen Bruno Le Maire zusammen, natürlich virtuell. Denn Gaia-X nähert sich der Realisierung. Unternehmen, die Daten in einer Cloud speichern wollen, wären dann nicht mehr auf Dienstleister außerhalb Europas angewiesen.

Seit Donnerstag gibt es offiziell einen Kreis von 22 Unternehmen, die hinter der neuen Plattform stehen werden - je elf aus Frankreich und Deutschland. Erste gemeinsame Papiere sind fertig, etwa zur technischen Architektur der Dateninfrastruktur, zu den Anforderungen an ihre Teilnehmer, zu gemeinsamen Regeln, etwa für die Interoperabilität mit anderen Systemen. Gaia X sei ein "Schlüsselprojekt für eine vertrauenswürdige Infrastruktur", sagte Altmaier. Es bestehe die Chance, "dass das ein Gold-Standard wird". Le Maire sprach von einem "Schlüssel, um an globalen Märkten bestehen zu können".

In der Wirtschaft sind die Erwartungen an Gaia-X groß. "Deutschland und Frankreich ebnen den Weg für Europas digitale Souveränität", sagte Iris Plöger, die in der Hauptgeschäftsführung des Industrieverbands BDI sitzt. Funktionsweise und Nutzen von Gaia-X würden nun immer greifbarer. Es brauche nun rasch erste Pilotprojekte. Anwendungen für die neue Infrastruktur gibt es reichlich: das autonome Fahren etwa oder smarte Energienetze, die Angebot und Nachfrage beim Strom ausgleichen.

© SZ vom 05.06.2020
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