Das Vermögen der Milliardäre in den G-20-Staaten ist der Entwicklungsorganisation Oxfam zufolge im vergangenen Jahr um 2,2 Billionen Dollar gestiegen. Demnach konnten die Superreichen ihr Vermögen innerhalb eines Jahres um 16,5 Prozent von 13,4 Billionen auf 15,6 Billionen Dollar steigern, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse der Nichtregierungsorganisation anlässlich des bevorstehenden G-20-Gipfels in Südafrika hervorgeht. Dieser jährliche Vermögenszuwachs würde ausreichen, um 3,8 Milliarden Menschen aus der Armut zu befreien, erklärte Oxfam. Die Kosten hierfür beliefen sich auf 1,65 Billionen Dollar pro Jahr. Die Organisation bezieht sich dabei auf die von der Weltbank definierte erweiterte Armutsgrenze von 8,30 Dollar pro Tag.
Oxfam forderte vor dem G-20-Gipfel der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer am 22. und 23. November in Johannesburg Bundeskanzler Friedrich Merz und die anderen Staats- und Regierungschefs auf, ein internationales Gremium gegen Ungleichheit zu schaffen. Zudem betonte Oxfam, man müsse die Besteuerung von Superreichen vorantreiben und Kürzungen in der Entwicklungszusammenarbeit zurücknehmen. Die Bekämpfung der Ungleichheit ist ein zentrales Thema des Gipfels. Die südafrikanische G-20-Präsidentschaft hat dazu die erste Analyse dieser Art in Auftrag gegeben. Ein von dem Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz geleiteter Sonderausschuss unabhängiger Experten spricht von einem „Notstand der Ungleichheit“. Oxfam begrüßt die Empfehlung des Ausschusses, ein neues internationales Gremium zur weltweiten Bekämpfung von Ungleichheit einzurichten. Dieses solle eine ähnliche Rolle einnehmen wie der Weltklimarat (IPCC) bei der Klimakrise.
„Weltweit fügt die wachsende Ungleichheit der Menschheit schweren Schaden zu“, sagte Tobias Hauschild, Leiter des Bereichs Soziale Gerechtigkeit bei Oxfam Deutschland. Merz und die anderen Staats- und Regierungschefs der G 20 sollten sich klar für die Schaffung eines solchen Gremiums zur Bekämpfung der Ungleichheit aussprechen. Zudem müsse die auf dem G-20-Gipfel in Brasilien gestartete Initiative für eine globale Besteuerung von Superreichen umgesetzt werden. Es dürfe nicht sein, dass sich immer mehr Regierungen durch weniger Entwicklungszusammenarbeit aus ihrer internationalen Verantwortung stehlen, monierte Hauschild. „Mit den Kürzungen im Entwicklungsetat im Bundeshaushalt 2026 sendet auch die Bundesregierung ein fatales Signal an die ärmsten Länder der Welt.“ Trotz der Absagen der Präsidenten der USA und Chinas nimmt Kanzler Merz am Gipfel in Südafrika teil. „G 20 bleibt für Deutschland ein wichtiges multilaterales Format zur Abstimmung mit führenden Industrie- und Schwellenländern“, erklärte die Bundesregierung jüngst.

