Fußball und InflationTorjäger zum Sonderpreis - Torjägerinnen allerdings nicht

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Fußballer werden billiger, bei Fußballerinnen gibt es Rekorde. Im Januar wechselte erstmals eine Spielerin, die US-Amerikanerin Naomi Girma, für eine Million Euro ihre Fußballmannschaft.
Fußballer werden billiger, bei Fußballerinnen gibt es Rekorde. Im Januar wechselte erstmals eine Spielerin, die US-Amerikanerin Naomi Girma, für eine Million Euro ihre Fußballmannschaft. Dave Shopland/AP
  • Die Marktwerte der wertvollsten Bundesligaspieler sind laut einer Studie seit 2019 um 15,4 Prozent gesunken, während die Verbraucherpreise stiegen.
  • Die besten Bundesligaspieler wechseln zunehmend ins Ausland statt zum FC Bayern München, was auf einen "Footdrain" in Deutschland hindeutet.
  • Im Frauenfußball steigen die Transfersummen: Im vergangenen Jahr wechselte erstmals eine Spielerin für eine Million Euro den Verein.
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Kosten Fußballspieler in Deutschland bald weniger als Butter? Vermutlich nicht. Aber im Gegensatz zum Brotbelag werden die Bundesligakicker aktuell nicht teurer – im Gegenteil.

Von David Kulessa

Gute Nachricht: Nicht alles wird derzeit teurer. Die womöglich weniger gute Nachricht: Darüber dürfte sich in diesem Fall primär Uli Hoeneß freuen. Es ist keinen Monat her, da sagte der Ehrenpräsident des FC Bayern München, vom berühmten Festgeldkonto des Vereins sei „nicht mehr viel da“. Die Aufregung, die folgte, war groß. Sollte das etwa bedeuten, die Bayern haben keine finanziellen Mittel, um ihren Wunschspieler Florian Wirtz von Bayer Leverkusen zu verpflichten? Nun: Vielleicht ist Wirtz gar nicht so teuer, wie alle glauben. Das Berliner Wirtschaftsinstitut Rockwool Foundation möchte nämlich herausgefunden haben, dass die „Inflation bei den Bundesliga-Spielern gestoppt“ sei.

Untersucht wurde dafür die Marktwertentwicklung der jeweils elf wertvollsten Spieler aller Fußballbundesligisten in den vergangenen 20 Jahren. Grundlage waren die Zahlen des Fachportals transfermarkt.de. 2005 lag der ermittelte Wert dieser 198 Profis noch bei insgesamt 800 Millionen Euro – 2019 waren es dann 3,7 Milliarden Euro. Es folgte, um in dem Wirtschaftssprech der beiden Forscher zu bleiben, eine Deflation um 15,4 Prozent. Grund war offenkundig die Unsicherheit der Coronapandemie, die 2020 auch das Fußballgeschäft stark beeinflusste.

Von diesem Tief (3,1 Mrd. Euro) hatten sich die Marktwerte zwar schon im Folgejahr wieder weitestgehend erholt, doch die kontinuierliche Steigerung von zuvor bleibt seitdem aus. Und nicht nur das: In dieser Saison sanken die Marktwerte gar um 2,1 Prozent – „während die Verbraucherpreise gleichzeitig um 1,3 Prozent stiegen“, wie die Autoren betonen. Nun darf man die Sinnhaftigkeit eines Vergleichs zwischen Butter- und Torjäger-Preisen natürlich infrage stellen. Und auch haben die Werte von transfermarkt.de gewisse Schwächen, etwa, dass sie letztlich den subjektiven Einschätzungen der Mitglieder der sogenannten „Transfermarkt-Community“ unterliegen. Und dennoch erzählt diese Auswertung etwas über die wirtschaftliche Lage des deutschen Fußballs.

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Eine Erkenntnis, die Uli Hoeneß – Achtung! – eher nicht freuen dürfte, ist jene, dass die besten und somit wertvollsten Spieler der Bundesliga nicht länger automatisch zum FC Bayern wechseln. Lange funktionierte die fußballerische Klassengesellschaft in Deutschland nach einem einfachen Prinzip: Wer, zum Beispiel, in Dortmund besonders gut spielt, den holen die Bayern nach München (vgl. Götze, Lewandowski, Hummels). Zuletzt jedoch sind Jadon Sancho zu Manchester United, Erling Haaland zu Manchester City und Jude Bellingham zu Real Madrid gewechselt, Gesamtmarktwert: 410 Millionen Euro.

Fußballdeutschland leidet unter Footdrain

Die Spieler werden also gar nicht zwingend günstiger, sondern die besten und somit wertvollsten von ihnen gehen einfach lieber ins Ausland. Fußballdeutschland leidet gewissermaßen unter Footdrain. Umso gebannter blickt man jetzt auf Florian Wirtz, den aktuell besten Spieler der Bundesliga, der nicht beim FC Bayern spielt. Fröttmaning oder Madrid, das ist hier die Frage.

Beim Blick auf die angebliche Deflation kommt eine Schwierigkeit hinzu, mit der auch andere Ligen zu kämpfen haben: Zumindest für den Moment scheinen die TV-Gelder, des Fußballs wichtigste Einnahmequelle, eine Art Obergrenze erreicht zu haben. Aus Sicht der Deutschen Fußball Liga (DFL) war es ein großer Erfolg, mit den Sendern im vergangenen Dezember einen Deal über 1,12 Milliarden Euro pro Saison zu verhandeln und somit wenigstens Einbußen zu vermeiden. Aber mehr Geld für Spieler können die Vereine damit natürlich eher nicht ausgeben.

Ganz im Gegensatz dazu boomt der Fußball der Frauen seit Jahren. Im Januar wechselte erstmals eine Spielerin, die US-Amerikanerin Naomi Girma, für eine Million Euro ihre Fußballmannschaft: vom San Diego Wave FC zum FC Chelsea in England. Und auch in Deutschland purzelten zuletzt Rekorde: Nationalspielerin Lena Oberdorf verließ den VfL Wolfsburg im Sommer 2024 für die Rekordsumme von angeblich 450 000 Euro.

Seitdem trägt sie das Trikot des FC Bayern. Es ist im Grunde überflüssig zu erwähnen, dass das ganz im Sinne von Uli Hoeneß ist.

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