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Fusionspläne in Frankfurt:Geplatzte Träume von der "Big Börse"

London, Zürich, Mailand - die Deutsche Börse versucht seit Jahren, andere Finanzplätze zu übernehmen oder mit ihnen zu fusionieren. Bisher jedoch war der Expansionskurs nur wenig erfolgreich. Eine Chronik des Scheiterns.

Die Welt der Börsenbetreiber ist zersplittert. Nationale Eitelkeiten haben bereits viele grenzüberschreitende Fusionen zum Scheitern gebracht, immer wieder griffen auch die Wettbewerbshüter ein. Doch der Wunsch zum Zusammenschluss war in den vergangenen Jahren offensichtlich. Den traditionellen Börsen bleibt auch nichts anderes übrig, als die Kräfte zu bündeln: Die Wettbewerber in Asien werden stärker, alternative Handelsplattformen gefährden die etablierten Marktbetreiber.

Auch die Deutsche Börse war bei ihren zahlreichen Versuchen, große Wettbewerber zu übernehmen, bisher nicht erfolgreich. Im Visier waren bereits die Handelsplätze in Zürich, mehrfach die Londoner Börse LSE sowie Mailand. Der Zusammenschluss der Handelsplätze in Frankfurt und New York wäre die bisher größte Börsenfusion gewesen. Die "Big Börse", wie die Wall Street das Gebilde scherzhaft taufte, drohte der EU-Kommission allerdings zu groß und zu mächtig zu geraten. Einige Stationen der vergangenen Fusionsbemühungen der Deutschen Börse:

[] Mai 2000: Der Plan einer Fusion mit der LSE scheitert.

[] August 2004: Die Schweizer Börse SWX lehnt das Übernahmeangebot aus Frankfurt ab.

[] 9. Mai 2005: Der Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, tritt als Folge des gescheiterten Übernahmekampfes um die LSE zurück.

[] 15. März 2006: Die Deutsche Börse gibt bekannt, dass sie eine Fusion mit der Vierländerbörse Euronext beabsichtigt.

[] 2. Juni 2006: NYSE und Euronext einigen sich auf eine Fusion.

[] 8. November 2006: Gespräche der Deutschen Börse über ein gemeinsames Vorgehen mit der Borsa Italiana enden erfolglos.

[] 15. November 2006: Die Deutsche Börse gibt Übernahmepläne für die Euronext auf. Euronext zieht eine Fusion mit der NYSE vor.

[] 30. April 2007: Die Deutsche Börse kündigt die Übernahme der US-Optionsbörse ISE für umgerechnet rund zwei Milliarden Euro an.

[] Dezember 2008: Die Deutsche Börse teilt mit, Sondierungsgespräche für eine Fusion mit NYSE Euronext seien ergebnislos beendet worden.

[] April 2009: Deutsche Börse und NYSE Euronext verhandeln Marktgerüchten zufolge erneut über einen Zusammenschluss.

[] 15. Februar 2011: Die Aufsichtsräte machen den Weg frei für den Zusammenschluss von Deutscher Börse und NYSE Euronext.

[] 1. April 2011: Nasdaq OMX und ICE legen ein Angebot für die NYSE Euronext vor, das sie selbst auf 11,3 Milliarden US-Dollar beziffern. Die Deutsche Börse bekräftigt, dass sie an ihren Fusionsplänen festhalten will. Die Konkurrenz zieht ihr Angebot Mitte Mai zurück.

[] Juni 2011: Europas Wettbewerbshüter signalisieren Bedenken. Eine Genehmigung der Fusion scheint höchstens unter Auflagen möglich. Widerstand kommt auch von der hessischen Börsenaufsicht.

[] 7. Juli 2011: Die NYSE-Aktionäre stimmen mit großer Mehrheit für die Fusion. Eine Woche später stellen sich auch die Deutsche-Börse-Aktionäre hinter den Plan und dienen bis zum Ablauf der Frist ihre Aktien der eigens gegründeten Alpha Beta Netherlands Holding an.

[] 28. Dezember 2011: Deutsche Börse und NYSE Euronext verlängern die Frist für ihren geplanten Zusammenschluss offiziell bis zum Ende des ersten Quartals 2012. Ursprünglich sollte die Fusion zur weltgrößten Börse bis Ende 2011 unter Dach und Fach sein.

[] 1. Februar 2012: Die EU-Kommission verbietet die Fusion von Deutscher Börse und NYSE Euronext.

© Süddeutsche.de/dpa/olkl/hgn

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