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Fusion von Plus und Netto:Kopfnuss vom Kartellamt

Für die Fusion der beiden Discounter Plus und Netto hat das Kartellamt Edeka und Tengelmann strenge Auflagen gemacht. Sie dürfen - anders als geplant - nicht gemeinsam einkaufen und müssen 370 Filialen abgeben.

Im Poker um den geplanten Zusammenschluss der beiden Discounter Plus und Netto macht das Bundeskartellamt den beteiligten Unternehmen strenge Auflagen.

Das Kartellamt verbietet Edeka und Tengelmann den gemeinsamen Einkauf - es befürchtet Preisdrückerei.

(Foto: Foto: AP)

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung muss Plus 370 der bundesweit 2900 Läden verkaufen. Zudem dürfen die Muttergesellschaften der Discounter, Edeka und Tengelmann, anders als von ihnen geplant, nicht gemeinsam einkaufen.

Kartellamt befürchtet Preisdrückerei

Edeka, der größte deutsche Lebensmittelhändler, hatte sich im November vergangenen Jahres mit dem Familienunternehmen Tengelmann als Eigentümer der Plus-Gruppe darauf verständigt, die eigene Discount-Kette Netto mit Plus in eine Gemeinschaftsfirma einzubringen. Das fusionierte Unternehmen würde mit mehr als 4000 Läden in Deutschland über ein ähnlich dichtes Filialnetz wie Marktführer Aldi verfügen.

Nach intensiver Prüfung war das Kartellamt Anfang April zu dem Schluss gekommen, dass ein solches Bündnis den Wettbewerb an zahlreichen Standorten einschränkt. Auch die Absicht der beiden Lebensmittelhändler, künftig gemeinsam einzukaufen, sah die Behörde sehr kritisch. Sie befürchtete, dass die Firmen ihre Einkaufsmacht einsetzen würden, um Lieferanten zu Preiszugeständnissen zu bewegen.

Vor diesem Hintergrund untersagt das Amt Edeka und Tengelmann nicht nur einen gemeinsamen Einkauf. Auch fordert es nach Informationen aus dem Umfeld der Firmen, dass sich Tengelmann an der gemeinsamen Plus/Netto-Gesellschaft mit höchstens 20 Prozent beteiligen darf. Andernfalls sei zu erwarten, dass sich die Unternehmen über Einkaufskonditionen austauschten und so den Wettbewerb behinderten. Dagegen hatten Edeka und Tengelmann vereinbart, dass das Mülheimer Familienunternehmen 30 Prozent an der gemeinsamen Gesellschaft hält.

"Chancen für ein Bündnis bei 60 bis 70 Prozent"

Noch haben sich die beiden Lebensmittelhändler keine Meinung gebildet, ob sie auch unter diesen Bedingungen einen Zusammenschluss ihrer Discount-Töchter anstreben. "Die Chancen, dass das Bündnis zustande kommt, stehen bei 60 bis 70 Prozent", heißt es in informierten Kreisen. Die Unternehmen müssen sich in den nächsten Tagen gegenüber dem Kartellamt erklären; die Behörde will ihre Entscheidung spätestens am 20. Juni verkünden.

Auf der nächsten Seite: Ohne die Fusion kann Plus wohl kaum weitergeführt werden.