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Fusion:Konkurrenz überholt Siemens

Die EU-Kommission gibt den Zusammenschluss von Alstom und Bombardier unter Auflagen frei. Siemens war zuvor mit der Übernahme von Alstom in Brüssel gescheitert.

Von Caspar Busse

Seit Monaten schon wurde verhandelt und um Details gerungen. Am Freitagnachmittag hat die EU-Kommission dem französischen Bahntechnik-Konzern Alstom erlaubt, den Konkurrenten Bombardier zu übernehmen. Alstom wird zusammen mit Bombardier zur weltweiten Nummer Zwei der Bahntechnik-Industrie, davor liegt nur noch der chinesische Konkurrent CRRC. Zusammen überholen Alstom und Bombardier also Siemens. Die Münchner waren zuvor mit der Übernahme von Alstom an den Bedenken der EU-Kommission gescheitert.

Brüssel hat diesmal allerdings harte Bedingungen gestellt. So muss Bombardier Produktionsanlagen am Standort Hennigsdorf bei Berlin verkaufen, es ist einer der größten Standorte des Unternehmens und stammt noch aus der Übernahme des ehemaligen DDR-Waggonbaus. Zudem will Bombardier seinen Projektanteil an der Kooperation für den Hochgeschwindigkeitszug V300Zefiro abgeben. Wie viele Jobs davon in Deutschland betroffen sind, ist offen. Insgesamt beschäftigen Alstom und Bombardier zusammen hierzulande rund 9000 Menschen. Die Franzosen unterhalten ihr größtes deutsches Werk in Salzgitter.

Alstom ist vor allem durch den Bau des Hochgeschwindigkeitszuges TGV bekannt, das Unternehmen ist hier im Wettbewerb mit dem deutschen ICE, der von Siemens mit Zulieferungen von Bombardier produziert wird. Der neue Alstom-Bombardier-Konzern ist also eine starke Konkurrenz für die Münchner. Insidern zufolge baut Siemens aber darauf, dass das neue Unternehmen nun erstmals intern mit der Fusion beschäftigt sein wird. Außerdem sei man ertragsstärker. Die Franzosen stellen wie Siemens auch Schienenfahrzeuge für den Nah- und Regionalverkehr sowie Signaltechnik und andere Bahntechnik her. Das Bundeswirtschaftsministerium reagierte kühl auf die Entscheidung, man nehme das zur Kenntnis. Frankreich hatte auf eine Genehmigung gedrängt.

© SZ vom 01.08.2020
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