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Fusion der Werbefirmen Omnicom und Publicis:Werben für die Konkurrenz

Omnicom Publicis Pepsi Coca-Cola

Gegner vereint: Eine fusionierte Publicis Omnicom Group würde für die Konkurrenten Coca-Cola und Pepsi werben. 

(Foto: Bloomberg)

Omnicom und Publicis wollen fusionieren und künftig das führende Werbeunternehmen werden. Der neue Konzern hätte aber ein Problem: Bislang arbeitet die eine Agentur-Gruppe für Coca-Cola, die andere für Pepsi. Bald würden sie dann für beide Konkurrenten werben. Ob das gutgeht?

Martin Sorrell war höflich, und man kann ohne Übertreibung sagen, dass das sonst nicht seine Art ist. Sorrell, 68, ist üblicherweise laut und rüpelhaft, er ist ein Mann, der seinen Hund "Barbar" genannt hat und sich selbst gerne mit Napoleon vergleicht. Und Martin Sorrell ist der Chef des größten Werbekonzerns der Welt - vielmehr: er war der Chef des größten Werbekonzerns der Welt. Denn an diesem Wochenende kündigten Omnicom und Publicis ihren Zusammenschluss an. Die Nummer zwei und die Nummer drei des Marktes wollen fusionieren.

Wenn das klappt, ist Sorrells Unternehmen WPP den Spitzenplatz los. Napoleon ist dann nicht mehr der wichtigste Typ der Werbewelt. "Es ist ein kühner, mutiger, überraschender Zug", sagte Sorrell also. Und dass er den Verantwortlichen dazu gratuliere.

So schlimm?

Die Omnicom-Gruppe mit Sitz in New York machte zuletzt umgerechnet 10,7 Milliarden Euro Jahresumsatz, lag damit knapp hinter der britischen WPP mit umgerechnet zwölf Milliarden Euro Umsatz. Die Nummer drei, die französische Publicis, verbuchte 6,6 Milliarden Euro. Nach der Fusion hätte die neue Publicis Omnicom Group weltweit gut 130.000 Mitarbeiter - und eine Menge Luft zwischen sich und die Konkurrenz gebracht.

Es sei eine "Fusion unter Gleichen" betonten Publicis-Chef Maurice Lévy, 71, und John Wren, 58, bei der Bekanntgabe ihrer Pläne. Die Aktionäre bekommen für zwei alte Publicis- oder Omnicom-Papiere einen Anteilschein der neuen Gruppe. Das neue Unternehmen soll zunächst für zweieinhalb Jahre von Lévy und Wren gemeinsam geleitet werden, danach soll Wren alleine die Führung übernehmen.

Anders als bei ihrem exzentrischen Kollegen Sorrell sind weder von Wren noch von Lévy größere emotionale Ausbrüche bekannt. Wren gilt als nüchtern, Lévy gar als Mann alter Schule, so einer, der noch einen Füllfederhalter besitzt und ihn benutzt. Es scheint nicht ausgeschlossen, dass diese beiden 30 Monate geteilter Macht tatsächlich zusammen überstehen könnten.

Ob es so weit kommt, steht freilich noch nicht fest, auch wenn Lévy und Wren schon davon sprechen, dass die Fusion Ende dieses, spätestens Anfang des nächsten Jahres abgeschlossen sein soll. Erst müssen die Kartellbehörden ihre Zustimmung geben - und die ist längst nicht garantiert.

Zur Publicis-Holding gehören neben den namensgebenden Unternehmen unter anderem Werbeagenturen wie Saatchi & Saatchi und Leo Burnett, außerdem die Mediaagentur Zenith-Optimedia, die Unternehmen bei der Streuung ihrer Werbeaktivitäten auf verschiedene Medien berät - also maßgeblich beeinflusst, in welchen Zeitungen, Zeitschriften, auf welchen Fernsehsendern oder Internetseiten wie viel Werbung gebucht wird.

Zu Omnicom gehören neben anderen die Werbeagenturen DDB, TBWA und BBDO, die PR-Agenturen Ketchum-Pleon und Fleishman-Hillard und die Mediaagentur OMD.

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