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Furcht vor dem Flash-Crash:Deutschland will High-Speed-Händler zügeln

Binnen weniger Minuten können sie Kurse abstürzen lassen: An Europas Börsen überlassen viele Händler die Entscheidung über Kauf oder Verkauf Computern. Das ist praktisch - birgt aber auch enorme Gefahren. Nun lanciert die FDP einen Vorstoß, um den Computerhandel im Notfall auszubremsen.

Um sehr schnell sehr viel Geld zu verdienen, sind Menschen manchmal zu langsam. Daher nutzen viele Händler an den Börsen Computer, die automatisiert Entscheidungen treffen. Doch dieser schnelle Computerhandel kann auch zu Schwierigkeiten führen. So geschah es etwa im Mai 2010 an der New Yorker Wall Street, als der Aktienindex Dow Jones binnen weniger Minuten um etwa 1000 Punkte absackte. Verantwortlich für diesen Flash-Crash sollen die Computer der Hochfrequenzhändler gewesen sein.

Dass so etwas - zumindest in Europa - künftig nicht mehr möglich sein soll, da sind sich die EU-Regierungen einig. Etwa 40 Prozent des europäischen Handels laufen computergesteuert. Daher beraten EU-Parlament und Regierungen derzeit über Maßnahmen zur Regulierung des Computerhandels. Das Problem: Deren Umsetzung kann sich noch Jahre hinauszögern. Dass geht der Bundesregierung nun offenbar nicht schnell genug - sie will einen Alleingang starten, wie die Financial Times Deutschland berichtet.

Der Vorstoß der FDP sieht vor, dass Aufsichtsbehörden künftig Zugang zu den komplizierten Algorithmen erhalten sollen. Die sind bislang geheim, weshalb die Kontrolleure nachträglich nur schwer nach Ursachen für extreme Preisausschläge suchen können.

Außerdem sollen die Aufseher den Handel bei Problemen jederzeit unterbrechen können, ohne das Risiko für die Haftung zu tragen. "Die Börsenaufsicht muss jederzeit in der Lage sein, den Handel auf null abzubremsen, wenn Risiken erkannt werden. Wir dringen auf eine nationale Lösung und wollen nicht warten", sagte Volker Wissing der FTD. Er vertritt die FDP im Finanzausschuss und hofft bei der Initiative auf Unterstützung durch das Bundesfinanzministerium. Noch im Herbst dieses Jahres soll es einen entsprechenden Gesetzesvorschlag geben.

Verbot? "Das kann sich Deutschland nicht leisten"

Ein Komplett-Verbot des Hochfrequenzhandels lehnt Wissing aber ab. "Das kann sich Deutschland nicht leisten." Es gehe auch nicht darum, diesen Handel künstlich zu verlangsamen. Der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Klaus-Peter Flosbach (CDU), erklärte aber: "Wir sollten das, was wir bereits jetzt tun können, auch abarbeiten und nicht warten, bis entsprechende Regelungen auf europäischer Ebene ausverhandelt sind. Das kann noch lange dauern."

Börsenbetreiber unterstützen den Vorschlag: "Wir begrüßen grundsätzlich ergänzende Regulierungsmaßnahmen, die dazu beitragen, den Hochfrequenzhandel besser fassbar zu machen", sagte Stefan Mai, Cheflobbyist der Deutschen Börse, der FTD. Allerdings müsse es eine einheitlich Regel für alle europäischen Länder geben.

Ein eigener Versuch, den Computerhandel besser zu kontrollieren, verlief bislang wenig erfolgreich. Anfang des Jahres wurde an der Deutschen Börse eine Strafgebühr in Höhe von 20.000 Euro eingeführt, um Händler daran zu hindern, den Markt mit gezielten Aufträgen in die gewünschte Richtung zu lenken. Kritiker halten die Strafe für zu gering. Mai betont allerdings, dass der Hochfrequenzhandel nicht grundsätzlich schlecht sei - es müsse eine sachliche Debatte darüber geführt werden.