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Führungskrise bei Siemens:Aufsichtsratschef auf Abruf

Gerhard Cromme

Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme: Wegen der Führungskrise um Löscher in der Kritik. 

(Foto: dpa)

Nur noch eine Sache des Wann und Wie: Bei Siemens soll nach einer Übergangszeit auch Ober-Kontrolleur Gerhard Cromme ausgewechselt werden. Das liegt nicht nur am verpatzten Wechsel von Löscher zu Kaeser an der Konzernspitze, der zur Schlacht auf offener Bühne geriet.

Dieser Mittwoch wird für alle Beteiligten schwer. Der Aufsichtsrat von Siemens tagt und Chefkontrolleur Gerhard Cromme muss den Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher mit lobenden Worten verabschieden. Nachdem er, Cromme, soeben erst Löschers Ablösung vehement betrieben und durchgesetzt hat. Der scheidende Konzernchef wird Worte des Dankes für seine Zeit bei Siemens sagen, obwohl er sich genauso vehement gegen seinen Rausschmiss gewehrt hat. Dann wird Cromme den Eindruck erwecken, der Führungswechsel, der den Konzern seit fast einer Woche durchschüttelt, sei erledigt. Wenn sich der Aufsichtsratschef da mal nicht täuscht.

Wahrscheinlich geht es bei Siemens schon bald auch um Crommes Zukunft - obwohl er selbst sich für unersetzlich hält. Zumindest noch für die nächsten fünf Jahre, bis seine reguläre Amtszeit an der Spitze des Kontrollorgans endet, so heißt es in seinem Umfeld. Dann stünde der frühere Stahlmanager kurz vor seinen 75. Geburtstag am 25. Februar 2018.

Cromme glaubt sehr entschieden und gegen allen Anschein, er habe den Führungswechsel von Löscher zum neuen Vorstandschef Joe Kaeser im genau richtigen Augenblick vollzogen. Dafür werde man ihn auf der nächsten Hauptversammlung im Januar 2014 loben, hofft er tatsächlich.

Seine Aufgabe wäre reibungsloser Austausch des Vorstands gewesen

Im Aufsichtsrat sieht man das anders. Der Ober-Kontrolleur habe kaum Chancen, die volle Amtsperiode zu bleiben. Nicht nur, weil er erst im März den Aufsichtsratsvorsitz beim Stahlkonzern Thyssen-Krupp in Essen wegen schwerer Versäumnisse niederlegen musste. Cromme fehlt inzwischen auch die breite Unterstützung bei Siemens in München. Nicht einmal die zehn Vertreter der Kapitalseite im Aufsichtsrat stehen noch komplett hinter ihm. Und in der von IG Metall-Chef Berthold Huber angeführten Arbeitnehmerbank gibt es Bestrebungen, den Chefkontrolleur auszuwechseln, sobald ein passender Nachfolger gefunden ist.

Cromme kann nicht mehr uneingeschränkt auf seine Kollegen Kontrolleure bauen, nachdem er den Wechsel von Löscher zu Kaeser verpatzt hat. Seine Aufgabe wäre es gewesen, für einen möglichst reibungslosen Austausch des Vorstandschefs zu sorgen. Er hätte dem glücklosen Löscher klarmachen müssen, dass der das Vertrauen fast aller Kontrolleure verloren hat. Nach Angaben aus Konzernkreisen musste sogar Gewerkschaftschef Huber auf Löscher einreden, um ihn zum unvermeidlichen Rücktritt zu bewegen.