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Führungskräftetagung in Berlin:Kaeser will Siemens zum Weltmeister machen

Siemens-Chef Joe Kaeser hat in den 14 Monaten im Amt viel Wirbel gemacht und eine erstaunliche Machtfülle erreicht. Nun muss er die Führungskräfte motivieren. Erstmals können ihm dabei alle 360 000 Mitarbeiter zuhören.

Siemens ist ein traditionsbewusster Konzern. Was einmal funktioniert hat, daran wird festgehalten. Die Hauptversammlungen finden immer in der Münchner Olympiahalle statt, und seit Ewigkeiten ist es schon so, dass sich im Oktober die wichtigsten Manager des Konzerns in Berlin einfinden. Immer im Interconti, der in die Jahre gekommenen Fünfsterne-Herberge West-Berlins. 700 Manager sind es in diesem Jahr, normalerweise tagen sie hinter verschlossenen Türen. Diesmal ist es ein wenig anders.

Noch vor einem Jahr, so berichteten Teilnehmer, war Siemens-Chef Joe Kaeser zu den Klängen des Beatles-Klassikers "Hey Jude" auf die Bühne geklettert, es war seine erste Tagung als Konzernboss. Am Rednerpult fragte Kaeser damals: "Wie wäre es, wenn man statt Jude vielleicht Joe singen würde?" Die Manager feixten. "Take a sad song and make it better", zitierte Kaeser den Liedtext, den er auch auf seinen Konzern anwenden wolle. Siemens besser machen.

Zum ersten Mal können die Mitarbeiter die Ansprache ihres Chefs im Intranet verfolgen

In diesem Jahr können alle 360 000 Mitarbeiter ihrem Chef zuhören. Seine Rede, die er am Mittwochabend hielt, ist im Intranet abrufbar. "Guten Morgen, guten Tag, guten Abend, Siemens", sagt Kaeser im Video. Das Siemens-Reich ist schließlich groß. Er trägt Anzug und Hemd, auf eine Krawatte hat er verzichtet. Wie eine dicke, rote Kordel zieht sich das Thema Unternehmerverantwortung durch seine Rede. "Agiert stets so, als sei das Euer Unternehmen", ruft Kaeser den Managern und den Mitarbeitern zu.

Vor einem Jahr ließ Kaeser seine Leute auf einem überdimensionalen Fußball unterschreiben. "Das war erfolgreich", sagt er nun. Deutschland wurde Weltmeister. "Paulo", fährt er fort, "es tut mir wirklich leid wegen des 7:1." Gemeint ist das Halbfinale zwischen Deutschland und Brasilien, und Paulo, das ist sein Statthalter: Paulo Ricardo Stark, der im Publikum sitzt.

Ziel sei es, sagt Kaeser, "unser Siemens jetzt zu einem Weltmeister zu machen!" Am Ende kann jeder der Teilnehmer ein Foto von sich knipsen lassen, sie sind dann auf Bildschirmen überall im Hotel zu sehen.

Kaeser ist es gelungen, eine Machtfülle zu erlangen, die sein Vorgänger nie hatte

Das mag etwas schwülstig wirken, Kaeser ist manchmal so. Doch eins muss er sich nicht vorwerfen lassen, in den 14 Monaten im Amt hat er viel Wirbel gemacht. Er hat den halben Vorstand ausgetauscht. Brigitte Ederer und Peter Solmssen, die Vertrauten seines Vorgängers Peter Löscher, haben den Konzern verlassen. Im Mai löste Kaeser den selbstbewussten Energievorstand Michael Süß ab und ließ Arbeitsdirektor Klaus Helmrich den Job mit Industrie-Chef Siegfried Russwurm tauschen.