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Führungsjobs:Männer allein im Fahrstuhl

Bahnverkehr nach der Sperrung des Frankfurter Hauptbahnhofs

Der Werbevermarkter Stöer, bekannt etwa für die Aufsteller an Bahnhöfen, steigt in den M-Dax auf – ohne ein Frau im Vorstand zu haben.

(Foto: Andreas Arnold/dpa)

In Vorständen von Börsenaufsteigern arbeiten häufig gar keine Frauen.

Aufsteiger in Dax und M-Dax ziehen die Frauenquote in diesen Indizes regelmäßig nach unten. Das geht aus Erhebungen der US-Personalberatung Russell Reynolds hervor. Dies sei auch bei den aktuellen Wechseln in den wichtigen deutschen Börsenindizes wieder so, hieß es am Montag.

Die Lufthansa mit einem Frauenanteil von 17 Prozent im Vorstand werde im Leitindex Dax ersetzt vom Immobilienkonzern Deutsche Wohnen ohne eine Frau im Vorstand. Im M-Dax der mittelgroßen Werte werde die Deutsche Pfandbriefbank abgelöst vom Werbevermarkter Ströer - ohne Frau im Vorstand. Das sei für Aufsteiger in den M-Dax nicht ungewöhnlich, so die Personalberater: "Von den 29 Aufsteigern der letzten beiden Jahre in den zweitwichtigsten deutschen Börsenindex haben 25 kein weibliches Vorstandsmitglied."

Auch beim bisher jüngsten Wechsel im Dax sei mit dem Triebwerkshersteller MTU Aero Engines ein Konzern ohne weiblichen Vorstand aufgestiegen. "Die letzten vier Aufsteiger in den Dax - Deutsche Wohnen, MTU, Wirecard, Covestro - kommen im Schnitt mit einer Frauenquote von lediglich 13 Prozent auf eine halb so hohe Frauenquote wie die Unternehmen, die sie verdrängt haben", schrieben die Personalberater zu ihrer Erhebung.

Im M-Dax sei der Frauenanteil seit 2017 zwar von vier auf zehn Prozent gewachsen, "doch haben 40 der 60 M-Dax-Unternehmen weiterhin nicht einmal eine Frau im Vorstand". Oft seien die Aufsteiger junge Unternehmen mit kleinen Vorständen, so die Personaler. Mehr Vielfalt bei Geschlecht, Internationalität und Erfahrung könnten aber den nächsten Entwicklungsschritt begünstigen.

Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Elke Hannack, spricht von einem völlig falschen Signal, das diese Unternehmen setzten. "Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass wir in Deutschland endlich eine verbindliche Frauenquote brauchen - auch für die Vorstände." Deutschland hat im europäischen Vergleich der zehn Staaten mit einer gesetzlichen Frauenquote für Unternehmen die schwächsten Vorgaben, hatte im Mai das gewerkschaftsnahe Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung der Hans-Böckler-Stiftung bemängelt. In Deutschland gebe es nur relativ milde Sanktionen bei Missachtung, und die Quote selbst sei mit 30 Prozent niedriger als in anderen Ländern.

Seit 2016 gilt in Deutschland eine Frauenquote für die Aufsichtsräte von börsennotierten Unternehmen von 30 Prozent. Sie gilt auch in paritätisch mitbestimmten Firmen, also Unternehmen, in denen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite gleich viele Sitze im Aufsichtsrat haben. Verpflichtet sind dazu nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung etwa 3500 Unternehmen.

© SZ vom 23.06.2020 / dpa
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