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Friseur:Der Haarschnitt wird teurer

Friseure suchen Fachkräfte: Haarschnitte werden teurer

Gefragt bei Kunden seien immer häufiger Zusatzleistungen, die über das eigentliche Friseurhandwerk hinausgingen.

(Foto: dpa)
  • Friseurbesuche sind 2018 bei Frauen um 9,2 Prozent teurer geworden, bei Männern um 8,0 Prozent.
  • Grund dafür sind steigende Personalkosten - die Betriebe finden außerdem immer schwieriger neue Azubis.
  • Gleichzeitig wollen viele Kunden mittlerweile mehr als nur Waschen, Schneiden und Föhnen.

Friseurbesuche werden für deutsche Verbraucher immer teurer: Frauen haben im vergangenen Jahr für einen einfachen Nasshaarschnitt im Schnitt 29,70 Euro gezahlt, Männer 22,90 Euro. Das geht aus einer jährlichen Analyse im Auftrag des Kosmetikkonzerns Wella hervor. Der Preis bei den Frauen ist somit gemessen am Vorjahr um 9,2 Prozent gestiegen, bei den Männern um 8,0 Prozent.

Die Preissteigerungen ergäben sich unter anderem daraus, dass Personalkosten und Ausbildungsvergütungen zuletzt angestiegen seien, sagte Jörg Müller, Hauptgeschäftsführer des Verbands. "Wir sind genau wie andere Branchen und vor allem andere Handwerksbereiche im Wettbewerb um gute Mitarbeiter und das schlägt sich natürlich auch in den Preisen nieder." Für die Erhebung melden etwa 550 Salons regelmäßig unter anderem ihre Preise und die Ausgaben ihrer Kunden. Auch der Zentralverband des Friseurhandwerks bezieht sich auf diese Zahlen.

Männer gaben demnach pro Friseurbesuch durchschnittlich 22,07 Euro aus, also weniger sogar als für einen gewöhnlichen Nasshaarschnitt. Frauen zahlten mit 56,13 Euro mehr als das Doppelte. Das liegt liege jedoch nicht nur daran, dass Kundinnen sich ihre Haare in der Regel öfter schneiden ließen, erklärt Müller. Ob Blondierung, Tönung oder Strähnchen: "Frauen fragen mehr Dienstleistungsarten beim Friseur nach als Männer."

Mehr als nur Waschen, Schneiden und Föhnen

In der Friseurbranche, die 2017 etwa sieben Milliarden Euro Umsatz erzielte, gehen die Ausbildungszahlen seit Jahren zurück. Bildeten die Salons hierzulande 2008 noch mehr als 40 000 Lehrlinge aus, hat sich die Zahl zehn Jahre später auf unter 21 000 fast halbiert, wie der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks jüngst berichtete. Zwar ist Friseur als Ausbildungsberuf weiterhin durchaus beliebt, der Branche macht jedoch das Image anstrengender und schlecht entlohnter Arbeit zu schaffen.

Gefragt bei Kunden seien immer häufiger Zusatzleistungen, die über das eigentliche Friseurhandwerk hinausgingen - ob nun Kopfmassagen oder hochwertige Getränke, sagt Müller. Auch bei Männern wachse das Interesse an Angeboten, die über das klassische Waschen, Schneiden und Föhnen hinausgehen. Man könne beobachten, "dass auch für Männer der Friseurbesuch eine Auszeit sein kann und ist", so Müller. Das zeige sich etwa im Trend zu Barber-Shops.

Gleichzeitig gebe es am anderen Ende des Spektrums nach wie vor Salons, die mit extrem niedrigeren Preisen um Kunden kämpften. Der Zentralverband des Friseurhandwerks arbeite mit dem Zoll zusammen, um Lohndumping in der Branche zu verhindern, sagt Müller. "Da gibt es sicherlich auch schwarze Schafe im Markt, gegen die gehen wir vor. Aber ich glaube, am Ende des Tages wird sich Qualität durchsetzen."

© SZ.de/dpa/vit

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