Dax-Unternehmen:Gesundheitskonzern Fresenius räumt auf

Dax-Unternehmen: Vorstandschef Michael Sen am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz in Bad Homburg. Er macht Tempo.

Vorstandschef Michael Sen am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz in Bad Homburg. Er macht Tempo.

(Foto: Boris Roessler/dpa)

Im vergangenen Jahr hat der Konzern fast 600 Millionen Euro Verlust gemacht. Aber Vorstandschef Michael Sen hat erledigt, was er angekündigt hat: Altlasten abgeworfen.

Von Elisabeth Dostert, Bad Homburg

Einen Moment lang sind sich Michael Sen, Vorstandschef von Fresenius, und Finanzvorständin Sara Hennicken uneins. Natürlich seien Verluste ärgerlich, sagt die Managerin. Verlust hat der Konzern 2023 in der Tat gemacht, fast 600 Millionen Euro. 2022 stand da noch ein Gewinn von 1,4 Milliarden Euro. Wie es dazu kam, kann Hennicken erklären. 2023 fielen Sonderaufwendungen in Höhe von zwei Milliarden Euro an. Gut die Hälfte davon sind nicht zahlungswirksame Wertberichtigungen des Anteils an der Dialyse-Tochter Fresenius Medical Care (FMC). Eines der Projekte im vergangenen Jahr war die finanzielle Entflechtung von Mutter- und Tochterkonzern. In den Büchern war der Anteil zu hoch angesetzt.

Sen ärgert sich nicht über den Verlust, sagt er. Denn solche Zahlen bilden die Vergangenheit ab. Sen blickt lieber in die Zukunft. Und der Markt, auf dem sich der Konzern mit seinen Krankenhäusern, Medikamenten und seiner Medizintechnik bewegt, ist milliardenschwer - weltweit 800 Milliarden bis eine Billion Euro. 2024 solle sich das Wachstum beschleunigen und der Umsatz organisch, also ohne Zukäufe, um drei bis sechs Prozent zulegen. 2023 lag der Konzernumsatz bei 22,3 Milliarden Euro.

Es ist die erste Bilanzpressekonferenz von Sen für ein Geschäftsjahr, das er komplett verantwortete. Seit Anfang Oktober 2022 ist er Vorstandschef. Er übernahm einen Konzern in einem desolaten Zustand. Kaum im Amt drückte er, wie Sen es nannte, die Reset-Taste und startete das Programm "Future Fresenius". Sen fackelt nicht lange, dafür ist er bekannt, das war schon in seiner Zeit bei Siemens und Eon so. Strukturen, über die bei Fresenius jahrelang diskutiert wurde, wurden aufgebrochen und vereinfacht. "Wir haben Fresenius in kürzester Zeit neu aufgestellt", sagt Sen am Mittwoch. Einige Journalisten hätten geschrieben "in Rekordzeit". Das hat ihm gefallen, so wirkt er.

"Wir haben mehr Ideen als Mittel."

"Nach einigen enttäuschenden Jahren war 2023 ein Schritt in die richtige Richtung", sagt Florian Oberhofer, Fondsmanager bei Union Investment. Fresenius habe die ausgerufenen Ziele erreicht und insbesondere bei den Kosteneinsparungen "geliefert". 2024 gehe es nun darum, die gesteckten Ziele zu erreichen, operative Fortschritte zu erzielen und Schulden abzubauen, schreibt Oberhofer der SZ.

"Wir haben in den vergangenen zwölf Monaten aufgeräumt", sagt Finanzvorständin Hennicken. Dazu gehört die neue Struktur. Als operative Gesellschaften von Fresenius werden die Klinikgruppe Helios und Fresenius Kabi geführt; die Firma stellt unter anderem Medikamente, Flüssignahrung und Blutbeutel her. Fresenius Medical Care und Vamed, eine Gesellschaft die Reha-Kliniken betreibt, Gebäudemanagement und Klinken plant, sind Finanzbeteiligungen.

Die Dialyse-Tochter Fresenius Medical Care (FMC) war lange eine Kommanditgesellschaft auf Aktien und musste als solche vom Mutterkonzern voll konsolidiert werden; alle Verluste schlugen voll auf das Ergebnis durch. Ende 2023 wurde FMC in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, an der Fresenius 32 Prozent hält. In das Konzernergebnis 2023 floss FMC nur noch anteilig mit eben jenen 32 Prozent ein. Damit hat Fresenius eine Altlast abgeworfen, denn auch wegen FMC hatte Fresenius mehrfach eine Gewinnwarnung ausgeben müssen. Die auf Kinderwunsch spezialisierte Gruppe Eugin, die Fresenius unter dem damaligen Vorstandschef Stephan Sturm Ende 2020 erworben hatte, hat Sen an ein Konsortium um den Finanzinvestor KKR verkauft. Die Trennung wurde im Januar vollzogen, in den Zahlen für 2023 ist Eugin daher noch enthalten.

2023 hat Fresenius aus dem im Krankenhausfinanzierungsgesetz vorgesehenen Entlastungspaket Hilfen von fast 300 Millionen Euro erhalten. Die Inanspruchnahme ist an Auflagen gebunden. Für das Geschäftsjahr 2023 wird es, wie der Konzern im Dezember mitgeteilt hatte, keine Dividende geben, der Vorstand erhält keine Boni. Der Wegfall der Dividende für 2023 hilft auch beim Abbau der Schulden. Noch ist die Finanzkraft nicht da, wo sie Sen gern hätte, um etwa Zukäufe zu stemmen. "Wir haben mehr Ideen als Mittel", sagt der Vorstandschef.

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