GleichstellungFrauenanteil in Vorständen stagniert

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Eine Frau allein unter Männern, das ist durchaus noch Alltag in den Chefetagen deutscher Firmen. Der Anteil weiblicher Vorstände stagnierte laut einer Studie des DIW zuletzt.
Eine Frau allein unter Männern, das ist durchaus noch Alltag in den Chefetagen deutscher Firmen. Der Anteil weiblicher Vorstände stagnierte laut einer Studie des DIW zuletzt. (Foto: Thomas Koehler/Imago/photothek.de)
  • Der Frauenanteil in den Vorständen deutscher Großunternehmen stagniert laut einer DIW-Studie erstmals seit Jahren oder geht sogar zurück.
  • Nur der Finanzsektor konnte im vergangenen Jahr beim Frauenanteil in Vorständen zulegen.
  • Der durchschnittliche Frauenanteil in Vorständen fiel auf 19,2 Prozent und liegt damit unter dem Höchststand von Januar 2025.
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Zum ersten Mal seit Jahren wächst der Frauenanteil in den Vorständen der größten deutschen Unternehmen nicht mehr. Nur eine Branche konnte im vergangenen Jahr zulegen.

Von Kerstin Bund

Der jahrelange Aufwärtstrend beim Frauenanteil in den Chefetagen deutscher Großunternehmen ist gestoppt. Zu diesem Befund kommen gleich mehrere Studien, die in diesen Tagen erschienen sind. Nach dem am Mittwoch veröffentlichten Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin stagnierte der Anteil von Frauen in den Vorständen im vergangenen Jahr in den meisten untersuchten Unternehmensgruppen oder ging sogar zurück. Lediglich der Finanzsektor scherte aus – dort legte der Frauenanteil weiter zu. Das DIW nahm für seine Untersuchung mehr als 500 Unternehmen in Deutschland unter die Lupe – darunter die 200 umsatzstärksten Firmen, 160 in den Dax-Indizes notierte Unternehmen, die 100 größten Banken, 60 Versicherungen sowie gut 70 Betriebe mit Bundesbeteiligung.

Ein ähnliches Bild zeichnet der zum Jahresende aktualisierte Women-on-Board-Index der Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR). Nachdem im Vorjahr bereits die Zahl der Frauen in den Kontrollgremien nicht gestiegen war, ist nun auch die Vorstandsebene betroffen: Die Zahl der Top-Managerinnen sinkt. Analysiert wurden mehr als 180 Unternehmen aus Dax, MDax und SDax sowie dem regulierten Markt. Insgesamt fiel der durchschnittliche Frauenanteil in den Vorständen auf 19,2 Prozent und damit unter den Höchststand vom Januar 2025. Damals hatte er noch bei 20,6 Prozent gelegen.

„Die jüngste Entwicklung ist ein Warnsignal.“

„Noch ist unklar, ob wir es mit einer kurzfristigen Delle oder dem Beginn einer längeren Stagnation beim Frauenanteil in Spitzenpositionen zu tun haben“, sagte Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics am DIW. „Klar ist aber: Die jüngste Entwicklung ist ein Warnsignal, dass Fortschritte ‌bei der Gleichstellung in Führungspositionen kein Selbstläufer sind“, betonte die Expertin. In vielen Fällen liege die Stagnation nicht daran, dass weniger Frauen in Vorständen vertreten seien. Vielmehr sei die Zahl männlicher Vorstandsmitglieder im Vergleich zum Vorjahr stärker gestiegen.

Das DIW-Barometer erscheint in diesem Jahr zum 20. Mal. Trotz des aktuellen Dämpfers fällt die Langzeitbilanz positiv aus. Seit Beginn der Erhebung im Jahr 2006 ist der Frauenanteil in den obersten Gremien deutlich gewachsen. So lag der Anteil der Vorständinnen in den 200 umsatzstärksten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors damals bei gut einem Prozent, im Spätherbst 2025 waren es rund 19 Prozent. Auch in den Aufsichtsräten nahm der Frauenanteil in allen Gruppen deutlich zu.

Am Besten schneiden Unternehmen mit Bundesbeteiligung ab

Positiv stechen weiterhin die 40 größten Dax-Unternehmen hervor, deren Vorstände inzwischen zu gut einem Viertel weiblich besetzt sind. Dort haben es immerhin vier Frauen bis ganz an die Spitze geschafft: Bettina Orlopp bei der Commerzbank, Karin Rådström bei Daimler Truck, Helen Giza bei Fresenius Medical Care und Belén Garijo bei Merck. Die 36 anderen Dax-Chefs sind allerdings allesamt Männer. Und auch unter den 40 größten Konzernen des Landes gibt es noch welche mit einem komplett frauenfreien Vorstand: Brenntag und die Porsche Holding.

Am besten schneiden in der DIW-Studie die Unternehmen mit Bundesbeteiligung ab, obwohl die Forscher auch dort einen leichten Rückgang verzeichnen: Dort liegt der Frauenanteil in den Vorständen immerhin bei rund 32 Prozent.

Eine zusätzliche Studie im Rahmen des Barometers zeigt zudem, dass Frauen in Führungspositionen Geschlechterstereotype abbauen können. Ein Experiment kam zu dem Ergebnis, dass die Befragten im Durchschnitt niedrigere Löhne für Frauen als gerecht betrachteten. Hatten sie jedoch eine Frau als direkte Vorgesetzte, verringerte sich dieser Unterschied bei den als fair empfundenen Löhnen. „Frauen in Führungsrollen können dazu beitragen, tief verankerte geschlechterstereotype Zuschreibungen aufzubrechen, indem sie etablierte Statusannahmen infrage stellen und als konkrete Vorbilder wirken“, erklärte Wrohlich, die auch Professorin für Öffentliche Finanzen, Gender- und Familienökonomie an der Universität Potsdam ist.

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