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Deutsche Vorstände:Frauenanteil steigt ohne Quote kaum

Frauenquote

In den Vorständen der Firmen, die unter die Aufsichtsratsquote fallen, saßen auch im vergangenen Jahr nur 8,5 Prozent Frauen.

(Foto: dpa)
  • Die vom DIW untersuchten Unternehmen halten sich an Frauenquoten in den Aufsichtsräten. Sie stellen aber kaum mehr Frauen ein als die Quote vorgibt.
  • In anderen Ländern hat die Frauenquote in den Aufsichtsräten dafür gesorgt, dass auch mehr Frauen in den Vorständen sitzen. In Deutschland funktioniert das nicht.
  • Der Bund geht mit schlechtem Beispiel voran: In den Unternehmen, an denen er beteiligt ist, ist der Frauenanteil in den Vorständen sogar gesunken.

Die Quote wirkt - aber nur dort, wo sie gilt. So lässt sich zusammenfassen, was sich hierzulande im vergangenen Jahr getan hat in Sachen Frauen in Führungspositionen. In den 100 umsatzstärksten deutschen Unternehmen ist der Anteil von Frauen in den Aufsichtsräten um gut drei Prozentpunkte auf 28,4 Prozent gestiegen; in den 200 größten Unternehmen waren es knapp 27 Prozent und ein Plus von 2,3 Prozentpunkten. Das Managerinnen-Barometer wird regelmäßig vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erhoben. Am Mittwoch wurde es in Berlin vorgestellt.

Die Finanzbranche hat das DIW separat betrachtet: Der Frauenanteil in den Vorständen der 100 größten Banken in Deutschland stagnierte 2018 bei knapp neun Prozent. In den 60 größten Versicherungen nahm er um gut einen Prozentpunkt auf fast zehn Prozent zu. Der Frauenanteil in den Kontrollgremien lag im Jahr 2018 bei jeweils rund 23 Prozent.

Seit 2016 müssen börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen, in denen also Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gleichen Teilen in den Kontrollgremien vertreten sind, mindestens 30 Prozent Frauen in ihren Aufsichtsräten sitzen haben. Dass das gelungen ist, zeigt sich in den insgesamt 104 Unternehmen, die Ende 2018 unter diese Quote fielen. Dort lag der Frauenanteil in den Aufsichtsräten am Jahresende bei knapp 33 Prozent, knapp drei Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Die Dax-30-Konzerne kamen ebenfalls auf einen Frauenanteil von einem Drittel. Allerdings hatten sie diesen Anteil schon im Vorjahr erreicht. Die DIW-Forscherinnen Elke Holst und Katharina Wrohlich ziehen daraus, dass sich dort nichts geändert hat, den Schluss, dass "offenbar viele Unternehmen ihre Bemühungen, Frauen für die Aufsichtsgremien zu gewinnen, nach Erreichen des gesetzlich vorgegebenen Frauenanteils in Aufsichtsräten wieder zurückfahren oder gar ganz einstellen".

Zudem führen die aktuellen Zahlen noch zu einer weiteren, eher ernüchternden Erkenntnis: Die Frauenquote für die Aufsichtsräte hat offenbar keine besondere Durchschlagskraft auf die Vorstände. Dort gilt keine Quote; die Hoffnung war, mehr Frauen in den Aufsichtsräten würden dazu führen, dass Frauen auch der Aufstieg in die Vorstände leichter fällt. Dem DIW-Bericht zufolge zeigten Studien, dass es in Norwegen oder Australien durchaus Hinweise auf solche "Spillover"-Effekte gebe. In Deutschland ist das aber bislang nicht eingetreten. Zumindest kurzfristig sei nicht davon auszugehen, "dass ein höherer Frauenanteil in Aufsichtsräten automatisch zu einem höheren Frauenanteil auch in Vorständen führt", heißt es in der Studie. Das allerdings könnte jenen Auftrieb geben, die auch für die Vorstände von Unternehmen eine Frauenquote fordern.

In den Vorständen der Firmen, die unter die Aufsichtsratsquote fallen, saßen auch im vergangenen Jahr nur 8,5 Prozent Frauen. Und: Es ging kaum voran, denn verglichen mit den 7,9 Prozent des Vorjahres war das nur eine minimale Verbesserung. Insgesamt sitzt nur in jedem dritten dieser Unternehmen überhaupt eine Frau im Vorstand - und den Vorsitz hat nur in zwei Unternehmen eine Frau inne.

In der Gruppe der größten 100 Unternehmen hingegen hat der Frauenanteil in den Vorständen erstmals die Zehn-Prozent-Marke erreicht. Allerdings sind auch dort fast 60 Prozent der Vorstände eine frauenfrei. Und der Zuwachs fiel auch in dieser Gruppe mit knapp eineinhalb Prozentpunkten nicht gerade rasant aus.

Interessant ist noch ein weiterer Aspekt: Die Politik selbst geht nicht wirklich mit gutem Beispiel voran, was Frauen in Spitzenpositionen angeht. Auch in den 60 Beteiligungsunternehmen des Bundes sitzt nur in jedem dritten eine Frau im Vorstand, und der Frauenanteil in den Vorständen ist im vergangenen Jahr sogar gesunken; um rund vier Prozentpunkte auf 14 Prozent. Das sei "eine Zäsur", schreiben die DIW-Forscherinnen. Zuvor war der Frauenanteil von 2010 bis 2017 kontinuierlich von fast sieben auf knapp 18 Prozent gestiegen.

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