Frauen in der Tech-Branche:Keine Angst vor den Clowns

Frauen in der Tech-Branche: Fondsgründerin Jalak Jobanputra wirbt für Investitionen.

Fondsgründerin Jalak Jobanputra wirbt für Investitionen.

(Foto: privat)

Die Krypto-Welt ist männlich. Nun versuchen Gründerinnen und Investorinnen Frauen für deren Themen zu begeistern.

Von Katharina Kutsche

Eigentlich waren die Entwickler von Kryptogeld ja angetreten, die Finanzwelt demokratischer zu machen. Nun zeigt sich, dass in der Welt der Bitcoins eine Gruppe unterrepräsentiert ist, die 50 Prozent der Weltbevölkerung ausmacht: Frauen, mal wieder.

"Frauen hinterfragen immer, ob sie qualifiziert sind", sagt die Investorin Arianna Simpson. "Aber guckt Euch doch mal die Clowns um uns herum an." Wie Simpson melden sich derzeit Frauen zu Wort, die aufrütteln wollen. Iliana Oris Valiente etwa, Mitgründerin der Blockchain-Initiative Rubix, ist, wenn sie in der Krypto-Welt unterwegs ist, meist die einzige Frau im Raum, sagte sie den kanadischen CBC News. Das Problem: "Wenn vor allem Männer die ersten Unternehmen aufbauen oder früh in sie investieren, teilen sie wahrscheinlich die Leckerbissen mit ihren eigenen etablierten Netzwerken." Die, die früh einsteigen, machen die großen Gewinne - und sie entscheiden, in was sie als nächstes investieren.

Eine Gruppe um die Investorin Jalak Jobanputra will nun eine Interessenvertretung für Vielfalt in der Blockchain-Welt gründen. Bei Jobanputra, Gründerin von Future Perfect Ventures, sprang der Funke vor fünf Jahren über. "Als ich zum ersten Mal bei einer Blockchain-Konferenz war, bekam ich Gänsehaut - genauso wie damals, als ich mich zum ersten Mal ins Internet einloggte", sagt die Amerikanerin in einem Podcast des Online-Portals Techcrunch. "Ich wusste, mein Fonds muss da einsteigen."

Wie hoch der Anteil von Frauen zwischen Bitcoin und Blockchain tatsächlich ist, ist schwer zu sagen, schließlich zieht diese Welt ihre Attraktivität auch aus dem Versprechen, man könne sich darin halbwegs anonym bewegen. Studien schätzen allerdings, dass Frauen nur zu vier bis sechs Prozent vertreten sind: ein Männer-Anteil von rund 95 Prozent. Das Magazin Forbes errechnete, dass die 19 Menschen, die durch Kryptogeld am reichsten wurden, Männer sind.

Was diese männliche Prägung noch zur Folge hat, berichtete die New York Times. Da ist etwa die Firma namens Date Coin, die Investoren mit einer Facebook-Anzeige warb, in der sich eine Frau im Badeanzug rekelte, betitelt mit einer anzüglichen Tech-Analogie ("Touch my ICO"). Oder das Krypto-Start-up, das angetreten war, um die Obst- und Gemüseindustrie zu revolutionieren: Nachdem sie im Januar hingeworfen hatten, hinterließen die Gründer nur das Wort "Penis" auf ihrer Website. Und als hätte es die Diskussion um sexuelle Belästigung in der Tech-Branche nie gegeben, luden die Veranstalter der Nordamerikanischen Bitcoin-Konferenz im Januar zur offiziellen Konferenzparty in einen Striptease-Club in Miami - nachdem sie zuvor ein Panel mit 84 männlichen Sprechern und drei Frauen aufgeboten hatten.

Ist der Zeitpunkt für einen Einstieg schon vorbei? Nein, sagt Jobanputra. Verglichen damit, wie sich das Internet entwickelte, stehe die Blockchain-Technologie etwa im Jahr 1993 - dem Jahr, in dem erstmals ein Webbrowser auf den Markt kam, der vielen Menschen den Zugang zum weltweiten Netz ermöglichte.

Oris Valiente vermisst jedoch Vorbilder für Frauen in der Krypto-Welt. Darum spricht sie bei Veranstaltungen über ihre persönlichen Erfahrungen in der Branche und vermittelt Krypto-Grundwissen. Sie ist optimistisch: Entweder platze die Bitcoin-Blase. Oder das digitale Geld setze sich durch: "Wenn das passiert, werden auch Frauen auf der Party auftauchen. Spät zwar, aber sie werden kommen."

© SZ vom 02.03.2018
Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB