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Aktien:Wie Frauen die Finanzmärkte besser machen können

Frankfurter Wertpapierbörse

Gerade bei Frauen und Millenials, also jüngeren Menschen, stehen ethische und soziale Geldanlagen hoch im Kurs.

(Foto: dpa)

Die Geldanlage ist immer noch ein Feld der Männer. Dabei legen Frauen meist rentabler und nachhaltiger an.

KGV, ETF und Thesaurierung: Jemand, der mit Aktien nichts am Hut hat, ist schon an dieser Stelle ausgestiegen. Dabei ist das Ganze gar nicht so schwer, wie man denkt. Siehe: Affen. Ein Team von Wissenschaftlern ließ 100 Affen über Jahrzehnte hinweg an der US-Börse spekulieren, und die Primaten schlugen den Markt um 1,7 Prozent. Auch wenn es bei dem Experiment ein paar Details gibt, die den Erfolg der Tiere schmälern, zeigt es doch: An der Börse hat man es nicht mit Quantenphysik zu tun. Mit Glück allein aber auch nicht. Vor allem hat man es mit sehr vielen Männern zu tun, zumindest bisher. Geldanlage war sehr lange ein rein männliches Feld, auch heute arbeiten im Finanzsektor immer noch viel mehr Männer als Frauen. Und diese ungleiche Verteilung setzt sich bis zu den Investoren fort: Es gibt deutlich weniger weibliche Depotbesitzer als männliche. Einer Studie der US-Bank JP Morgan Chase aus dem Jahr 2017 zufolge haben zwar 55 Prozent der Frauen in Deutschland Geld auf dem Sparbuch, aber nur 13 Prozent in Aktien investiert. Bei Männern steht die Quote bei 50 zu 23. Eins ist klar: Mit Aktien lässt sich mehr verdienen als mit Sparbüchern.

Dabei legen Frauen durchaus erfolgreich an, wenn sie denn mal anlegen - und schlagen Männer regelmäßig an den Aktienmärkten. Deutlich wird das zum Beispiel, wenn man den HFRX Diversity Women Index, der nur von Frauen geführte Fonds abbildet, mit anderen Indizes vergleicht. Im vergangenen Jahr schlug er sowohl den DAX, der die Aktien der 30 größten börsennotierten deutschen Unternehmen umfasst, den S&P 500, der die 500 nach Börsenwert größten US-Unternehmen abbildet, als auch den vergleichbaren, viel breiter aufgestellten Fonds-Index HFRI Fund Weighted Composite Index. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Frauen anders anlegen als Männer, in der Regel nämlich ruhiger und mit mehr Weitblick. Sie schätzen Risiken besser ein, und statt ihre Aktien ständig zu kaufen und zu verkaufen, sobald sich der Wind dreht, bleiben sie länger bei den gleichen Papieren - und gewinnen damit.

Schluss mit Sparbuch

So langfristig Investorinnen also denken, so kurzsichtig handeln weibliche Wertpapiermuffel. Beziehungsweise: Sie handeln oft gar nicht. "Frauen bunkern das Geld viel zu häufig auf dem Konto", sagt Annika Peters, Geschäftsführerin und Beraterin bei der FrauenFinanzBeratung in Stuttgart. Sie kenne Frauen mit 100 000 Euro oder mehr auf dem Tagesgeldkonto. Bei den mageren Zinsen und der dauernden Inflation bedeutet das konstanten Verlust. Da viele Frauen wegen Babypause und Teilzeitstelle mit geringeren Renten rechnen müssen, kann das langfristig fatale Folgen haben.

Laut einer Studie der Vermögensverwaltung Amundi machen sich 44 Prozent der weiblichen Befragten zwischen 35 und 55 Jahren keine Gedanken über Altersvorsorge. Dabei ist ein breites Aktien- und Wertpapierportfolio gerade für Frauen als private Absicherung interessant, weil das Geld dann arbeitet, egal ob die Anlegerin gerade Kinder großzieht oder nur bis 15.30 Uhr im Büro ist. Überzeugende Zahlen gefällig? Bitteschön: Der DAX legte zwischen dem 1. April 2008 und dem 1. April 2019 rund 75 Prozent zu. Hätte die Frau mit dem Tagesgeldkonto ihre 100 000 Euro vor zehn Jahren in einen DAX-abbildenden Fonds angelegt, wäre ihr Depot heute 175 000 Euro wert. So kommt sie auf kaum mehr als die 100 000 Euro - und kann sich damit heute weniger kaufen als vor zehn Jahren.

Ja, aber: Schwarzer Freitag! Leh-man Brothers! Argumente gegen wilde Spekulationen gibt es freilich viele. Vielleicht auch nur jenes, dass man nicht weiß, was Kürzel wie KGV bedeuten, und sich davon abschrecken lässt. Dabei muss man mit Wertpapieren nicht automatisch wild spekulieren. Und dass KGV ganz banal für das Kurs-Gewinn-Verhältnis einer Aktie steht, ist schnell erklärt. Trotzdem lassen sich Frauen zu oft davon abhalten, dass sie etwas nicht bis ins letzte Detail verstehen. "Frauen wollen nicht nur die Rendite sehen, sondern das gesamte Produkt dahinter verstehen", sagt Finanzberaterin Peters. Männer haben meist mehr Mut zur Wissenslücke und machen einfach mal, auch wenn sie nicht das gesamte Kleingedruckte gelesen haben. Dabei ist der weibliche Wunsch nach Verständnis eigentlich ein weiterer Vorteil ihrer Anlagestrategie. Sie steigen oftmals tiefer in die Materie ein, weil sie wissen möchten, wohin ihr Geld schlussendlich fließt. Damit befolgen sie intuitiv eine goldene Regel des Star-Investors Warren Buffett, der rät: Kauf nur, was du verstehst.