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Frau Bezos zu Amazon-Buch:Nur ein Stern für die Biografie ihres Mannes

"Das Buch ist faktisch ungenau". In einer ausführlichen Buchbesprechung schreibt MacKenzie Bezos, Frau von Amazon-Chef Jeff Bezos, warum sie ein kritisches Werk über ihren Mann und seine Firma schlecht findet. Sie tut das, klar: auf Amazon.

MacKenzie Bezos, Buchautorin und Frau von Amazon-Chef Jeff Bezos, findet ein neu erschienenes Buch über Amazon und ihren Mann nicht lesenswert. Zumindest hat sie - klar, auf Amazon - das Buch mit nur einem Stern bewertet, das entspricht quasi einer glatten Sechs.

In der deutschen Übersetzung heißt das Buch "Der Allesverkäufer" und ist im Oktober erschienen (die Highlights aus dem Buch lesen Sie hier auf Süddeutsche.de). Der Autor des Buches ist Brad Stone, Journalist bei Bloomberg Businessweek.

MacKenzie Bezos schreibt, dass sie das Buch wohlwollend aufgeschlagen habe. Doch seien ein paar Probleme aufgetaucht: "An jeder Stelle, an der ich die Fakten aus meinem persönlichen Wissen heraus überprüfen kann, finde ich viel zu viele Ungenauigkeiten und unglücklicherweise wirft das auch Zweifel auf über jeden anderen Abschnitt in diesem Buch." So sei sie bei vielen beschriebenen Events dabei gewesen, zum Beispiel bei der Erstellung des Businessplans. Zudem dehne der Schreibstil des Autors den Begriff Sachliteratur (gemeint ist: das Buch tendiert für den Geschmack von MacKenzie zu sehr in Richtung Erdichtung). Das Ergebnis sei ein irreführendes Porträt über die Leute, die bei Amazon arbeiten und die Kultur, die dort vorherrsche. Ein weiterer Kritikpunkt von MacKenzie Bezos ist, dass der Autor nicht mit Jeff Bezos gesprochen habe.

Amazon-Sprecher Craig Berman hat dem Wall Street Journal zufolge bestätigt, dass es sich bei der Bewertung tatsächlich um MacKenzie Bezos handle und nicht etwa um einen Satire-Account.

Autor Brad Stone indes verteidigt sein Werk. Es sei das Ergebnis von "Hunderten von Interviews von aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern" über einen Zeitraum von zwei Jahren. Falls er jedoch Fehler gemacht haben sollte, würde er sie korrigieren.

Amazon hat sich zwischenzeitlich auch zu Wort gemeldet. In einer Pressemitteilung schreibt Craig Berman: "Amazon hat für den Autor mehrere Treffen mit einem halben Dutzend leitender Angestellter arrangiert. Dort hätte er die Chance gehabt, die Aussagen von früheren Mitarbeitern auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen. Er hatte jede Möglichkeit, seine Erzählung ausgeglichener zu gestalten, aber er war sehr geheimniskrämerisch und hat sich einfach dagegen entschieden."

Auch auf diese Kritik hat Brad Stone reagiert: "Ich habe meine Arbeit erschöpfend auf ihre Richtigkeit hin überprüft. Amazon hat sich geweigert, ein Treffen mit Jeff Bezos zu arrangieren."

© Süddeutsche.de/hatr

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