Fraport vor Zukäufen "Wir sind aggressiv unterwegs"

Fraport-Chef Wilhelm Bender plant die Übernahme der Londoner Konkurrenten Gatwick und Stanstead. Im Streit mit der Lufthansa warnt er vor einem "Scherbenhaufen".

Fraport-Chef Wilhelm Bender hat Interesse an einer Übernahme der Londoner Flughäfen Stansted und Gatwick angemeldet. Auch sonst sei Fraport in Sachen Zukäufen "relativ aggressiv unterwegs", sagte Bender der Wirtschaftswoche . Besonders reizvolle Regionen sind für den Fraport-Chef Indien und Asien. "Dort sehen wir das größte Wachstumspotenzial", sagte Bender. In London steckt die Gesellschaft BAA, in deren Besitz sich die beiden Flughäfen befinden, in argen finanziellen Nöten. Es wird daher gemutmaßt, sie werde schon bald einzelne Flughäfen abstoßen um Schulden zu tilgen.

Auf einen Kompromiss angewiesen: Weder Lufthansa noch Fraport können ohne den anderen.

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Im Zusammenhang mit dem Flughafenausbau in Frankfurt kritisierte Bender die Klage der Lufthansa gegen die geplante Nachtflugregelung: "Alle Beteiligten, egal ob Fraport, das Land Hessen oder eben die Lufthansa, müssen doch ein Ziel haben: dass der Beschluss hält. Dem müssen alle - auch Lufthansa - die eigenen betrieblichen Erfordernisse unterordnen. Sonst stehen wir am Ende vor einem Scherbenhaufen."

Lufthansa fordert 41 Nachtflüge für sich

Lufthansa und andere Fluggesellschaften haben Klage gegen die Ausbaugenehmigung für den Frankfurter Flughafen eingereicht, die auch eine strikte Begrenzung der Nachtflüge vorsieht. Zwar befürwortet die Lufthansa einen Ausbau der Landebahnen, die vorgesehene Begrenzung der Nachtflüge auf 17 ist ihr jedoch zu wenig. Sie fordert allein für ihre Maschinen 41 Flüge in der fraglichen Zeit und widersetzt sich daher dem nach zähen Verhandlungen mit der Landesregierung und den angrenzenden Gemeinden erzielten Kompromiss.

Der Konzernchef des Frankfurter Großflughafens Bender kündigte außerdem an, Fraport werde in Zukunft verstärkt auf das Immobilien- und Einzelhandelsgeschäft setzen. Der Umsatz je abgefertigtem Passagier soll von heute 2,69 Euro auf 3 Euro im nächsten Jahr und auf 4 Euro im Jahr 2012 steigen.

Da der Flughafen bis dahin gut acht Millionen zusätzliche Fluggäste erwartet, entspräche dies einem operativen Gewinn von zusätzlich gut 100 Millionen Euro.