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Kaufhauschef François Loeb:Kreativität wirkt doppelt

sueddeutsche.de: Ihre Kunden dürften ihren Spaß gehabt haben. Aber haben sie auch mehr gekauft?

Loeb: Wenn Sie den Ruf haben, kreativ zu sein, wirkt das positiv, weil die Kunden annehmen, dass das Sortiment im Geschäft ausgefallener als anderswo ist. Wenn noch dazu die Qualität stimmt, kaufen sie auch. Zugleich war es für mich eine Art Lebensinhalt, sich solche Aktionen auszudenken und zu sehen, was daraus entstand: Es gab ja auch Flops. Zu unserem 100. Geburtstag haben wir etwa im ganzen Kanton Bern Kinos gemietet, die Leute konnten gratis schauen. Das geriet am Ende außer Kontrolle: Das Gedränge war so groß, dass selbst die Polizei überfordert war.

sueddeutsche.de: Sie haben mit vielen originellen Ideen ihr Kaufhaus in der Schweiz am Leben gehalten - können sich solche Eskapaden nur kleine Kaufhäuser leisten?

Loeb: Es würde bei großen dann funktionieren, wenn das Management entsprechende Freiheitsgrade hat. Aber auch die Mitarbeiter müssen mitziehen.

sueddeutsche.de: Mussten Sie Ihr Personal überzeugen?

Loeb: Nein, zahlreiche Ideen für Events stammen von den Mitarbeitern. Es ist erstaunlich zu sehen, wie kreativ viele von ihnen sind - gerade jene, die man im Verdacht hatte, trockene Menschen zu sein. Das bezog sich nicht nur auf unsere Aktionen für das Geschäft. Viele Menschen sind auch in der Freizeit kreativ, ohne dass die Firma je etwas davon mitbekommt. Das ist doch schade. Bei uns konnten sie es zeigen. Wir haben ihnen angeboten, eigene Produkte - beispielsweise Bilder oder was immer ihr Steckenpferd war - bei uns auszustellen, Vernissagen zu veranstalten und Kunstwerke auch zu verkaufen.

© sueddeutsche.de/jja
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