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FR steht zum Verkauf:Die SPD will auch mal rundschauen

Seit Monaten hängt das Schicksal der Frankfurter Rundschau in der Schwebe. Nach dem DGB optiert nun die Regierungspartei. Doch wer letztendlich das Sagen haben wird, ist noch völlig offen.

Immer wieder Donnerstag... Viele heikle Fragen sind in den vergangenen Monaten donnerstags im Haus der Frankfurter Rundschau diskutiert worden. Bei solchen Terminen wurde mit den Gläubigerbanken über die Zukunft des hoch verschuldeten Blattes beraten; man tagte und irgendwie ging es am Freitag weiter. Die Rede war dann von Routinetreffen und vom erfolgreichen Sanierungskurs.

Wolfgang Storz

Im September 2003 präsentierte Chefredakteur Wolfgang Storz noch stolz die neue gestalteten Zeitung. Doch die erhoffte "nennenswerte Steigerung der Auflage" ist bislang ausgeblieben.

(Foto: Foto: ddp)

Ein besonderer Donnerstag

Dieser Donnerstag ist gewiss ein besonderer Tag. Wieder sitzen die Geldgeber der Zeitung - die Frankfurter Sparkasse 1822 (Fraspa) und die Dresdner Bank - mit den Verlagseigentümern und den Managern zusammen. Diesmal geht es um das Ganze.

Die große Frage: Was wird aus dem Erbe von Karl Gerold, dem legendären Gründer der linksliberalen FR, die bis in die Achtziger hinein das Meinungsklima der Republik mitgeprägt hat? Und was wird aus der Karl-Gerold-Stiftung, die sein Vermächtnis hütet und alle Geschäftsanteile besitzt?

Der Tag der Entscheidung

"Es ist der Tag der Entscheidung", sagt ein Eingeweihter. Es muss Geld her, also ein Investor, der die Verpflichtungen des Hauses bezahlen kann. Dem Vernehmen nach tendierte Stiftungsvorstand Gerhard Zerth - der Sachwalter der Gerold-Ära - zu einem gemeinsamen Einstieg der Gewerkschaftsholding BGAG und der Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft (DDVG), der Medienholding der SPD. Beide hätten ihre Anteile gepoolt, so dass sie am Ende 75 bis 80 Prozent gehalten hätten.

Dann aber sagten die Gewerkschafter am Mittwoch ab: Die Prüfung habe ergeben, dass "eine fundierte Chance" auf erfolgreiche Sanierung bestehe, jedoch liege ein Engagement nicht "im bisherigen Fokus der BGAG". Nun räsoniert die SPD-Firma DDVG, die etwa die Neue Westfälische in Bielefeld besitzt und an der Sächsischen Zeitung beteiligt ist, über einen Einstieg.

Ein Partner muss her

Dabei bräuchte sie aber vermutlich auf längere Sicht einen Partner, denn zusätzlich zum Kaufpreis müsste investiert werden. Insgesamt wird das Eintrittsgeld in Frankfurt auf rund 50 Millionen Euro geschätzt. Und die DDVG pflegt, so ein Grundsatz, keine Mehrheitsbeteiligungen einzugehen.

"Über Spekulationen äußern wir uns nicht", sagt Firmensprecher Marco Althaus: "Unsere generelle Linie ist immer gewesen, zum Erhalt der Pressevielfalt beizutragen." Die Stiftung würde im Falle einer solchen Lösung als Juniorpartner erhalten bleiben.

Eine DDVG-Gruppe könnte also ein Kandidat sein. Die nötigen 30 Millionen Euro Kapitalzufuhr könnten aber auch von der Kapitalgesellschaft 3i kommen. Hier stünde offenbar eine Komplett-Übernahme der Rundschau an - hundert Prozent sollen gekauft werden.

Ein Lauf gegen die Zeit

Das Stiftungskuratorium der verdienten Honoratioren um Vormann Zerth (Jahrgang 1925) hätte so zwar den Bestand der Zeitung und der Druckerei in Neu-Isenburg gesichert - sich selbst aber dabei gewissermaßen in Rente geschickt. Ist das aber mit dem Stiftungsgedanken und der Satzung vereinbar, die eine linksliberale Haltung des Blatts vorsieht und den Erhalt des Stiftungsvermögens? Man hatte sich an Überweisungen von rund 300.000 Euro in besseren Zeiten gewöhnt, um Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung zu fördern.

Es ist ein Lauf gegen die Zeit. Neue Investoren haben sich gemeldet, offenbar auch aus Los Angeles, um sich gegebenenfalls zu beteiligen. In diesen Kreisen wird ein Verbundmodell erörtert, zu dem auch andere Zeitungen im weiteren Umkreis gehören könnten - mit der FR als Leuchtturm. Erscheint also ein "Weißer Ritter", ein Retter in Not? Oder müssen womöglich noch härtere Schritte erwogen werden?

Schlüsselrolle der Sparkasse

Eine Schlüsselrolle hat die selbst in Turbulenzen geratene Frankfurter Sparkasse, mit rund 30 Millionen Euro Kredit ein Großgläubiger. Die Banker sind wohl auch bei den immensen Leasingverpflichtungen für Druckmaschinen der Rundschau involviert. Im Management der Sparkasse kam es zum Streit über Lasten und Wertberichtigungen aus Kreditverpflichtungen wie bei der FR; ein neuer Vorstand nahm nach nur fünf Wochen Reißaus.

Nun soll das Institut raus aus der "ertragsmäßigen Talsohle", wie man dort formuliert, und mit der Hessischen Landesbank verzahnt werden; eine Operation, auf die Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) schon lange dringt, dessen Regierung der Rundschau eine Landesbürgschaft zum Überleben gewährt hatte.

Daran hat auch Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) vitales Interesse: "Die Frankfurter Rundschau ist eine Qualitätszeitung, die den Namen unserer Stadt in die Welt trägt. Wir wünschen uns eine möglichst breit gefächerte Pressevielfalt." Ihre Kommune gebietet noch über 40 Prozent der Frankfurter Sparkasse.

Der Weg ist das Ziel

So sind im Finale am Main viele Interessenten dabei: Die großen Parteien (mittelbar und unmittelbar), Banken, große Investoren aus Übersee - und hintendran auch deutsche Großverlage, die auf eine Klärung der Lage warten, um vielleicht selbst zuzuschlagen.

Was auch passiert, es muss schnell gehen. Die Kredite drücken. Und die Leasingraten. Der lange vorbereitete Grundstücksverkauf des Hauptgebäudes in der Frankfurter City ist noch nicht perfekt. Der Personalstand von mehr als 1000 Mitarbeitern erscheint Investoren zu hoch - von rund 750 ist die Rede. Eine Firma wie 3i hat Änderungen auf solchen Feldern offenbar zur Bedingung gemacht.

Die Frankfurter Rundschau ist eine verdiente Zeitung, die sich spät modernisierte. "Der Weg ist das Ziel", philosophierte sie in der Mittwochsausgabe auf Seite eins, "aber es wäre leichter ihn zu finden, wenn es nicht so viele Abzweigungen gäbe."