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Foxconn-Gründer Terry Gou:Visionär mit schlechtem Ruf

Mehr als eine Million Chinesen arbeiten für den Elektronik-Konzern Foxconn. Firmengründer Terry Gou sagte einmal, er wolle Wohlstand für seine Beschäftigten schaffen. Doch Mitarbeiter nehmen sich das Leben, andere streiken oder randalieren - und Gou wird als Ausbeuter beschimpft. Da scheint etwas schiefgelaufen zu sein.

Marcel Grzanna

Drei Visionen, hat Foxconn-Gründer Terry Gou einmal bekannt, hätten ihn bei seinem rasanten Aufstieg als Unternehmer geleitet: Elektroartikel müssten so günstig sein, dass jedermann sie erwerben könne, der Produktionsprozess müsse revolutioniert werden, und schließlich müssten eine größere soziale Harmonie und höhere ethische Standards erreicht werden.

Tour Of The Foxconn Complex And Interview With CEO Terry Guo

Er war einer der Ersten, der die Chancen in China erkannte. Das zahlt sich für Foxconn-Gründer Terry Gou jetzt aus.

(Foto: Bloomberg)

Was die beiden ersten Ziele anbelangt, ist der Geschäftsmann aus Taiwan auf einem guten Weg: Foxconn, oder besser gesagt Hon Hai Precision, wie der Konzern aus Taiwan eigentlich heißt, ist heute der größte Auftragsfertiger der Elektronikindustrie weltweit - günstig, verlässlich und schnell. Nur das dritte Ziel, Harmonie und Ethik, dürfte Gou auf seinem Weg ein wenig aus den Augen verloren haben: Sie kommen in den Foxconn-Fabriken deutlich zu kurz. Zumindest in jenen 13 Werken, die der Taiwaner in der Volksrepublik China betreibt.

Mehr als eine Million Chinesen arbeiten für Terry Gou und seine Visionen. Und obwohl die Mitarbeiter so routiniert schrauben und stecken wie nirgendwo sonst, passt irgendetwas nicht zusammen am Fließband. Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen. Mitarbeiter nehmen sich das Leben, andere streiken oder randalieren. Ist das die Schuld von Terry Gou?

"Viele chinesische Geschäftsleute werden blass vor Neid"

Eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es nicht. An Gous Erfolg verdienen viele mit. Mit seinen Investitionen in der Volksrepublik schiebt er das Wirtschaftswachstum in den betroffenen Regionen an, schafft Arbeitsplätze und beschert den Provinzen willkommene Steuereinnahmen. Lokale Regierungen bemühen sich um ihn. Sie rekrutieren Arbeiter für Foxconn und bauen Terry Gou auch eine eigene U-Bahnstation vor die Werkshalle wie in Shenzhen.

"Angesichts der Beziehungen, die er zu den lokalen Regierungen pflegt, werden viele chinesische Geschäftsleute blass vor Neid", sagt Hu Xindou, Professor am Pekinger Institut für Technologie. Die Behörden helfen Gou sogar, Ärger zu vermeiden. "Die politische Zukunft von chinesischen Beamten basiert auf ihrer Wachstumsbilanz und der Menge an ausländischem Kapital, das sie generieren. Dafür benötigen sie Foxconn. Im Gegenzug helfen sie dem Unternehmen auch mal, Zwischenfälle zu verschleiern", sagt Hu.

Man kann Gou natürlich vorwerfen, dass er sich nicht dagegen wehrt. Und dass er große Teile der Logistik und der Arbeitsorganisation auf den riesigen Fabrikgeländen an private chinesische Firmen ausgelagert hat und diesen weitgehend freie Hand bei der Problemlösung lässt. So kann es zu Randalen kommen wie jetzt in Taiyuan - mit zahlreichen Verletzten und dem Einsatz von 5000 Sicherheitskräften.

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