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Foxconn:3000 Jobs für die USA

Es ist ein Erfolg für Präsident Donald Trump: Der taiwanesische iPhone-Produzent Foxconn will eine neue Fabrik in Wisconsin bauen und viele neue Arbeitsplätze schaffen - mit der Option zum weiteren Ausbau der Fabrik.

Von Claus Hulverscheidt, New York

Punktsieg für US-Präsident Donald Trump: Der taiwanesische Elektronikkonzern Foxconn will im amerikanischen Bundesstaat Wisconsin eine Fabrik zum Bau von Flachbild-Displays errichten und damit mindestens 3000 neue Arbeitsplätze schaffen. Wie mehrere US-Medien am Mittwoch übereinstimmend berichteten, wollten Trump und Foxconn-Chef Terry Gou die Pläne noch im Laufe des Abends bei einem gemeinsamen Auftritt im Weißen Haus bekanntgeben. Die Projektkosten dürften bei mehreren Milliarden Dollar liegen, mittelfristig soll ein weiterer Ausbau der Fabrik möglich sein.

Das taiwanesische Unternehmen ist in aller Welt vor allem dafür bekannt, dass es im Auftrag des US-Konzerns Apple iPhones baut. Firmenchef Gou hatte bereits vor Monaten angekündigt, dass Foxconn in größerem Stil in den USA investieren will. Die jetzige Entscheidung ist dennoch ein Triumph für Trump: Er drängt seit seinem Amtsantritt im Januar in- wie ausländische Unternehmen dazu, ihre Produkte möglichst in den USA zu fertigen. Auch Apple hatte der Präsident wiederholt dafür kritisiert, dass der Konzern seine Handys statt daheim in Fernost zusammenmontieren lässt. Nach einem Gespräch mit Firmenchef Tim Cook erklärte Trump erst diese Woche in einem Interview des Wall Street Journals, der Konzernboss habe ihm den Bau "von drei großen Fabriken versprochen - groß, groß, groß". Ob damit Apple-eigene Produktionsstätten gemeint waren oder etwa Fertigungsanlagen wie die, die der Zulieferer Foxconn jetzt angekündigt hat, blieb zunächst unklar, da Apple selbst einen Kommentar zu der Aussage des Präsidenten verweigert.

Es wird bezweifelt, dass auch Apple selbst Produktion nach Amerika verleg

In Branchenkreisen wurde bezweifelt, dass der Tech-Riese aus dem kalifornischen Cupertino tatsächlich in großen Stil Produktionskapazitäten in den USA aufbauen oder nach dorthin verlagern will. Apple lässt fast alle seine Produkte in Asien bauen, weil dort die meisten Zulieferer sitzen. Zudem gibt es viel gut ausgebildetes Personal, das obendrein zu vergleichsweisen niedrigen Löhnen arbeitet.

Dass sich Foxconn bei der Suche nach einem US-Standort nun für Wisconsin entschied, stärkt auch die Positionen von Trumps Stabschef Reince Priebus und von Paul Ryan, dem Sprecher des Repräsentantenhauses. Priebus soll den Deal hinter den Kulissen mit eingefädelt haben, Ryan kann darauf verweisen, dass die Fabrik in seinem Wahlkreis gebaut werden soll. Der Parlamentssprecher und Gouverneur Scott Walker sollen Foxconn die Entscheidung für Wisconsin mit erheblichen Steuernachlässen schmackhaft gemacht haben. Nach einem Bericht des Milwaukee Journal-Sentinel könnte das Anreiz-Paket, das Ryan und Walker schnürten, ein Volumen von drei Milliarden Dollar haben.

© SZ vom 27.07.2017

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